DFB-Kapitänin vor EM-Start Svenja Huth - Wenn Druck neue Kräfte freisetzt

Stand: 05.07.2022 09:48 Uhr

Mit Druck kann Svenja Huth umgehen - das hat die Wolfsburgerin spätestens in dieser Saison bewiesen. Da dürfte es ein gutes Omen sein, dass die Stürmerin im EM-Auftaktspiel gegen Dänemark am Freitag (08.07.2018) als Kapitänin gefragt ist.

Von Florian Neuhauss

Svenja Huth ist dieser Tage bestens gelaunt. Dabei rührt ihre gebräunte Haut nicht etwa vom genüsslichen Sonnenbad. Auch wenn die Vermutung nahe liegen würde, dass auf die Hochzeit mit ihrer langjährigen Freundin Flitterwochen gefolgt sind. "Schön wär's", sagt die 31-Jährige und lacht. "Nein, nein - die Bräune kommt vom Fußball-Platz." Doch auch dort lief es für die Offensivspielerin des VfL Wolfsburg in jüngerer Vergangenheit eben besonders gut.

Huth fühlt sich wohl - sportlich und privat

"Ich fühle mich gerade einfach richtig wohl - privat und sportlich", sagt die gebürtige Unterfränkin. Mit den "Wölfinnen" feierte sie in der abgelaufenen Saison die Meisterschaft und den Sieg im DFB-Pokal. Weil in Almuth Schult und Alexandra Popp zwei absolute Leistungsträgerinnen lange fehlten, war Huth noch mehr als Führungsspielerin gefragt. Eine besondere Drucksituation - die sie allerdings für sich zu nutzen wusste.

Sie habe das Vertrauen ihrer Mitspielerinnen und auch vom Trainerteam gespürt. "Ich bin fit, habe Spaß und insgesamt mehr Selbstvertrauen", betont Huth. Und das zeigte sich auch auf dem Platz, auf dem sie merklich zielstrebiger zu Werke ging: "Ich war häufiger an Toren beteiligt als vorher", stellt sie zufrieden fest.

Sogar bittere Niederlage in Barcelona hat Gutes

Und selbst bittere Rückschläge hatten etwas Gutes. So wurden den Wolfsburgerinnen im Halbfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Barcelona deutlich die Grenzen aufgezeigt. Doch auch wenn die Partie mit 1:5 endete, sagt Huth rückblickend: "Das Spiel war sehr lehrreich. Und auch wenn es sportlich nicht gut für uns gelaufen ist, bin ich stolz, ein Teil dieses Ereignisses gewesen zu sein." Die Rekordmarke von 91.648 Zuschauern im Camp Nou wird niemand vergessen.

Und nicht zuletzt, weil auch ein großer VfL-Block mit zur Europameisterschaft gefahren ist, sei es wichtig gewesen, "dass wir im Rückspiel (Anm.d.Red.: Zu Hause siegte Wolfsburg 2:0) unser wahres Gesicht gezeigt haben. Da waren wir mutig und haben mit Überzeugung nach vorne gespielt. Auch bei der EM müssen wir unsere Chancen nutzen."

"Verrückt, wie schnell die Fußball-Zeit vergeht"

Und die Ausgangslage ist für Huth durchaus ähnelich. Auch in England fehlen in Dzsenifer Marozsán (Kreuzbandriss) und Melanie Leupolz (Schwangerschaft) zwei sehr wichtige Spielerinnen. Weil Popp zumindest im Spiel gegen Dänemark noch nicht für die Startelf infrage kommt, wird Huth das Team als Kapitänin aufs Feld führen. Sie fordert von sich: "Ich muss auch in der Nationalmannschaft noch mehr Verantwortung übernehmen."

Hinter Abwehrchefin Marina Hegering und Ersatzkeeperin Ann-Katrin Berger ist Huth mittlerweile die drittälteste Spielerin im Kader von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. "Ich sage immer, dass ich 19 bin, aber in Wahrheit sieht es ja anders aus. Es ist manchmal verrückt, wie schnell die Fußballer-Zeit vergeht", meint Huth.

Guter Mix aus jungen und älteren Spielerinnen

Die Kapitänin sieht allerdings eine große Stärke darin, dass die Altersspanne von der Jüngsten Jule Brand (19) bis zu Hegering (32), die beide nach der EM Huths Mitspielerinnen in Wolfsburg werden, so groß ist.

"Wir haben viele Spielerinnen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen und noch eine Leichtigkeit und Unbekümmertheit mitbringen", freut sich Huth, betont aber auch, dass die Drucksituation bei großen Turnieren eine ganz andere sei als im fußballerischen Alltag. Deshalb seien die erfahrenen Spielerinnen mindestens genauso wichtig. Und sie sagt: "Wir haben echt einen guten Mix, beides gebündelt passt auf und neben dem Platz."

Bei EM erst mal die Vorrunde überstehen...

Und wie weit geht es für Deutschland in England? Die gut aufgelegte Huth ist überzeugt: "Unser Kader ist überragend. Wir haben auf jeden Fall Ambitionen, und auch die Qualität, um den Titel zu holen."

Angesichts der Gruppe mit Auftaktgegner Dänemark, 2017 Vize-Europameister, und Top-Favorit Spanien bringe es allerdings nichts, zu weit nach vorne zu schauen. Erst einmal gelte es, mit dem Einzug ins Viertelfinale das Minimalziel zu erreichen.

Von der EM-Generalprobe gegen die Schweiz (7:0) hat das Team viel Selbstvertrauen mit auf die Reise genommen. "Wir haben aber auch noch viel, was wir uns vor dem ersten Spiel erarbeiten wollen", unterstreicht Huth, die überzeugt ist: "Wenn wir unsere Spielfreude auf den Platz bringen, dann werden wir sehr weit kommen."

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Sportschau | 06.07.2022 | 20:15 Uhr