Stimmung beim EM-Eröffnungsspiel Große Erwartungen an Team England - "It's coming home"

Stand: 07.07.2022 09:56 Uhr

Die englischen Fans fühlten sich nach dem Auftaktsieg der "Lionesses" gegen Österreich bestätigt. Ihr Team ist der große Favorit auf den EM-Titel - es wäre der erste in ihrer Geschichte. Gruppensieg und Finalteilnahme sind fest eingeplant, die Karten längst gekauft.

Von Florian Neuhauss (Manchester)

Das Eröffnungsspiel der Euro 2022 vor der EM-Rekordkulisse von 68.871 Zuschauenden im Old Trafford? Kein Interesse! Ein kleiner blonder Junge mit seinem knallroten Lärmschutz-Kopfhörer war gedanklich ganz woanders. Während um ihn herum alle Fans ihr Team begrüßten und für einen ohrenbetäubenden Lärm sorgten, ließ er sich nicht von seinem Smartphone-Spiel ablenken. Tief über den Bildschirm gebeugt zockte er lieber "Animal Revolt Battle Simulator".

Vor dem Spiel herrscht Nervosität

Doch so entspannt wie er war kaum jemand am Tag des Eröffnungsspiels in Old Trafford. Schon fünf Stunden vor Spielbeginn hatten sich die Straßen im Stadtteil zusehends gefüllt. Überall machten Buden auf, wo Essen, Getränke und Fanartikel verkauft wurden. Ein Mann mittleren Alters sogar direkt aus dem Garten seines Hauses.

"Ich bin wirklich nervös", sagte Malcolm aus Birmingham, der mit seiner Tochter und deren Freundin unterwegs war, auf dem Fanfest vor dem Stadion. Gleichzeitig machte er aber aus seinen Erwartungen keinen Hehl: "Wir werden Gruppensieger, kommen ins Finale und schlagen dort Spanien." Und so mischte sich Nervosität mit großer Vorfreude.

Old Trafford wird zur landesweiten Pilgerstätte

Zumal das Publikum ein ganz anderes war, als es normalerweise in Profifußball-Stadien anzutreffen ist. Viele Familien sowie Gruppen von Kindern und Jugendlichen waren von überall aus dem Land nach Manchester gepilgert, um sich das erste Spiel auf dem Weg zum großen Ziel anzusehen. Weil sie so viel Zeit hatten, störte es auch niemanden, überall in endlosen Schlagen anzustehen.

Der Titelfavorit hatte beim 1:0 im Auftaktspiel vor gut 68.000 Zuschauern im Old Trafford in Manchester mehr Mühe als erwartet.

"Die Stimmung ist großartig", sagte Emily aus London. "Ich bin das erste Mal seit 15 Jahren wieder hier, so macht Manchester einfach Spaß." Gemeinsam mit ihrer Freundin hat sie bereits Karten für das Finale in Wembley gekauft. "It's coming home - zu 100 Prozent. Es wird definitiv passieren - wir haben lange genug darauf gewartet", betonte Rosely. "Wir sollten Spanien und Deutschland so lange wie möglich meiden. Aber mit dem Heimvorteil wird es klappen."

Veranstalter sorgt für dicken Pyro-Rauch

Obwohl für den ganzen Tag Regen vorhergesagt war, hatten die Fans Glück. Erst als die Stadiontore bereits offen waren, öffneten die dicken grauen Wolken ihre Schleusen. Im Old Trafford sorgte dann, anders als man das in Deutschland gewohnt ist, der Veranstalter selbst für dichten Rauch - durch das Abbrennen von Pyrotechnik im Rahmen der Eröffnungsfeier.

Doch auch wenn die Fans in der Folge immer wieder ähnlich viel Krach machten. Insgesamt fehlte es doch an Stimmung. Im Fußball-Tempel herrschte zu oft andächtige Stille. Was einerseits an wacker kämpfenden Österreicherinnen lag. Andererseits schafften es die Engländerinnen schlicht nicht über die volle Spielzeit, den Funken auf die Tribünen überspringen zu lassen - und vor der beeindruckenden Kulisse schien ihnen nicht immer ganz wohl zu sein.

Freude und Erleichterung nach dem Spiel

Am Ende reichte es aber auch so zum knappen 1:0-Erfolg der Gastgeberinnen - und alle, die es mit den "Lionesses" hielten, waren zufrieden. "England wird es den ganzen Weg bis Wembley schaffen", war Josh aus Hull wie viele andere, die freudestrahlend das Stadiongelände verließen, sicher. Und: "Ich schaue mir lieber die Frauen als die Männer an. Hier geht es mehr hin und her."

Fans der englischen Fußballerinnen bei der EM

Die englischen Fans haben allen Grund, gut gelaunt zu sein.

Und mit dieser Meinung war er nicht allein: "Das Spiel der Frauen ist ehrlicher. Da wird nicht geschummelt, da gibt es keine Schwalben", betonte Vince aus Oxford, der hinzufügte: "Ich habe das Team schon einige Male gesehen und sie haben schon besser gespielt. Aber sie haben gewonnen. Und wenn man sechs Mal gewinnt, dann hat man den Titel, oder?"

"Die Atmophäre war einfach unglaublich, mir hat es sehr gut gefallen - und ich glaube, dass es England bis ins Finale schaffen wird", sagte Cath aus Ulverston: "Come on girls!"

"Wir drücken die Daumen, dass es England schafft"

Am Ende hatte auch der blonde Junge noch das Spiel verfolgt. Seine Eltern hatten ihn allerdings "genötigt", weil sie ihm nach einer guten Stunde das Smartphone abgenommen hatten.

"Seine große Schwester ist der Fußball-Fan. Als wir die Karten gekauft haben, wussten wir noch nicht, dass sie jetzt auf Klassenreise ist. Deshalb hatten wir eine Karte übrig", erklärte die Mutter lachend.

Die Familie hatte mit dem Auto eineinhalb Stunden von Barnsley nach Manchester gebraucht. "Er würde auch nicht hingucken, wenn die Männer spielen", fügte die Nordengländerin hinzu: "Wir haben auch noch Karten für das Halbfinale und das Endspiel. Aber dann ist seine Schwester auch wieder da. Wir drücken die Daumen, dass England es schafft."

Ein Junge spielt im Stadion am Smartphone

Es gibt Wichtigeres als Fußball im Stadion.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Sportschau | 06.07.2022 | 20:15 Uhr