Melanie Leupolz - Schlüsselspielerin im Chelsea-Dress

Melanie Leupolz

Halbfinale der Women's Champions League

Melanie Leupolz - Schlüsselspielerin im Chelsea-Dress

Von Frank Hellmann

Vor dem Rückspiel im Champions-League-Halbfinale der Frauen zwischen Chelsea und dem FC Bayern ist noch alles offen. Vor allem auf der ehemaligen Münchnerin Melanie Leupolz ruhen die Hoffnungen des englischen Meisters, erstmals das Finale zu erreichen.

Es ist definitiv so, dass Melanie Leupolz nicht zu den kopfballstärksten Fußballerinnen gehört. Dennoch hat die 1,73 Meter große Mittelfeldspielerin des FC Chelsea ein vielleicht schon geschichtsträchtiges Kopfballtor erzielt.

Bei der knappen 1:2-Halbfinal-Hinspielniederlage der Chelsea Ladies beim FC Bayern traf die Londoner Nummer acht unfreiwillig per Kopf, weil sie von ihrer Nationalmannschaftskollegin Marina Hegering getroffen wurde.

Ein kurioser Treffer, über den Leupolz natürlich herzhaft lachen konnte - und der für den englischen Meister vor dem Rückspiel der Women’s Champions League (Sonntag 13.30 Uhr) die Tür zum Finale weit offen hält.

Wechsel im vergangenen Sommer

"In der Champions League entscheidet auch mal das Glück. Und da kann Chelsea gnadenlos sein", sagt Carolin Simon. Auch die Verteidigerin des FC Bayern hat im Verein und in der Nationalmannschaft lange mit Leupolz zusammengespielt, die sich erst vergangenen Sommer nach reiflicher Überlegung dazu entschied, den auslaufenden Vertrag beim FC Bayern nicht zu verlängern und die neue Herausforderung beim FC Chelsea anzunehmen.

Einen Entschluss, den Leupolz offenbar keine Sekunde bereut hat. "Sportlich gesehen musste ich mich schon ein bisschen umstellen, das Training und die Anforderungen sind anders als in Deutschland. Es war auf jeden Fall der richtige Schritt, hierher zu wechseln", sagte die 70-fache Nationalspielerin in verschiedenen Interviews. "Ich war sechs Jahre in München, das ist auch bei den Frauen inzwischen eine lange Zeit. Der Wunsch, einmal ins Ausland zu gehen, bestand schon seit Beginn meiner Karriere."

Bei Chelsea passiert vieles im Gleichklang

Zwei weitere europäische Topklubs hatten ihr damals ein Angebot gemacht, doch ihr passte das Gesamtpaket aus London am besten. Als sie mit ihrem Manager Henner Janzen - der Anwalt berät sie seit Oktober 2018 - im Frühjahr vergangenen Jahres ganz zu Beginn der Corona-Krise in London eintraf, warteten Kamerateams. Eigentlich hätte sie sich am nächsten Tag noch das Trainingsgelände des FC Chelsea ansehen sollen, doch dann kam ein Coronafall bei den Männern dazwischen.

Beeindruckt war Leupolz davon, dass Frauen und Männer von der Marketingabteilung des englischen Spitzenvereins als gemeinsame Einheit behandelt werden. Die meisten Kampagnen laufen im Gleichklang. "In der Außendarstellung stehen beide Teams auf einer Stufe, das kenne ich so aus Deutschland nicht."

Kaum Kontakt zu den Männern

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass sowohl die Männer als auch die Frauen der "Blues" nun in ein Champions-League-Finale einziehen können. Die Konstellation gab es noch nie. Viel Kontakt mit den männlichen Mitstreitern Timo Werner, Kai Havertz oder Antonio Rüdiger oder zum deutschen Trainer Thomas Tuchel hat sie allerdings nicht.

"Das ist bisher leider gar nicht möglich, weil die Männer- und Frauenmannschaft jeweils in ihrer eigenen Blase leben. Wir haben ein eigenes Gebäude auf dem Vereinsgelände, deswegen läuft man sich auch nicht zufällig über den Weg. Ab und zu sehe ich die Kollegen trainieren und verfolge natürlich die Spiele. Es ist super spannend, was sich unter Thomas Tuchel verändert hat und wie er typisch deutsche Eigenschaften einbringt", verriet einmal Leupolz der Münchner Zeitung "tz".

Hohe Professionalität bei jedem Training

Die 27-Jährige ist besonders von der Professionalität angetan, mit der auf der Insel der Frauenfußball speziell unter dem Dach der großen Marke, aber auch nach Vorgaben des Fußball-Verbands (FA) gefördert wird. So muss zum Beispiel bei jedem Training ein Arzt dabei sein, es muss einen festangestellten Torwarttrainer haben und alle Spielerinnen, die in der ersten Liga spielen, müssen Profis sein.

Leupolz: "Das sind sehr viele Regularien, die die englischen Teams erfüllen müssen, und ich glaube, dass viele Frauenmannschaften in der Bundesliga diese nicht erfüllen – entweder weil sie es nicht können, oder weil sie es nicht müssen."

Jedes Training wird bis ins Detail analysiert. Es sind also nicht nur die großen Namen - die dänische Weltklassespielerin Pernille Harder oder die australische Ausnahmestürmerin Sam Kerr -, die für den Fortschritt sorgen. "Chelsea hat sich bei den Frauen auf die Fahne geschrieben, absolute Spitze zu sein", sagt Bayern-Trainer Jens Scheuer.

Finale steigt am 16. Mai in Göteborg

Angetan ist Leupolz auch davon, dass sich ihr Arbeitgeber bereits jetzt um die Karriere nach der Karriere kümmert. Sie hat sogar an einigen Kursen für einen Trainerschein teilgenommen, dann aber für sich festgestellt, dass dies nicht der Bereich ist, in dem sie später einmal arbeiten möchte. Was sie schade findet, ist, dass auch jetzt noch keine Zuschauer dabei sein dürfen. "Normalerweise ist das Stadion mit 5.000 Fans immer ausverkauft und jede Spielerin hat ihr eigenes Fanlied."

Aber noch erlaubt die Corona-Krise keine Spiele mit Publikum, auch wenn England beim Impfen ausgesprochen weit gekommen ist. Interviews wollte die Leupolz übrigens im Rahmen der Begegnungen gegen ihren Ex-Verein nicht geben, was sich aber wieder ändern wird, sollte Chelsea erstmals in der Vereinsgeschichte ein Endspiel um die weibliche Königsklasse erreichen.

Der Showdown gegen den Sieger der Partie FC Barcelona gegen Paris St. Germain (Hinspiel 1:1) steigt bereits am 16. Mai in Göteborg.

Stand: 01.05.2021, 13:00

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