Immer wieder heiß umkämpft: Die Duelle zwischen dem VfL Wolfsburg und FC Bayern

Fußball | Frauen-Bundesliga VfL Wolfsburg und FC Bayern: Ohne Atempause ins Spitzenspiel

Stand: 01.04.2022 13:49 Uhr

Nach der Champions League wartet gleich das Gipfeltreffen der Frauen-Bundesliga auf den VfL Wolfsburg und den FC Bayern. Am Sonntag fällt eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft.

Von Frank Hellmann

Auf Vereinsebene gibt es keinen Titel, den Almuth Schult noch nicht gewonnen hat. Fünf Mal holte die Torhüterin mit dem VfL Wolfsburg die deutsche Meisterschaft, sieben Mal hintereinander den DFB-Pokal und einmal, gleich in ihrer Premierensaison 2013/2014, die Women’s Champions League.

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass eine Meinungsmacherin im deutschen Frauenfußball in ihrer Abschiedssaison bei den Niedersachsen noch alle drei Titel gewinnen kann. "Drei Spiele entscheiden über den kompletten Ausgang der Saison, ob wir eine gute Saison gespielt haben oder nicht", hat die 31-Jährige unter der Woche gesagt.

Frauen-Bundesliga besser als ihr Ruf

Ein erster großer Schritt ist in den ausgerufenen Wochen der Wahrheit gelungen, nachdem der VfL Wolfsburg am Donnerstagabend (31.03.2022) nach einer spielerisch, kämpferisch und taktisch reifen Leistung das Halbfinale der Women’s Champions League (2:0 gegen den FC Arsenal) erreichte. Einen Tag zuvor hatte der FC Bayern nach einem nicht minder starken Auftritt im Viertelfinale (2:2 nach Verlängerung bei Paris St. Germain) die Segel streichen müssen.

Die Niedersachsen zermürbten ihren Gegner mit einem perfekten Angriffspressing, die von argen Corona-Sorgen zerrütteten Bayern boten einen fast schon heroischen Kampf. Wenn es eines Beleges brauchte, dass die deutschen Topvereine mit ihren vielen deutschen Nationalspielerinnen international konkurrenzfähig sind, dann wurde dieser Beweis erbracht. Die oft gerühmte Women’s Super League in England mag bei der Vermarktung einen Vorsprung haben, was die sportliche Zwischenbilanz des neuen Formats der Champions League angeht, steht Deutschlands höchste Frauen-Spielklasse deutlich besser da.

Am Sonntag fällt eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf

Nun wartet in der Frauen-Bundesliga direkt das Spitzenspiel: Spitzenreiter Wolfsburg genießt Heimrecht gegen den einen Punkt zurückliegenden Meister Bayern (Sonntag 14 Uhr/live BR und NDR). Es ist die Vorentscheidung eines Meisterschaftskampfes, der - anders als bei den Männern - seinen Namen noch verdient.

Bei einem Sieg der "Wölfinnen" wäre eine Vorentscheidung gefallen, denn das Restprogramm (SGS Essen, Carl-Zeiss Jena, Bayer Leverkusen) ist danach nicht gerade mit Stolperfallen gepflastert. Wie es der Zufall so will, steht nach der Länderspielpause auch noch das DFB-Pokalhalbfinale zwischen dem FC Bayern und VfL Wolfsburg (17.04.2022) an.

VfL-Trainer Tommy Stroot mag keinen Nachteil darin erkennen, dass es ohne Atempause von Highlight zu Highlight geht. "Schlafen, regenerieren, arbeiten, und dann kommt der nächste Spieltag. Aber das ist das Geilste überhaupt: Uns machen diese Spiele eine Riesenfreude", versicherte der 33-Jährige. Der Coach hatte seinen Spielerinnen im Kreis gleich zugerufen: "Genießt den Moment: Barcelona!"

Für Spielerinnen wie Lena Oberdorf geht ein Kindheitstraum in Erfüllung

Zur Belohnung für die Bravourleitung gegen Arsenal vor immerhin 11.293 Zuschauern in der VW-Arena - erstmals seit acht Jahren zogen die Frauen wieder um - warten nun an den letzten beiden April-Wochenenden die Duelle gegen den Titelverteidiger FC Barcelona, der mit seinem Zuschauerweltrekord und den 91.553 Fans im Camp Nou gegen Real Madrid weltweit in aller Munde ist.

Für Schult ist es "pure Vorfreude, dass wir als nächstes im Camp Nou antreten dürfen." Dort einmal zu spielen, habe sie immer "als Ziel im Hinterkopf" gehabt. Für Mitspielerinnen wie Lena Oberdorf geht ein "Kindheitstraum in Erfüllung". Wolfsburg hatte zuletzt 2020 im Finale gestanden, zudem 2013 und 2014 die weibliche Königsklasse gewonnen.

Lena Lattwein und Tabea Waßmuth haben sich sagenhaft entwickelt

Die Münchnerinnen hätten nur zu gerne nach 2019 und 2021 wieder ein Champions-League-Halbfinale erreicht, doch kam der Corona-Ausbruch zur Unzeit. Mit der personellen Schwächung ist Wolfsburg nun der Favorit, zumal das Team auch unter Stroot punktgenau Topleistungen abruft; ein Wesensmerkmal, das schon seine Vorgänger Stephan Lerch und Ralf Kellermann in der VfL-Frauenabteilung implantierten. Auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg glaubt, "was Wolfsburg im Moment auszeichnet, ist eben, dass sie echte Mentalitätsspielerinnen haben. Die sind alle gewachsen."

Die Nationalspielerinnen Lena Lattwein (gegen Arsenal mit Muskelverletzung zur Halbzeit ausgeschieden) oder Tabea Waßmuth haben nach ihrem Wechsel von der TSG Hoffenheim sofort tragende Rollen eingenommen und die Langzeitausfälle der nun gerade wieder zurückgekehrten Leistungsträgerinnen Alexandra Popp oder Ewa Pajor aufgefangen.

Lob von der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg

Für Voss-Tecklenburg ist es "beeindruckend, wie weit Wolfsburg und Bayern vor dem Rest der Liga sind. Sie können Herausforderungen und Rückschlägen besser standhalten." Es deutet auch wenig darauf hin, dass an dieser Dominanz des Duos so schnell gerüttelt wird: Der VfL hat für die neue Saison ja nicht nur Toptalent Jule Brand aus Hoffenheim verpflichtet, sondern auch bereits die Torwartfrage geklärt.

Merle Frohms als aktuelle Nummer eins der DFB-Frauen steigt in Frankfurt vorzeitig aus ihrem Vertrag aus, um nach Wolfsburg zurückzukehren. Titelsammlerin Schult wird dann, so glauben viele enge Beobachter, ihre Karriere in der US-Profiliga fortsetzen.