Panama - das Phantomtor zum Glück

Panamas Spieler Jubel

FIFA-WM 2018 - Panama

Panama - das Phantomtor zum Glück

Von Julian Witzel

Nur dank eines "Phantomtors" kommt es zum Debüt von Panama bei einer Fußball-WM. Die Vorfreude der Anhänger und der Spieler um Nationalheld Roman Torres ist dennoch ungebrochen.

Der 10. Oktober 2017 änderte die Fußballgeschichte Panamas. Hauptdarsteller war ein gewisser Walter Lopez. Der Schiedsrichter aus Guatemala verhalf dem kleinen Land in Mittelamerika zur ersten Qualifikation für eine WM-Endrunde. Weil er einen Treffer gesehen haben wollte, der keiner war.

Von der breiten Brust des Mittelstürmers Blas Pérez kullerte der Ball in der 53. Minute des letzten WM-Qualifikationsspiels gegen Costa Rica neben das Tor. Der Referee entschied dennoch auf Tor zum 1:1. Und keiner widersprach. Zwei Minuten vor Spielende schlug dann die große Stunde von Innenverteidiger Roman Torres, dessen Volleyschuss zum 2:1 die WM-Qualifikation für Panama bedeutete. Auch, weil die USA zeitgleich gegen Trinidad und Tobago verloren.

Fortan Nationalfeiertag, Kuranyi jubiliert

Phantomtor hin oder her - Juan Carlos Varela hielt dieses besondere Ereignis in den Geschichtsbüchern fest: Noch in der Nacht nach dem Spiel unterzeichnete der Staatspräsident von Panama ein Dekret, das den 11. Oktober zum Nationalfeiertag machte. Er trug dabei den Trainingsanzug der Nationalmannschaft, besser bekannt als "La Maera Roja" (Die Rote Flut) oder "Los Canaleros" - wegen des Panamakanals, durch dessen Einnahmen das Land zu den reichsten in Lateinamerika gehört.

Auch der frühere deutsche Nationalspieler Kevin Kuranyi war voller Freude. Der ehemalige Mittelstürmer ist Sohn einer Panamaerin. "Das ist sensationell", sagte Kuranyi, er habe "die gesamte Qualifikation mitgefiebert" und freue sich "riesig, dass es die Jungs geschafft haben."

Hoffnungsvolle Jugendarbeit, namenlose Gegenwart

Vollkommen aus dem Nichts kommt der Erfolg nicht: Panamas U20 hat es immerhin fünfmal seit 2003 zu einer WM-Endrunde geschafft, doch die Versprechen, die daraus resultierten, erfüllten sich bislang nicht. Die größten Erfolge der vergangenen Jahre waren ein zweiter und ein dritter Platz beim Gold Cup.

Torres von Panama

Schoss Panama zur WM: Manuel Torres

All das ist Anhängern wie Spielern aktuell indes egal: Siegtorschütze Roman Torres wurde nach seiner heroischen Tat gleich als Ehrengast zum offiziellen Unabhängigkeitstag am 3. November eingeladen, er durfte die Nationalflagge bei der Abnahme der traditionellen Parade schwenken. "Es war die Arbeit einer Familie", sagte er, "ich bin ein einfacher Mensch. Und jetzt bin ich auch ein Beispiel für die Jugend."

Der Innenverteidiger ist einer von sechs Spielern, die ihr Geld in den USA verdienen. Der Rest spielt in Kolumbien, Argentinien oder daheim in Panama. Der einzig wirklich prominente Fußballer der Geschichte ist Julio Cesar Dely Valdes, dessen aktive Zeit jedoch schon 15 Jahre zurückliegt.

Der zum "Fußballer des Jahrhunderts" gewählte frühere Stürmer (unter anderem Paris Saint-Germain) hat für die Mannschaft einen klaren Auftrag: "Es gibt noch viel zu tun, aber was wir jetzt zuerst machen müssen ist: genießen." Vielleicht kann auch der Rest der Fußballwelt ein wenig genießen, immerhin lautet das Motto des Landes "Für das Wohl der Welt".

Stand: 11.06.2018, 08:27

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