FIFA will Videobeweis für WM 2018 beschließen

Der Video-Assistent beim Confed Cup in Sotschi 2017

Sitzung des FIFA-Rats

FIFA will Videobeweis für WM 2018 beschließen

Von Chaled Nahar

Der FIFA-Rat soll am Samstag den Einsatz des Video-Assistenten bei der WM in Russland beschließen. Der Präsident des Weltverbandes will das Hilfsmittel unbedingt, die Zustimmung gilt als sicher. Aber es gibt auch Bedenken.

Gianni Infantino ist überzeugt. "Wir haben gesehen, dass es ohne den Video-Assistenten in jedem dritten Spiel einen gravierenden Fehler gibt", sagte der FIFA-Präsident bei einem Termin in Perus Hauptstadt Lima am Dienstag (13.03.2018). "Mit dem Video-Schiedsrichter haben wir nur einen gravierenden Fehler in 19 Spielen verzeichnet."

Der FIFA-Rat soll nun der Begeisterung seines Präsidenten folgen und am Samstag (17.03.2018) bei seiner Sitzung im kolumbianischen Bogotá den Einsatz des Video-Assistenten bei der WM in Russland beschließen. Infantino will das Hilfsmittel unbedingt, die Zustimmung des FIFA-Rats gilt als sicher.

Infantino rechnet mit mehr korrekten Entscheidungen

Das IFAB, ein Gremium zur Festlegung der Fußballregeln, hatte den Videobeweis am 3. März zum offiziellen Teil des Regelwerks gemacht. Seitdem dürfen Verbände und Ligen entscheiden, ob sie den Video-Assistenten nutzen wollen oder nicht. Bislang galt der Einsatz wie in der Bundesliga offiziell nur als eine vom IFAB erlaubte Testphase. Nun soll das Hilfsmittel Dauereinrichtung werden und auch beim größten aller Fußball-Wettbewerbe zum Einsatz kommen.

Infantino rechnet mit mehr korrekten Entscheidungen. "Die Chance, eine korrekte Entscheidung ohne Video-Assistenten zu treffen liegt bei 93 Prozent, mit dem Video-Assistenten liegt sie bei 99 Prozent", sagte der Präsident in Lima.

Schiedsrichter oft prägendes Thema bei WM-Turnieren

Doch es bleiben Gegenstimmen. Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter hatte bereits vor der IFAB-Entscheidung kritisiert, dass "die WM nicht als Experiment für eine solch fundamentale Änderung benutzt werden kann". Und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin will den Videobeweis angesichts der bisherigen Erfahrungen in den Ligen in der Champions League und der Europa League vorerst nicht zulassen.

Die größten Bedenken mit Blick auf die WM liegen jedoch woanders. Bei Weltmeisterschaften sind durch die unterschiedlichen Standards der Schiedsrichter aus aller Welt die Leistungen der Unaprteiischen oft in die Diskussion geraten. Vor allem bei der WM 2010 waren die teilweise grotesken Fehlentscheidungen einiger Schiedsrichter ein prägendes Thema des Turniers.

Mehr Ruhe? Oder das große Chaos?

Infantino erhofft sich durch den Videoweis vielleicht etwas mehr Ruhe bei diesem Thema. Kritische Stimmen befürchten dagegen das ganz große Chaos, weil viele Schiedsrichter dabei sein werden, die wenig bis keine Erfahrung mit dem Video-Assistenten haben. So standen in der Vorauswahl der FIFA für die WM Schiedsrichter aus El Salvador, dem Iran, dem Senegal und Panama auf der Liste. Für diese und andere Unparteiische muss es dringend Lehrgänge geben - denn das Turnier beginnt in drei Monaten, am 14 Juni bestreiten Russland und Saudi-Arabien das Eröffnungsspiel in Moskau.

Infantino versprach, alle Schiedsrichter auf denselben Stand bringen zu wollen. Zumal auch erfahrene Schiedsrichter dabei sein werden wie Felix Brych. Doch auch der erlebte in der Bundesliga die Tücken des neuen Systems, als er vom Video-Assistenten im Stich gelassen wurde und auf eine Schwalbe des Mainzers Pablo de Blasis gegen Köln hereinfiel.

Verwirrung um Standort des Assistenten

Verwirrung gab es zudem um den Standort des Assistenten. Der kolumbianische Schiedsrichter-Funktionär Oscar Ruiz hatte behauptet, dass der Video-Assistent der FIFA wie in der Bundesliga in Köln-Deutz sitzen soll - während die Spiele in Russland laufen. Die FIFA dementierte das aber später und gab an, dass der Video-Assistent in Moskau sitzen werde.

Stand: 14.03.2018, 11:18

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