IFAB nimmt Videobeweis in Fußballregeln auf

Abstimmung des IFAB

IFAB nimmt Videobeweis in Fußballregeln auf

Das International Football Association Board (IFAB) hat den auch in Deutschland umstrittenen Videobeweis offiziell in die Fußballregeln aufgenommen. Die Entscheidung am Samstag (03.03.2018) in Zürich erfolgte einstimmig. Damit ist auch der Weg frei für den Videobeweis bei der Weltmeisterschaft im Sommer in Russland. Das FIFA-Council muss dem allerdings noch zustimmen.

Der "VAR" (Video Assistant Referee) ist damit ab sofort Bestandteil der "Laws of the Game" des Weltverbandes FIFA - der Einsatz der Technik ist für die Ligen und Verbände aber nicht verpflichtend. Die Abstimmung folgte auf eine gut zweijährige Testphase, an der die Bundesliga entscheidenden Anteil hatte.

Den nationalen Verbänden bleibt es weiterhin freigestellt, ob sie den technisch und finanziell aufwendigen Videobeweis auch nutzen. Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), hatte bereits angekündigt, bei einem positiven IFAB-Votum auch in der kommenden Saison auf die Neuheit zu setzen.

UEFA sträubt sich weiter gegen Videobeweis

Der Videobweis kommt beim Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen zum Einsatz

Der Videobweis kommt beim Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen zum Einsatz

Der Videobeweis wird auch in mehreren anderen europäischen Ligen - nicht ohne Kritik am System - eingesetzt. Die spanische Fußball-Liga plant für die nächste Saison die Einführung. Während sich die Neuerung beispielsweise in Europa immer mehr durchsetzt, haben sich die Erstliga-Clubs im Land von Rekord-Weltmeister Brasilien gegen den Videobeweis ausgesprochen. Auch die UEFA sträubt sich bisher dagegen, ihn in der Champions League einzuführen.

Bislang waren technische Hilfsmittel jenseits der Torlinientechnik im FIFA-Regelwerk nicht vorgesehen. Die Devise für die Neuerung hatte die IFAB bereits vor ihrer 132. Jahrestagung ausgegeben: "Minimaler Eingriff - maximaler Nutzen." Es gehe für die Videoassistenten nicht um die Frage: War die Entscheidung des Referees korrekt, sondern: War die Entscheidung eindeutig falsch? Letztendlich obliege diese immer dem Spielleiter auf dem Platz. Ziel sei es, dabei nicht den wesentlichen Spielfluss und die Emotionen des Fußballs zu zerstören.

FIFA-Boss Infantino: "Wichtiger Schritt"

"Der Videobeweis ist gut für den Fußball, er bringt mehr Fairness. Das ist ein wichtiger Schritt, der große Auswirkungen auf den Fußball der Zukunft haben wird", kommentierte Weltverbandspräsident Gianni Infantino die Entscheidung. Infantino galt schon zuvor als Befürworter ("Wenn wir die Chance haben, dem Schiedsrichter zu helfen, sollten wir das tun") und will den Videobeweis bereits bei der WM sehen.

Einsatz bei der WM wahrscheinlich

Das Thema steht bereits auf der Agenda des FIFA-Councils am 15. und 16. März in Bogota. Die offizielle Entscheidung des Councils für den Einsatz bei der WM gilt nach dem IFAB-Votum als sehr wahrscheinlich. Neben Infantino hatte auch Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Council-Mitglied, bereits zuvor seine grundsätzliche Zustimmung signalisiert. Voraussetzung dafür sei aber, so meinte Grindel nun nach der Eintscheidung, dass der FIFA-Präsident "uns die Zuversicht vermittelt, dass die Workshops und technischen Vorbereitungen ausreichen, damit die Schiedsrichter die Vorgaben des IFAB-Protokolls sachgerecht umsetzen". Wichtig sei auch, dass die Schiedsrichter-Teams so zusammengesetzt sind, dass eine klare Kommunikation gewährleistet ist."

Die Statistiken des IFAB geben den Befürwortern des Videobeweises recht. 98,8 Prozent aller Entscheidungen seien korrekt, hieß es von der Projektgruppe in einer Zwischenauswertung. Beim Confederations Cup im vergangenen Jahr in Russland gab es jedoch einige Pannen. Grundsätzlich sind die Eingriffe der Videoassistenten auf vier Szenarien beschränkt: Torentscheidung, Rote Karte, Elfmeter und Spielerverwechslung. Außerdem sollen die Helfer vor den Bildschirmen nur bei offensichtlichen Fehlentscheidungen des Referees eingreifen.

IFAB erlaubt vierte Auswechslung

Neben der viel beachteten Entscheidung über den Videobeweis hat das IFAB auch die Auswechslung eines vierten Spielers in der Verlängerung ins Regelwerk aufgenommen. Vorausgegangen war der Entscheidung, die auch für die WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) gilt, auch hier eine zweijährige Testphase in mehr als einem Dutzend Wettbewerben.

Außerdem dürfen sich Trainer sich künftig vom Spielfeldrand aus über moderne Kommunikationsmittel mit ihren Assistenten auf der Tribüne austauschen. Damit passten sich die Regelhüter der technischen Entwicklung an. Der Austausch sei mit mobilen Geräten erlaubt, aber streng auf taktische Anweisungen und Kommunikation zum Wohl der Spieler beschränkt.

Marcus Sorg, Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, sitzt bereits jetzt bei Länderspielen während der ersten Hälfte auf der Tribüne, um aus diesem Blickwinkel taktische Eindrücke zu gewinnen. In Zukunft könnte er diese sofort via Headset oder Screenshots an den Chefcoach übermitteln.

dpa/sid | Stand: 03.03.2018, 14:15

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