Entscheidung über Videobeweis bei der WM 2018

Videobeweis beim Confed Cup 2017 in Moskau

Abstimmung des IFAB

Entscheidung über Videobeweis bei der WM 2018

Der Videobeweis ist umstritten und befindet sich noch in einer Testphase. Am Samstag könnte das Hilfsmittel aber offizieller Teil des Fußball-Regelwerks werden - und damit auch bei der WM in Russland zum Einsatz kommen.

Vieles spricht dafür, dass der Videobeweis bei der Sitzung des International Football Association Board (IFAB) am Samstag (03.03.2018) offiziell in das Regelwerk des Fußballs aufgenommen wird. "Die bisherigen Ergebnisse stimmen uns positiv für die Entscheidung", sagte IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud am Donnerstag. "Diese obliegt aber allein der Generalversammlung. Es wird keine politische Entscheidung geben, sondern ausschließlich eine, die auf Fakten und Statistiken beruht." Das IFAB ist ein der FIFA übergeordnetes Gremium, das Änderungen der Fußballregeln berät und beschließt.

Blatter spricht sich gegen den Videobeweis aus

Den Statistiken über die zahlreichen korrigierten Fehlentscheidungen könnte also eine größere Bedeutung beigemessen werden als den Argumenten der Gegner, die den Videobeweis für unzuverlässig, intransparent und uneinheitlich angewandt halten sowie ein verändertes Spielerlebnis beklagen. Die heftigen Diskussionen in der Bundesliga oder nach einigen Spielen im englischen FA Cup könnten damit verhallen.

Nötig für die Verankerung des Video Assistant Referees (VAR) in den Spielregeln ist am Samstag eine Dreiviertelmehrheit unter den acht stimmberechtigen Mitgliedern der Generalversammlung des IFAB. Das Gremium wird aus vier Entsandten der vier britischen Verbände England, Schottland, Wales und Nordirland sowie vier Vertretern der FIFA gebildet. Das Gremium galt eigentlich immer als erzkonservativ, vor allem in der Zeit mit Sepp Blatter als FIFA-Präsident. Der twitterte bereits einen Appell ans IFAB: "Die WM kann nicht als Experiment für eine solch fundamentale Änderung benutzt werden."

Einsatz bei der WM sehr wahrscheinlich

Sein Nachfolger Gianni Infantino sieht das völlig anders. "Wenn wir oder ich etwas tun können, um sicher zu sein, dass die WM nicht durch einen Schiedsrichter-Fehler entschieden wird, dann denke ich, dass es unsere Pflicht ist, dies zu tun", sagte Infantino. Damit übt er Druck aus, angesichts seines Einflusses gilt es zumindest als wahrscheinlich, dass das IFAB den Videobeweis zulassen wird. Denn alleine die vier FIFA-Vertreter um Infantino werden sich für den VAR aussprechen. Die FIFA will das Hilfsmittel trotz der eher negativen Erfahrungen während des Confed Cups 2017 auch bei der WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) einsetzen. Auch die Vorbehalte, dass es bei den dann aus aller Welt anreisenden Schiedsrichtern an Erfahrung mit dem VAR fehlen, tragen offenbar nicht.

Für das Turnier im Sommer fehlte bei einer Zulassung durch das IFAB nur noch ein Schritt zum Videobeweis, der als Formsache gilt: Am 15. und 16. März trifft sich der FIFA-Rat im kolumbianischen Bogota, wo die Entscheidung über den Einsatz des Videobeweises bei der WM fällt.

DFL denkt schon über die 2. Liga nach

Sollte das IFAB den VAR als Teil des Regelwerks absegnen, ist dieser aber keine Pflicht. In diesem Fall könnte der jeweilige Veranstalter eines Wettbewerbs frei entscheiden, ob er den Videobeweis anwenden möchte oder nicht, da Geld und Strukturen natürlich nicht in jeder Liga vorhanden sind.

In der Bundesliga - bislang noch immer in einer VAR-"Testphase" - wäre das finanzielle und strukturelle Umfeld aber gegeben. DFL-Geschäftsführer Seifert sagte: "Wenn das IFAB den Videobeweis erlaubt, werden wir ihn in der kommenden Saison in der Bundesliga und vielleicht auch in der 2. Bundesliga einsetzen." Die Testphase wäre dann zu Ende und der Videobeweis fester Bestandteil.

UEFA-Präsident noch skeptisch

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

In anderen Wettbewerben deuten sich unterschiedliche Vorgehensweisen an. In der Champions League und der Europa League wird der VAR vorerst nicht zum Einsatz kommen. "Wir werden das in der nächsten Saison auf keinen Fall machen", sagte Aleksander Ceferin, Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

Ceferin äußerte auch Zweifel daran, dass der VAR wirklich zu einer offiziellen Regel wird. "Sie werden nur erlauben, dass alle den Videobeweis testen können. Bei der WM wird er aber wahrscheinlich genutzt werden." Er sei kein genereller Gegner des Videobeweises, sagte Ceferin. Man müsse die Schiedsrichter aber vorher "richtig ausbilden", es gebe noch zuviele Unklarheiten.

Mit Deutschland, Portugal, Polen, Südkorea, Italien, Belgien und Australien setzen nach Angaben des IFAB derzeit sieben Profiligen weltweit standardmäßig den Videobeweis ein. Die spanische Liga plant für die nächste Saison die Einführung. In Frankreich, den Niederlanden, Tschechien und England sowie beim südamerikanischen Supercup fanden Tests statt.

nch | Stand: 02.03.2018, 09:23

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