"Zu Gast bei Fremden" - der Blog zum Arab Cup in Katar

Blog: Baustelle Doha – und das Problem mit der Gesundheit

Von Olaf Jansen

Der Arab Cup in Katar ist ein Testlauf für die WM 2022. Sportschau-Autor Olaf Jansen berichtet über seine Erlebnisse vor Ort. Im dritten Teil des Blogs geht es um die Tücken der Stadt.

Als Journalist habe ich im Laufe der Zeit gelernt: Möchte ich wirklich etwas über Land und Leute erfahren, muss ich zu ihnen gehen. Muss durch die Stadt laufen, in der die Menschen leben und fragen. Gespräche führen. Nur ist dies in Doha nicht ganz ungefährlich. Gerade im Dunkeln birgt die Stadt so ihre Tücken. Dabei sind es nicht etwa gefährliche Gangs, die in den Gassen lauern - nein, Straßenkriminalität gibt es in Katar nicht. Es sind vielmehr unzählige Baustellenlöcher, von denen Gefahr für Leib und Leben ausgeht.

Doha ist eine Baustelle

Man muss wissen: Die U-Bahn, vielspurige Autobahnen und auch die supermodernen Stadien sind zwar fertig, dennoch wird ein Jahr vor der WM 2022 in Doha immer noch gebaut, was das Zeug hält: Straßenzüge, Bürgersteige, Hotels, Geschäfts-Malls werden allerorten aus dem steinigen Boden gestampft. Gefühlt ist die ganze staubige Stadt eine einzige Baustelle. Vollgestopft  mit Baggern, Kränen, Kippern und Absperrungen. Und eben Löchern. Kratern geradezu, die sich gern ganz plötzlich und unbeleuchtet vor mir auftun. Einen Moment nicht aufgepasst – schon droht ein Sturz in zwei oder drei Meter Tiefe.

Dem wohlhabenden Teil der Einwohnerschaft droht derlei Gefahr kaum, denn der geht nicht zu Fuß. Im normalen Alltag verlässt ein Katari sein klimatisiertes Haus nur für die Fahrt zum Job oder zum Einkauf. Derlei Wege bestreitet er mit dem Auto, das ihn ins Bürogebäude oder in die heruntergekühlte Einkaufs-Mall bringt. In letzterer lässt sich gemütlich flanieren und in einer der Fast-Food-Ketten ein Snack verspeisen. Mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung führen zu Fettleibigkeit. Katar hat die größte Zahl an Übergewichtigen im Nahen Osten.

Katars Krankheitsbild: Fettleibigkeit und Vitamin-D-Mangel

Zwei katarische Männer in einer Mall in Doha | Bildquelle: Olaf Jansen

Derlei könnte man super begegnen, indem man eine der vielen aufwändig angelegten Trainingsareale mit ihren Fitnessgeräten besucht, die in den zahlreichen Parks der Stadt angelegt wurden. Oder man könnte auf der acht Kilometer langen im Grünen gelegenen Corniche joggen oder Radfahren. Dort sind aber nur ein paar durchgeknallte Touristen zu sehen, die sich bei gleißender Sonne durchschwitzen lassen.

Überhaupt die Sonne. Die meiden Katarer wo es eben geht. Was zum zweiten gesundheitlichen Problem führt: Vor allem die verschleierten Frauen leiden unter heftigem Vitamin-D-Mangel. Das ist grotesk, denn Katar ist mit etwa 320 Sonnentagen im Jahr eines der hellsten Länder der Welt.

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