Schwedens Zlatan Ibrahimovic - Gottes Rückkehr

Zlatan Ibrahimovic im Trikot der schwedischen Nationalmannschaft

WM-Qualifikation

Schwedens Zlatan Ibrahimovic - Gottes Rückkehr

Von Tim Beyer

Zlatan Ibrahimovic ist zurück beim schwedischen Nationalteam. Tore hat er angekündigt, auch Titel - doch für den Nationaltrainer Janne Andersson ist die Personalie Ibrahimovic eine Herausforderung.

Am Tag nach seiner Rückkehr hat sich Gott gleich mal mit der Banalität des Irdischen beschäftigen müssen. Da stand nun Zlatan Ibrahimovic, 39, der sich selbst manchmal Gott nennt, er trug das Trikot der schwedischen Nationalmannschaft und sah tatsächlich interessiert aus. Den Kopf hatte er gesenkt, die Hände geballt, seine Arme sahen aus, als bestünden sie nur aus Adern, Muskeln, Tattoos.

Es war ja tatsächlich eine spannende Frage: Ob Gott die Kleider des einfachen schwedischen Fußballvolks passten? Sie passten - und so tauchte Ibrahimovic wenig später auf dem offiziellen Mannschaftsfoto der Nationalmannschaft auf. Neben ihm stand Alexander Isak, 21, von dem sie sich in Schweden erhoffen, dass er irgendwann einmal Ibrahimovic ersetzen kann.

Zwischen Gegenwart und Zukunft

Isak mag die Zukunft gehören, er ist ja tatsächlich ein hoffnungsvolles Talent, doch die Gegenwart prägt dann eben doch wieder Ibrahimovic. Am Donnerstagabend (25.03.2021) könnte er in der WM-Qualifikation sein Comeback gegen Georgien geben, mehr als vier Jahre nach seinem bislang letzten Spiel. Nach dem Vorrundenaus bei der Europameisterschaft 2016 hatte Ibrahimovic seine Länderspielkarriere nach 116 Spielen und 62 Toren eigentlich für beendet erklärt.

Fortan war er zu einer Art Chefkritiker des Nationaltrainers Janne Andersson geworden, hatte über dessen Taktik gelästert und die Kadernominierung in Frage gestellt. Einmal sprach Ibrahimovic von "inkompetenten Personen in falschen Rollen" - auch das war ihm als Kritik an Andersson ausgelegt worden.

Als Gott seine Rückkehr inszenierte

Doch dann kam jener Tag im Herbst 2020, an dem Ibrahimovic zum 12. Mal als Schwedens Fußballer des Jahres ausgezeichnet wurde. Er sagte: "Ich vermisse die Nationalmannschaft." Es folgten Gespräche zwischen Andersson und Ibrahimovic - und irgendwann der Rücktritt vom Rücktritt. Bei Instagram schrieb Ibrahimovic mit der ihm eigenen Bescheidenheit von Gott, der nun zurückkehren werde.

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Nicht überall hatte man diese Entwicklung wohlwollend beobachtet. Schließlich war Schweden ohne Ibrahimovic eine durchaus erfolgreiche Nationalmannschaft gewesen, in der ein Spieler für den anderen lief. Bei der WM 2018 scheiterten die Schweden erst im Viertelfinale. Sie waren sicher keine Überflieger so ganz ohne ihren Besten, aber eben eine Mannschaft. "Göteborgs Posten" schrieb mal von einem Kollektiv, das immer und überall "steinhart" füreinander schufte.

Gottes langer Schatten

Gottes langer Schatten

Die Rückkehr von Ibrahimovic ist für den Trainer Andersson womöglich also nicht nur der Segen, für den man sie halten könnte - sie könnte ihm auch gefährlich werden. Ibrahimovic hat für den AC Milan in der Serie A in dieser Saison 15 Tore in 15 Spielen erzielt, er kann es noch immer. Doch an der Statik im Spiel der Schweden dürfte sich mit ihm einiges ändern, oder hat man Gott schon einmal schuften gesehen?

"Ich werde die EM gewinnen"

Natürlich gab der schwedische Verband anlässlich der Rückkehr von Ibrahimovic eine aufwendig vorbereitete Pressekonferenz, man konnte sie sogar in Deutschland verfolgen. Ibrahimovic sagte darin Ibrahimovic-Dinge, einmal gar: "Ich werde die EM gewinnen. Ich denke an nichts anderes." Es ist deshalb nicht ganz auszuschließen, dass da in diesen Tagen eine Menge Arbeitet wartet auf den Trainer Andersson. Es steht Schwedens "Wir" gegen Gottes "Ich" - und dazwischen Andersson, als Vermittler zwischen den Polen.

Ibrahimovic jedoch scheint durchaus daran gelegen zu sein, dass ein solcher Konflikt gar nicht erst entsteht. Kapitän wolle er lieber nicht sein, sagte er. Das solle lieber Andreas Granqvist bleiben. Und als Emil Forsberg Ibrahimovic in den Tagen nach dessen Rückkehr das Trikot mit der Nummer zehn anbot, das "Ibrakadabra" lange getragen hatte, winkte der großzügig ab. Er habe sich ohnehin für die "Elf" entschieden. Die trägt eigentlich Isak - natürlich gab er sie gerne weiter.

Ibrahimovic hat die Geschichte kürzlich erzählt, sie schien ihm zu gefallen. "Er meinte, er will sie in sechs, sieben Jahren zurückhaben, wenn ich aufhöre", sagte Ibrahimovic und er sah eher nicht so aus, als hielte er diesen Zeitraum für abwegig. Ibrahimovic wäre dann 46 oder 47 - die Zukunft des schwedischen Fußballs, sie muss sich noch gedulden.

Stand: 25.03.2021, 13:05

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