Die etwas andere Elf der WM-Vorrunde

Turnier in Russland

Die etwas andere Elf der WM-Vorrunde

Von Frank van der Velden

Rekorde, Kuriositäten, Glück, Pech und persönliche Geschichten: sportschau.de stellt die etwas andere Elf der WM-Vorrunde vor.

Tor: Essam Al-Hadari (Ägypten)

Älter war kein anderer. Der ägyptische Torwart Essam Al-Hadari ist mit 45 Jahren und 161 Tagen nun der älteste Spieler, der je bei einer WM eingesetzt wurde. Diese Bestmarke stellte der Schlussmann durch seinen Einsatz im letzten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien auf. An seinem Jubeltag wehrte er sogar einen Handelfmeter ab. "Es ist ein besonderer Rekord, und viele Menschen in Ägypten lieben und unterstützen ihn. Ich wollte, dass er spielt, weil ich glaube, dass unsere Torhüter auf dem gleichen Niveau sind", sagte Trainer Hector Cuper, der Mohamed Al-Schenaui aus dem Tor nahm. "Es war mir eine große Ehre hier zu spielen", sagte Al-Hadari.

Abwehr: Milad Mohammadi (Iran)

Spektakulär, überflüssig, peinlich oder einfach nur misslungen? Der Iraner Milad Mohammadi hat sich mit einem missglückten Purzelbaum-Einwurf beim Spiel gegen Spanien einen Platz in den WM-Rückblicken gesichert. Es darf bezweifelt werden, dass Mohammadis Mitspieler die Szene auch so lustig fanden. Beim Stand von 0:1 in der 94. Minute erhielt Iran einen Einwurf in der gegnerischen Hälfte. Statt den Ball schnell zurück ins Spiel zu bringen, küsste der Abwehrspieler den Ball, streckte den Zeigefinger gen Himmel, streichelte den Ball, schlug ihn sich noch nochmal kräftig an die Stirn, um dann mit einem Schritt Anlauf einen Salto zu schlagen. Doch der Schwung passte nicht, Mohammadi musste den Einwurf abbrechen und warf dann ganz normal ein. Die Zeit verstrich, der Iran verlor.

Abwehr: Matthias Ginter (Deutschland)

Bundestrainer Joachim Löw hat in den drei WM-Spielen des deutschen Teams sein Personal kräftig durchgemischt. 19 der mitgereisten Feldspieler kamen zum Einsatz. Nur Matthias Ginter nicht. Dafür darf sich der Mann von Borussia Mönchengladbach jetzt damit trösten, dass er rein gar nichts Schlechtes beigetragen hat zum Vorrunden-Aus.

Abwehr: Felipe Baloy (Panama)

Sie jubelten, als hätten sie gerade den Siegtreffer geschossen, die Fans auf den Tribünen spielten verrückt, und in der Heimat tanzten sie auf den Straßen: Felipe Baloy sorgte im Spiel gegen England in der 78. Minute für den ersten Treffer für Panama bei einem WM Turnier. Dass dies der 1:6-Anschlusstreffer war, interessierte irgendwie niemanden. "Natürlich macht einen das glücklich", sagte der 37-Jährige: "Das historische erste Tor bei einer WM zu schießen, das ist etwas Besonderes." Und  Trainer Hernan Dario Gomez schwärmte: "Ich war sehr bewegt."

Abwehr: Rafael Marquez (Mexiko)

Seinen Rekord realisierte Rafael Marquez erst nach dem Sieg gegen den Weltmeister. "Ich war mir dessen gar nicht bewusst", sagte der 39-Jährige. Beim 1:0-Sieg gegen Deutschland wurde der Mexikaner in der 74. Minute eingewechselt und übernahm die Binde von Andres Guardado - damit wurde er zum ersten Spieler, der bei fünf Weltmeisterschaften als Kapitän auf dem Feld stand. Dabei war lange unklar, ob Marquez überhaupt nach Russland fährt. Denn vor dem Turnier war er ins Visier der Justiz geraten. Er soll als Strohmann für ein mexikanisches Drogenkartell fungiert haben.

Mittelfeld: Jimmy Durmaz (Schweden)

Nach seinem Foul an Timo Werner, das in der Nachspielzeit zum entscheidenden Freistoß und zum Siegtreffer für das deutsche Team führte, sah sich Schwedens Jimmy Durmaz im Internet einem üblen Shitstorm ausgesetzt. Innerhalb weniger Minuten nach der 1:2-Niederlage gegen Deutschland erhielt der Mittelfeldspieler mit türkischen Wurzeln in den sozialen Netzwerken tausende Kommentare, darunter etliche wüste Beschimpfungen, rassistische Beleidigungen und sogar Morddrohungen. Durmaz blieb gelassen. "Das ist nichts, was mich interessiert", sagte er. Der schwedische Fußballverband erstattete Anzeige.

Mittelfeld: Rurik Gislason (Island)

Vom Zweitliga-Nobody zum Social-Media: Kurz  nach seinem Debüt bei der WM knackte Islands Nationalspieler Rurik Gislason bei Instagram die Marke von einer Million Follower - nicht weil er gegen Argentinien so gut spielte, sondern weil er so gut aussieht. Ausgelöst wurde dies offenbar durch eine bekannte brasilianische Schauspielerin, die Gislason anhimmelte und dies öffentlich mitgeteilt haben soll. Die meisten seiner neuen Fans kommen jedenfalls aus Südamerika. "Ich verbringe jetzt viel weniger Zeit auf Instagram als vorher", betonte Gíslason. Seine Teamkollegen finden die Entwicklung dagegen lustig und nennen ihren Mitspieler jetzt nur noch "den schönen Rurik".

Mittelfeld: Yussuf Poulsen (Dänemark)

Dänemarks Yussuf Poulsen ist bei den WM-Spielen in Gedanken auch immer bei seinem Vater. So läuft der Stürmer in Russland mit dem Namen "Yurary" auf dem Rücken auf. Das ist nicht nur Poulsens zweiter Vorname, sondern auch der Nachname seines aus Tansania stammenden Vaters. Der starb an Krebs, als Poulsen fünf Jahre alt war. "Das war schlimm für mich und meine Familie. Wir haben lernen müssen, ohne ihn zu leben", sagte er einst. Auch bei RB Leipzig wollte Poulsen eigentlich mit "Yurary"  auf dem Rücken spielen. "Aber als ich den Vertrag unterschrieben habe, hatten sie schon die 'Poulsen'-Trikots gedruckt", sagte er.

Mittelfeld: Daniel Arzani (Australien)

Für Daniel Arzani war das alles "irgendwie surreal. Es ist so, als ob man in den Park geht, und da sind plötzlich Antoine Griezmann und Paul Pogba." Im Spiel gegen Frankreich wurde der gebürtige Iraner Arzani mit 19 Jahren und fünf Monaten der jüngste Spieler dieser WM. Dabei war der Offensivspieler vor einigen Monaten noch nicht einmal Stammspieler in der zweitklassigen A-League Australiens. Trainer Bert van Marwijk holte ihn dennoch in den Kader.

Angriff: M’Baye Niang (Senegal)

Es war das wohl kurioseste Tor in der Vorrunde. Senegals M’Baye Niang stand im Spiel gegen Polen nach einer Behandlung am Spielfeldrand, als er vom Schiedsrichter das Okay bekam, auf den Platz zurückzukommen. Nur einen Moment später spielte Polens Grzegorz Krychowiak den Ball zurück auf seinen Torwart Wojciech Szczesny. Niang sprintete dazwischen und spitzelte den Ball am verdutzten Schlussmann vorbei in Tor. Der Senegal gewann 2:1.

Angriff: Aziz Bouhaddouz (Marokko)

Für Aziz Bouhaddouz war die WM ein Reinfall. Denn seine Marokkaner schieden in der Gruppe B schon in der Vorrunde aus. Der Stürmer des FC St. Pauli schaffte es dennoch in die WM-Statistiken und das auch noch sehr prominent. Nach seiner Einwechslung gegen den Iran sorgte er mit einem  Eigentor in der fünften Minute der Nachspielzeit für die Entscheidung. Es war das späteste Eigentor aller Zeiten bei einer WM. Bouhaddouz ist in Russland in guter Gesellschaft, denn er eröffnete einen wahren Eigentor-Reigen.

Trainer: Julen Lopetegui (Spanien)

"Julen Lopetegui wird immer Teil unseres Teams sein, egal, was bei dieser WM passiert", sagt Spaniens Abwehrchef Sergio Ramos. Der Trainer war kurz vor dem WM-Start vom spanischen Verband entlassen worden, weil der sich zu sehr über dessen Wechsel zu Real Madrid geärgert hatte. Lopetegui hatte das Team souverän zur WM geführt, unter ihm war Spanien seit 20 Spielen ungeschlagen. Sein Nachfolger Fernando Hierro hat nichts  geändert. Personal und Spielidee sind gleich. So ist jeder Erfolg Spaniens bei der WM auch immer ein Erfolg Lopeteguis.

Stand: 29.06.2018, 08:00

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