"Ziemlich beste Freunde": Salahs Fotoshooting mit dem Diktator

WM 2018 in Russland

"Ziemlich beste Freunde": Salahs Fotoshooting mit dem Diktator

Von Olga Sviridenko

Der autoritäre tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow hat die Ankunft des ägyptischen Nationalteams im WM-Quartier in Grosny zu Fotos mit Stürmerstar Mohamed Salah genutzt.

"Wenn etwas ist, ruf mich an!" Mit diesen Worten verabschiedete der Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow den Starspieler Mo Salah nach der Fotosession in Groznys Fußballstadion, dem Trainingsquartier der ägyptischen Nationalmannschaft. Salahs Team spielt heute gegen Uruguay (ab 14 Uhr im Sportschau-Livestream).

Der ägyptische Superstar Mohammed Salah (re.) und Ramzan Kadyrov

Der ägyptische Superstar Mohammed Salah (re.) und Ramzan Kadyrov

Propaganda für einen Diktator

Die Bilder vom vergangenen Wochenende gingen anschließend um die Welt. Und das war vom tschetschenischen Präsidenten so gewollt. Als Salah zunächst dem Training der Mannschaft fernblieb, reagierte Kadyrow sofort. Der 41-Jährige verließ das Spielfeld, um den Superstar aus dem 100 Meter entfernten Teamhotel, das die Ägypter während der Weltmeisterschaft beziehen, mit einem schwarzen Mercedes persönlich abzuholen. 

Erst dann konnte der große Auftritt losgehen. Großmännisch posierte Kadyrow vor Fernsehkameras mit dem Weltstar, riss seinen Arm in die Luft, machte ihm Komplimente. Die verletzte Schulter von Salah spielte keine Rolle, schließlich ging es um viel mehr: Propaganda für einen Diktator.

Ramsan Kadyrow nutzte Mohamed Salah, um PR in eigener Sache zu machen

Ramsan Kadyrow nutzte Mohamed Salah, um PR in eigener Sache zu machen

Tschetschenien ist eine autonome Teilrepublik Russlands und eine Region, in der der von Wladimir Putin eingesetzte Kadyrow das Sagen hat. Kritiker werfen dem Regime Folter, Verschleppungen und Morde vor. Menschenrechtsorganisationen monieren immer wieder die Gewaltherrschaft und das Willkürsystem in der nordkaukasischen Teilrepublik.

Ronaldinho, Tyson und Co.

Und trotzdem darf sich nun der Autokrat in Szene setzen. "Es geht um das positive Image der Tschetschenischen Republik", erklärte der tschetschenische Innenminister Jambulat Umarov.  Dafür benutzt Kadyrow immer wieder Berühmtheiten aus Sport- und Showbusiness. Für viel Geld posiert eben auch mal ein Ronaldihno, ein Mike Tyson oder Hilary Swank vor den Kameras in Grozny.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Human Rights Watch und andere Menschenrechtsorganisationen kritisieren Ägyptens Entscheidung in Grozny Quartier zu beziehen aufs Schärfste. "Die FIFA sollte das sofort unterbinden. Das ist absolut unzulässig und beängstigend", sagte Swetlana Gannuschkina von der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial.

Doch augenscheinlich hat die FIFA keine Berührungsängste mit Kadyrow, der  übrigens wegen "außergerichtlichen Hinrichtungen, Folter und anderen schwerwiegenden Verstößen gegen Menschenrechte" unter Sanktionen des Westens steht. Dennoch gab die FIFA Grozny als potentiellen Quartierort für die WM an.

Ein Problem der FIFA?

"Wir haben aus der Liste gewählt, die die FIFA uns gegeben hat und, wenn die Leute ein Problem mit Grozny haben, dann sollte man mit der FIFA darüber reden", so  Ihab Leheta, der Generalmanager des ägyptischen Nationalteams.

Auf Nachfrage der ARD-Sportschau antwortete die FIFA, "dass Ägypten in Grozny Quartier mache, bedeute nicht, dass der Verband Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien billige".

Einer profitierte schon, noch bevor es den ersten Anstoß gab – Ramsan Kadyrow. Tschetscheniens Diktator neben einem der derzeit weltbesten Fußballer. Es ist kalkulierte Politpropaganda. Das Bild der beiden ist schon jetzt ein prägendes dieser Weltmeisterschaft.

Stand: 15.06.2018, 11:41

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