Deutschland - WM-Ernüchterung nach immer gleichen Fehlern

Auftaktniederlage gegen Mexiko

Deutschland - WM-Ernüchterung nach immer gleichen Fehlern

Die deutsche Nationalmannschaft arbeitet die Auftaktniederlage der WM gegen Mexiko auf und stellt fest, dass sie die immer gleichen Fehler macht. Der "final countdown" vor dem Spiel gegen Schweden läuft.

Der Kinosaal blieb dunkel. Selbst die Pressekonferenz mit Philipp Lahm, dem Sonderbotschafter für die Bewerbung um die Europameisterschaft 2024, im Medienzentrum Watutinki wurde abgesagt. "Bitte beachten! 'Medienfrei‘ am Montag', teilte der Deutsche Fußball-Bund am späten Sonntag (17.06.18) mit. Es ist inzwischen die Regel, dass sich Reporter und die - aktiven - Protagonisten der Nationalmannschaft am Tag nach einem Spiel aus dem Weg gehen.

"Absolut verdient verloren"

In Ruhe sortieren, analysieren, konzentrieren, fokussieren - all das wird die Nationalmannschaft in ihrem Camp im Birkenwald wohl gemacht haben. All das, so hieß es, sei aber auch vor dem Spiel gegen Mexiko schon gemacht worden. Das Ergebnis war ernüchternd, nicht nur das in Zahlen gegossene 0:1. "Die Mexikaner haben auf unsere Fehler gewartet, die wir in den letzten Spielen gemacht haben. Die haben wir wieder gemacht", sagte Joshua Kimmich im Stadion Luschniki und gab zu: "Wir haben absolut verdient verloren."

Bundestrainer Joachim Löw sprach von "einer absolut ungewohnten Situation". Die fünf Auftaktspiele bei großen Turnieren unter seiner Anleitung waren sämtlich gewonnen worden. Nun muss das zweite Gruppenspiel am Samstag (23.06.) in Sotschi gegen Schweden gewonnen werden, sonst droht dem Weltmeister das Aus nach der Vorrunde. "Das wird uns nicht passieren. Wir werden es schaffen", waren Löws letzte Worte während der Pressekonferenz. Die Zuversicht war ihm geblieben, die Herausforderung für ihn ist gewaltig.

Eklatante Defizite

Die Defizite im Spiel gegen Mexiko waren eklatant: viele Ballverluste, schlechtes Positionsspiel, körperliche Schwächen bei mehreren Spielern. Dass die Mexikaner, anders als von Löw erwartet, auf ein Angriffspressing verzichteten, dürfte eine Mannschaft, die viel Ballbesitz gewöhnt ist, nicht überraschen. Deutschland tappte jedoch in die Falle, die der Gegner in der Theorie laut ihres Trainers Juan Carlos Osorio schon ein halbes Jahr zuvor entwickelt hatte.

"Es fehlt an vielen Dingen", sagte Jerome Boateng. Bedenklich: Spätestens im Test gegen Österreich etwa zwei Wochen vor dem Auftakt der WM traten die Schwächen ans Licht. Sie blieben trotz des langen Trainingslagers in Südtirol und der Tage in Watutinki. Er werde "jetzt sicher nicht alles über den Haufen werden", sagte Löw.

Personelle Veränderungen angekündigt

Es dürfte jedoch einige personelle Veränderungen geben. Marco Reus verriet sogar schon indirekt, dass er gegen Schweden in der Startelf stehen wird. Schon in Südtirol habe ihm der Bundestrainer gesagt, dass er gegen Mexiko zunächst auf der Bank sitzen werde, "weil wir davon ausgehen, dass das Turnier sehr lang geht und ich vor allem in den wichtigen Spielen..." - dann stockte der Dortmunder. "Natürlich" sei auch die Partie gegen Mexiko wichtig gewesen.

Reus, der das Tempo im deutschen Spiel erhöhte, als er nach einer Stunde eingewechselt wurde, war nicht der einzige, der sich ein bisschen verplapperte. Thomas Müller sagte: "Der Gegner hat das gut gemacht, unsere Schwachstelle, unsere nicht optimal positionierten..." Dann brach auch er ab, dachte nach und fuhr mit "Raumaufteilung bei Ballverlusten, die weh tun" fort. So entstand ein schräger Satz, aber keine persönliche Kritik.

Kimmichs zu offensive Positionierung

Es war auch so einfach, die schlechte, weil viel zu offensive Positionierung von Kimmich als rechtem Verteidiger und Sami Khedira als zentralem Mittelfeldspieler ausfindig zu machen. "Wir werden unser Spiel nicht groß verändern", kündigte Stürmer Timo Werner trotzig an: "Wir sind Deutschland, wir brauchen keine Angst zu haben, auch wenn wir jetzt einen Rückschlag erlitten haben."

Fünf Tage Vorbereitung bleiben der deutschen Mannschaft bis zum nächsten Spiel. Schon am Dienstag (19.06.18) fliegt der Tross an den Spielort Sotschi.

Für eine passende Einstimmung sorgten die Schüler der Deutschen Schule in Moskau. Sie sangen vor ihrem Gast Philipp Lahm den Titel einer schwedischen Band: "The final countdown".

red | Stand: 17.06.2018, 19:28

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