Ronaldo verschießt Elfmeter - Portugal zittert sich gegen Iran ins Achtelfinale

Iran - Portugal 1:1 | Gruppe B | 3. Spieltag

Ronaldo verschießt Elfmeter - Portugal zittert sich gegen Iran ins Achtelfinale

Von Mark Weidenfeller

Portugal hat gegen den Iran am 3. Spieltag der Gruppe B bei der Fußball-WM 2018 im abschließenden Gruppenspiel nur ein 1:1-Remis erreicht und damit den Gruppensieg verpasst. Ein Fehlschuss von Cristiano Ronaldo beschert den Portugiesen nun einen schwierigen Gegner im Achtelfinale. Der Portugiese entgeht außerdem nur knapp einem Platzverweis.

Was für ein Krimi im letzten Gruppenspiel: Altstar Ricardo Quaresma brachte Portugal am Montag (25.06.2018) gegen den Iran mit einem Kunstschuss in Führung, Ronaldo vergab die Entscheidung vom Elfmeterpunkt. In der 90. Minute bestrafte dann Karim Ansarifard mit einem umstrittenen Handelfmeter den passiven Europameister, der in letzter Sekunde von Spanien an der Spitze überholt wurde. "Das Wichtigste ist, dass wir weiter sind", fasste Spielmacher Joao Mario den Abend aus portugiesischer Sicht zusammen.

Ronaldo vermiest sich selbst die Laune

Ronaldo war zu diesem Zeitpunkt schon laut schimpfend in den Stadion-Katakomben verschwunden. Ein normales Verhalten für einen Weltklasse-Spieler, wie sein Trainer Fernando Santos erklärte: "Sie wollen immer gewinnen, sie wollen immer die Besten sein. Wenn sie das nicht schaffen, sind sie verärgert."

Die Ausgangslage vor der Partie war klar: Portugal reichte schon ein Remis für den sicheren Einzug ins Achtelfinale. Die Iraner benötigten dringend einen Sieg, um nicht auf unwahrscheinliche Schützenhilfe von Marokko angewiesen zu sein. Eine schwierige Aufgabe, die das Team des portugiesischen Trainers Carlos Queiroz aber zunächst sehr mutig anging.

Iran spielt munter mit

Nach einem ersten Warnschuss von Ronaldo (3. Minute) war es Vahid Amiri, der einen schönen iranischen Konter etwas zu überhastet abschloss und die Chance zur Führung für den Außenseiter liegen ließ (7.). Portugal machte das Spiel, der Iran lauerte auf schnelle Gegenstöße. So sah sie aus, die Anfangsphase im Stadion von Saransk.

Der Europameister tat sich gegen die tapfer kämpfenden Iraner sichtlich schwer, selbst bei den Freistößen war kein Qualitätsunterschied erkennbar: Superstar Ronaldo blieb bei seinem Versuch in der Mauer hängen (17.), auf der Gegenseite verfehlte Ramin Rezaeian (22.) nur knapp. Wenig später scheiterte Saeid Ezatolahi mit einem zu unplatzierten Kopfball (34.).

Der Iran kratzte an der Überraschung, für das Highlight sorgte dann aber doch noch Portugal. Kurz vor der Pause fasste sich Quaresma bei seinem Startelf-Debüt ein Herz und tat das, was er am besten kann: Er zirkelte den Ball vom rechten Strafraumeck mit dem Außenrist in den linken Winkel. Ein Traumtor zum perfekten Zeitpunkt (45.).

Der verschossene Elfmeter als Startschuss

Kurz nach dem Seitenwechsel hätte dann Ronaldo seinen fünften Turniertreffer erzielen und früh alles klarmachen können. Die Fußball-Weisheit, dass der Gefoulte beim Elfmeter nicht selbst antreten soll, zählt aber offenbar auch für Weltfußballer. Statt wie gewohnt ins Tor schoss der Angreifer von Real Madrid einen an ihm verursachten Foulelfmeter in die Arme von Irans Keeper Ali Beiranvand (53.).

Die durch diesen Fehlschuss zusätzlich angestachelten Iraner legten in der Folge noch einmal den Vorwärtsgang ein und drängten auf den Ausgleich. Portugal beschränkte sich zunehmend aufs Verwalten, bestraft wurde der Favorit für die mehr als durchwachsene Leistung aber zunächst nicht. Ein Schuss des eingewechselten Saman Ghoddos strich knapp am Pfosten vorbei, die restlichen Angriffe waren meist zu ungenau.

Ronaldo entkommt Platzverweis

Für Aufregung abseits des Balles sorgte in der Schlussphase Ronaldo, der seinen Gegenspieler Morteza Pouraliganji mit dem Ellenbogen im Gesicht traf. Eine Tätlichkeit? Schiedsrichter Enrique Caceres entschied nach Ansicht der Videobilder auf Gelb.

Richtig dramatisch wurde es dann kurz vor Schluss: Nach einem vermeintlichen Handspiel von Cedric gab es Elfmeter für den Iran, den Karim Ansarifard zum Ausgleich ins Netz setzte. Fast zeitgleich erzielte Spanien den 2:2-Ausgleich gegen Marokko und zog noch an Portugal vorbei. Der Iran schaffte trotz einer weiteren Großchance durch Vahid Amiri keinen Treffer mehr und ist durch das Remis ausgeschieden.

Im Achtelfinale am Samstag trifft Portugal nun auf die starken Uruguayer. Spanien bekommt es mit den schwächer einzuschätzenden Russen zu tun.

Fußball · Weltmeisterschaft · 3. Spieltag 2018

Montag, 25.06.2018 | 20.00 Uhr

Flagge Iran

Iran

Beiranvand – Rezaeian, Pouraliganji, Hosseini, Hajsafi (56. Mohammadi) – Jahanbakhsh (70. Ghoddos), Ezatolahi (76. Ansarifard), Ebrahimi – Taremi, Amiri – Azmoun

1
Flagge Portugal

Portugal

Rui Patricio – Cédric Soares, Pepe, J. Fonte, Guerreiro – William Carvalho, Adrien Silva – Ricardo Quaresma, Joao Mario (84. Moutinho) – A. Silva (90.+6 Goncalo Guedes), Cristiano Ronaldo

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Ricardo Quaresma (45.)
  • 1:1 Ansarifard (90.+3/Handelfmeter)

Strafen:

  • gelbe Karte Guerreiro (1 )
  • gelbe Karte Hajsafi (1 )
  • gelbe Karte Azmoun (1 )
  • gelbe Karte Ricardo Quaresma (1 )
  • gelbe Karte Cristiano Ronaldo (1 )
  • gelbe Karte Cédric Soares (1 )

Zuschauer:

  • 41.685

Schiedsrichter:

  • Enrique Caceres (Paraguay)

Vorkommnisse:

  • Beiranvand (Iran) hält Foulelfmeter (53.) von Cristiano Ronaldo (Portugal).Gelbe Karte (Cristiano Ronaldo) nach Videoentscheid (83.).

Stand der Statistik: Montag, 25.06.2018, 22:09 Uhr

Wappen Iran

Iran

Wappen Portugal

Portugal

Tore 1 1
Schüsse aufs Tor 2 4
Ecken 1 5
Abseits 1 1
gewonnene Zweikämpfe 85 77
verlorene Zweikämpfe 77 85
gewonnene Zweikämpfe 52,47 % 47,53 %
Fouls 16 10
Ballkontakte 347 738
Ballbesitz 31,98 % 68,02 %
Fehlpässe 46 53
Passquote 71,95 % 90,22 %
Flanken 5 13
Alter im Durchschnitt 26,1 Jahre 28,6 Jahre

Stand: 25.06.2018, 21:50

Darstellung: