Englands Auftaktsieg gegen die Zweifel

Tunesien - England 1:2 | Gruppe G | 1. Spieltag

Englands Auftaktsieg gegen die Zweifel

Der erste WM-Auftaktsieg seit 2006 ist in England mit großer Erleichterung aufgenommen worden - und bringt dem jungen englischen Team dringend benötigte Sicherheit.

Mit seinem späten Siegtreffer gegen Tunesien rettete Harry Kane den englischen Fußball-Fans den Abend, unter ihnen auch Paul McCartney. Bis in die Nachspielzeit hinein sah es in Wolgograd ja nach dem schon fast traditionellen Fehlstart der Engländer in ein großes Turnier aus. Dann schlug Kapitän Kane zu - und ließ auch Sir Paul, der am Montagabend (18.06.2018) seinen 76. Geburtstag feierte, jubeln: "Danke für das Geschenk, ich liebe es!", schrieb der Beatles-Sänger bei Instagram.

Kane beklagt Schiedsrichterentscheidungen

Gefeiert wurde naturgemäß Englands Doppel-Torschütze. „He Kane, he scored, he conquered“ – titelte der "Daily Mirror" in Anlehnnung an Julius Cäsars berühmten Kriegsausspruch ("Ich kam, sah und siegte"). Der Matchwinner selbst sprach im Anschluss vor allem von ausgleichender Gerechtigkeit: "Nichts weniger, als wir verdient haben", twitterte der Stürmer aus Tottenham. Gegenüber dem "Guardian" bemängelte Kane wohl zurecht einige Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns - und meinte dabei nicht nur den zweifelhaften Strafstoß, der zum tunesischen Ausgleich führte und die Engländer um den Lohn der starken ersten Halbzeit brachte.

Harry Kane (l.), Kieran Trippier

Jubel um Matchwinner Harry Kane

Auf der anderen Seite wurde Kane selbst zweimal elfmeterwürdig an einem möglichen Treffer gehindert - und wunderte sich im Anschluss darüber, dass auch die Videoassistenten, anders als zuvor im Turnier, nicht eingriffen: "Ich war praktisch das ganze Spiel damit beschäftigt, mir die Tunesier vom Leib zu halten", klagte Kane. "Sie haben uns festgehalten, uns bei Sprints behindert. Ich konnte mich bei Standards nicht in Position bringen. Am Ende war es deshalb vielleicht auch ein bisschen gerecht, dass ich noch einen Ball am langen Pfosten erwische."

Der Siegtreffer fiel zwar in der Nachspielzeit, also zu einem glücklichen Zeitpunkt, allerdings gab es im Anschluss kaum jemanden in der Arena, der nicht von einem verdienten Sieg gesprochen hätte. Belohnt wurde England vor allem für seine Beharrlichkeit nach dem unglücklichen Ausgleich und die mentale Stärke im Abnutzungskampf gegen destruktive Tunesier. Auch Coach Gareth Southgate sorgte für die richtigen Impulse in der Schlussphase, als er den zunehmend erschöpften Raheem Sterling vom Feld nahm und die Offensive mit den jungen Marcus Rashford und Ruben Loftus-Cheek weiter verstärkte. Beide brachten nochmals Energie ins englische Spiel.

WM-Auftaktsieg gegen die Zweifel

Das späte Happy-End bringt dem jungen englischen Team, das erstmals seit der WM 2006 wieder ein Auftaktspiel gewinnen konnte, eine schon lange nicht mehr erlebte Ruhe und dringend benötigte Sicherheit. "Gute Mannschaften erzielen auch späte Tore", bilanzierte Trainer Southgate, wusste aber auch genau, dass bei einem Unentschieden weniger von der überwiegend guten Leistung seines Teams gesprochen worden wäre, dafür umso mehr über die Versäumnisse: Die sorglose Chancenverwertung etwa, oder manche Unkonzentriertheit in der Defensive, die bei den wenigen tunesischen Angriffen auffiel. "Wenn das Spiel 1:1 ausgeht, wäre ein gewisser Grad an Enttäuschung dabei gewesen. Zu Hause wäre das Ergebnis anders aufgenommen worden", sagte Southgate. "Wenn man so viel investiert wie wir in den vergangenen Wochen und dann nicht gewinnt, hätten Zweifel entstehen können."

Achtelfinaleinzug schon gegen Panama?

Beim jüngsten großen Turnier, der EM 2016, hatte es England zum Start gegen Russland noch verpasst, sich trotz ansprechender Leistung mit dem Sieg zu belohnen. Daraus entwickelte sich eine negative Eigendynamik, die mit dem desaströsen Achtelfinal-Aus gegen Island endete. Umso größer ist nun die Erleichterung nach dem gelungenen Start in die WM, selbst der seriöse, für patriotischen Überschwang unverdächtige "Guardian" gibt sich vorsichtig optimistisch: "Man hat eine Weile gebraucht, um es zu realisieren: Es gibt auch glückliche Turniermomente für England."

Nun haben die "Three Lions" auf einmal die große Chance, schon im zweiten Vorrundenspiel mit einem Sieg frühzeitig den Einzug ins Achtelfinale perfekt zu machen. Der Gegner am kommenden Sonntag (24.06.2018) heißt dann Panama, was absolut machbar klingt - allerdings auch nach beträchtlicher Fallhöhe.

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Stand: 19.06.2018, 13:00

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