Infantino stempelt Russlands Blankoschein

WM 2018

Infantino stempelt Russlands Blankoschein

Von Marcus Bark

Gianni Infantino hat schon weit vor der WM gesagt, dass das Turnier in Russland das beste der Geschichte werde. Diese Meinung unterstrich der FIFA-Präsident nun mit Lobeshymnen auf den Gastgeber. Schon 2022 hält Infantino eine WM mit 48 Mannschaften für möglich.

Orangefarbene Zettel lagen auf einigen Stühlen. "Reserviert", stand darauf, für wen auch immer. Pünktlich zur Mittagsstunde Moskauer Ortszeit begann sie dann, die Pressekonferenz mit Gianni Infantino, dem FIFA-Präsidenten. Als sie etwa 75 Minuten später beendet war, fiel auf, dass gerade aus der Ecke mit den orangefarbenen Zetteln Fragen kamen, die ihm sehr gut gepasst haben dürften. Eine russische Reporterin etwa stellte zunächst mal fest, dass es "so wunderbar" sei, Infantino "in unserem Land" zu haben. Andere dankten für die perfekte Organisation.

Der Präsident des Fußballweltverbandes gab die Komplimente zurück. Er sang die Hymnen auf den Gastgeber, die bei solchen Gelegenheiten schon häufig zu hören waren. Allerdings sang er ein bisschen lauter.

"Fantastisch. Großartig"

"Fantastisch. Großartig. Unglaublich." Er habe schon vor Jahren gesagt, dass die WM in Russland die beste der Geschichte werde. "Das kann ich jetzt mit Nachdruck sagen. Nirgendwo ist eine solche Infrastruktur entstanden, war die Sicherheit so hoch", drückte er den Stempel auf den längst vorgedruckten Blankoschein.

Mit solchen Hymnen begann Infantino, der in einem roten Kapuzenpulli mit der Aufschrift "Volunteer" erschienen war. Er dankte damit den freiwilligen Helfern, den "einzigen, die hier für ihre Arbeit nicht bezahlt werden", wie ein britischer Reporter anmerkte. Ob Infantino das künftig ändern wolle? "Nein." Alle Menschen seien in gewisser Weise Volunteers, wenn sie etwa als Eltern ihre Kinder zum Sport fahren würden.

Verändertes Russland

Der FIFA-Präsident sah ein verändertes Russland durch die Weltmeisterschaft. Überall dort, wo Vorbehalte gegenüber dem flächenmäßig größten Land der Erde bestanden hätten, seien diese verschwunden. Dafür dankte er "den russischen Menschen, der Regierung und natürlich auch Präsident Putin".

Ob auch einer der mächtigsten Menschen der Welt seine Einstellung in der Frage von Menschenrechten oder gegenüber Oppositionellen geändert habe, blieb offen. Infantino druckste bei der Antwort herum: "Es gibt viele Ungerechtigkeiten in der Welt, vieles, was wir ändern wollen. Das passiert aber in der Welt, nicht nur in einem Land. Wir alle müssen daran arbeiten." Wichtig sei, miteinander zu sprechen.

Gespräche dürfte es schon bald wieder darüber geben, ob schon die nächste Weltmeisterschaft 2022 in Katar mit 48 Mannschaften ausgetragen wird. Bislang ist geplant, erst 2026 in den USA, Mexiko und Kanada das Teilnehmerfeld aufzustocken. "Wir halten uns alle Optionen offen", sagte Infantino auf eine Frage der ARD. Er ließ durchblicken, Anhänger einer früheren Aufstockung zu sein.

Katar muss sich öffnen

Nassir al-Chatir, hochrangiger Funktionär aus dem katarischen Organisationskomitee, hatte während einer PR-Veranstaltung in Moskau gesagt, dass er für die Lösung mit 48 Mannschaften grundsätzlich offen sei. Allerdings werde es bei den geplanten acht Stadien bleiben. Das dürften für ein Turnier mit 48 Mannschaften zu wenige sein. Angesichts des flächenmäßig kleinen Katars landen die Gedankenspiele schnell bei einem weiteren Gastgeber. Infantino brachte das indirekt auch ins Spiel.

Er sprach ein "Kommunikationsdefizit" an, das es in der Golfregion gebe. Damit dürfte er Saudi-Arabien gemeint haben, das als treibende Kraft mit Verbündeten alles daran setzt, Katar zu isolieren. Eine Lösung des Konflikts mit Hilfe des Fußballs würde der FIFA, die sich gerne als Brückenbauer verkauft, gut passen.

Keine Skandale mehr?

Sportlich hält Infantino eine Aufstockung für gerechtfertigt. Das Niveau im Weltfußball sei gestiegen. Das werde schon allein daran deutlich, dass Länder wie Italien, die Niederlande, Chile und Kamerun die WM 2018 verpasst hätten. Außerdem: "Bei 48 Mannschaften wären das immer noch weniger als 25 Prozent der Mitglieder der FIFA."

Dem eigenen Verband bescheinigte Infantino am Freitag (13.07.2018), dass er alle Skandale hinter sich gelassen habe. Es werde nur über den Sport gesprochen. Die WM in Russland habe gezeigt, dass "der Fußball zurück zur FIFA und die FIFA zurück zum Fußball" gekommen sei.

Stand: 13.07.2018, 16:05

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