DFB-Elf mit Problemen auf zwei Ebenen

Analyse des letzten Testspiels gegen Saudi-Arabien

DFB-Elf mit Problemen auf zwei Ebenen

Von Marcus Bark (Leverkusen)

Deutschland gewinnt das letzte Testspiel vor der Weltmeisterschaft, zeigt dabei aber vor allem in der Defensive Schwächen. Ein politisches Thema bestimmt weiterhin die Schlagzeilen und nimmt auch Einfluss auf das Spiel. Die Analyse.

Joachim Löw will "ein, zwei Tage Durchschnaufen", bevor er wieder an den Fußball und die Weltmeisterschaft denkt. Der Bundestrainer wird die deutsche Nationalmannschaft in Russland zum sechsten Mal bei einem großen Turnier anleiten. Das letzte Testspiel endete jeweils mit einem Sieg. Die Gegner waren allerdings jeweils höchstens aus der zweiten Kategorie. Am Freitag (08.06.2018) gewann der Weltmeister mit 2:1 gegen Saudi-Arabien.

Mit einer Grätsche verhinderte Mats Hummels in der Nachspielzeit den Ausgleich und damit eine doch recht peinliche Situation, nachdem Deutschland zur Pause mit 2:0 geführt hatte. Die sportliche Analyse rückte jedoch in Leverkusen in den Hintergrund. Die lauten und vielen Pfiffe, die es bei der Einwechslung Ilkay Gündogans (57. Minute) und danach bei jeder seiner Ballberührungen gab, setzen die Agenda.

Fall Özil/Gündogan bleibt auf der Agenda

Auch einen knappen Monat nach dem Treffen zwischen Gündogan, Mesut Özil und dem häufig als Autokraten kritisierten türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bleibt das politische Thema dem DFB erhalten. Mats Hummels sah Auswirkungen auf die sportlichen Leistungen: "Es war eine tolle Atmosphäre. Mit den Pfiffen gegen Ilkay haben die deutschen Fans dann auch aufgehört, den Rest zu unterstützen."

Appell von Gomez

Die letzte halbe Stunde des Spiels, eindeutig die schwächste Phase der deutschen Mannschaft, wurde durch den Protest der Zuschauer bestimmt. "Das hat mich schon geschmerzt, weil die Mannschaft und jeder einzelne Spieler ja auch von der Unterstützung leben", sagte Löw. Welche Auswirkungen der Fall für die Zeit in Russland haben wird, wurde der Bundestrainer auch gefragt: "Das kann ich nicht sagen."

Hummels sprach sich, anders als Löw, Manager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel dafür aus, den Fall intern erneut zu besprechen: "Wir werden darüber reden." Mario Gomez richtete einen Appell an die deutschen Fans: "Ab jetzt bitte ich die Leute einfach darum, daran zu denken, dass wir Weltmeister werden wollen. Dafür brauchen wir den Ilkay, dafür brauchen wir den Mesut."

Reus drängt sich für das Mexiko-Spiel auf

Özil wurde in Leverkusen wegen einer Knieprellung geschont. Sollte er am 17. Juni für das Auftaktspiel gegen Mexiko einsatzbereit sein, dürfte er auch - wie immer unter Löw - in der Startelf stehen. Vermutlich gäbe es dann eine Änderung im Vergleich zum Test gegen Saudi-Arabien. Sehr wahrscheinlich: Marco Reus, der Özil in Leverkusen im zentralen Mittelfeld vertrat und häufig auch neben Timo Werner in den Angriff rückte, bleibt in der Elf, Julian Draxler müsste dann weichen.

"Der Marco hatte wahnsinnig gute Laufwege und ist immer wieder in die Tiefe gegangen. Ich war sehr zufrieden mit ihm", sagte Löw über den Dortmunder.

Im Strafraum gut vertreten

Wie schon in Österreich bei der 1:2-Niederlage sechs Tage zuvor ordnete der Bundestrainer seine Feldspieler in einem 4-2-3-1 an. Die Taktik war nahezu identisch. Beide Außenverteidiger - Joshua Kimmich noch mehr als Jonas Hector - rückten in der Spieleröffnung weit nach vorne. Die äußeren Mittelfeldspieler, Thomas Müller und Draxler, rückten ein wenig ins Zentrum ein, um ihnen Platz zu machen.

Raum verschaffte der deutschen Mannschaft aber vor allem der Gegner. Saudi-Arabien zog die Viererkette in einem 4-5-1 sehr eng zusammen, die äußeren Mittelfeldspieler vernachlässigten die Defensive sträflich. So ergab sich auf den Flügeln viel Platz. In der ersten Halbzeit nutzte Deutschland das häufig aus, war auch im Strafraum gut vertreten, um die Quer- und Rückpässe aufzunehmen.

Wenig Bereitschaft zur Defensive

Die Bereitschaft, nach jedem Ballverlust die Ordnung in der Defensive zu suchen, fehlte aber auch schon vor der Pause. Die Innenverteidiger Hummels und Jérôme Boateng, dem die die längere Verletzungspause anzumerken war, beschwerten sich mehrmals darüber.

Nach der Pause wurde es dennoch schlimmer. "Wir haben dem Gegner in der zweiten Halbzeit viel mehr Räume gelassen, hatten zu viele Ballverluste und sind zu selten zum Abschluss gekommen", kritisierte Löw. So hatte sich das auch schon Österreich angehört. Dem Bundestrainer bleiben Probleme auf zwei Ebenen. Über das Sportliche sagte er in Leverkusen: "Gegen Mexiko werden wir viel weiter sein."

Stand: 09.06.2018, 09:00

Darstellung: