FIFA-Prozess - Das sind die Vorwürfe gegen Valcke und Al-Khelaifi

Nasser Al-Khelaifi, Präsident des französischen Fußballvereins Paris Saint-Germain (PSG), trifft am Bundesstrafgericht ein. Dort beginnt heute der Prozess gegen Al-Khelaifi

Korruption

FIFA-Prozess - Das sind die Vorwürfe gegen Valcke und Al-Khelaifi

Von Robert Kempe

In der Schweiz beginnt der Prozess gegen den Ex-FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke, den Katarer Nasser Al-Khelaifi, der auch Präsident des Fussballklubs Paris Saint-Germain ist, sowie einen weiteren Angeklagten. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit der Schweizer Justiz.

Es ist ein Prozess, auf den die Öffentlichkeit mit Hochspannung blickt. Involviert sind einige der Hauptdarsteller auf der internationalen Fußballbühne: Katar, Paris St. Germain, der Fußball-Weltverband FIFA und die Europäische Fußball-Union UEFA. Es geht um die Vergabe von TV- und Medienrechten an Fußball-Weltmeisterschaften. Angeklagt sind drei Personen: der ehemalige FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, der katarische Geschäftsmann Nasser Al-Khelaifi, Präsident des französischen Klubs Paris St. Germain und Vorstandschef der Fernsehgruppe beIN Media, sowie der griechische Geschäftsmann Dinos Deris.

Valcke für zehn Jahre von der FIFA gesperrt

Valcke, der in der Sepp-Blatter-Ära acht Jahre als Nummer zwei in der FIFA fungierte, wird von den Strafverfolgern passive Bestechung, mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung vorgeworfen. Al-Khelaifi muss sich wegen Anstiftung zur ungetreuen Geschäftsbesorgung verantworten. Deris ist wegen Verdachts der aktiven Bestechung angeklagt. Er soll Valcke 1,25 Millionen Euro gezahlt haben.

Das Strafverfahren war 2017 eröffnet worden. Al-Khelaifi soll laut Anklage Valcke "nicht gebührende Vorteile" gewährt haben, um im Gegenzug die Medienrechte der Fußballweltmeisterschaften für die Jahre 2026 und 2030 für den Nahen Osten und Nordafrika zu erhalten. Al-Khelaifi, der alle Vorwürfe von sich weist, soll laut Anklage die Kosten einer von Valcke auf Sardinien genutzten Villa übernommen haben. Der Gegenwert wird auf bis zu 1,8 Millionen Euro geschätzt. Die Vorteile hatte Valcke, laut Ermittlern, der FIFA nicht mitgeteilt. Der skandalumtoste Valcke wurde 2015 von der FIFA suspendiert. Die Ethikkommission sperrte ihn für zehn Jahre von allen Fußballaktivitäten.

Es geht auch um die Glaubwürdigkeit der Schweizer Justiz

Al-Khelaifi hingegen ist eine der derzeit einflussreichsten Personen im Fußball. Der Chef von Paris St. Germain sitzt zugleich im Vorstand der Europäischen Klubvereinigung "ECA", 2019 wurde er in den Vorstand der UEFA gewählt. Der ehemalige Tennisprofi nimmt in der Sportpolitik Katars eine zentrale Rolle ein. Von Emir Tamim bin Hamad al-Thani wurde der 46-Jährige in den Rang eines Ministers erhoben. Zudem ist er Chef der Firma "Oryx Qatar Sport Investments", ein Fonds des Emirats, der 2012 vollständiger Eigentümer von Paris St. Germain wurde und seit seiner Gründung 2004 Milliarden in den Sport pumpt.

Doch das Verfahren in der Schweiz ist auch ein Stresstest für die Schweizer Bundesanwaltschaft. Das erste Verfahren im FIFA-Komplex endete im Desaster. Der Strafprozess gegen Franz Beckenbauer, Theo Zwanziger und weitere Funktionäre wegen einer verdächtigen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung wurde wegen Verjährung eingestellt. Zudem trat vor wenigen Wochen Bundesanwalt Michael Lauber zurück. Er stolperte über Geheimtreffen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino. Im Raum steht der Verdacht von Amtsmissbrauch und Amtsgeheimnisverletzung.

Außergerichtliche Einigung mit Al-Khelaifi

Bei dem aktuellen Prozess in Bellinzona gegen Valcke und Al-Khelaifi geht es demnach auch um die Glaubwürdigkeit der Schweizer Strafverfolger. Doch schon vor Beginn des bisher auf zehn Verhandlungstage angesetzten Prozesses ist viel Brisanz aus dem Verfahren genommen worden. Verantwortlich dafür ist der Weltverband FIFA, der Ende 2016 noch selbst Strafanzeige wegen Privatbestechung gegen Al-Khelaifi und Co gestellt hatte. Nach der Schlussbefragung der drei Beschuldigten Ende Dezember 2019 einigten sich Al-Khelaifi und FIFA plötzlich außergerichtlich. Ende Januar 2020, also kurz vor der Anklageerhebung, teilte der Weltverband der Bundesanwaltschaft mit, dass man mit dem bestens vernetzten Al-Khelaifi eine "gütliche Einigung" getroffen habe. Infolgedessen zog die FIFA den Strafantrag gegen den Chef von Paris St. Germain zurück. Al-Khelaifi muss sich daher jetzt nur noch für einen Teil der Vorwürfe verantworten.

Stand: 14.09.2020, 11:10

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