FC Basel - Coach Marcel Koller sitzt auf dem Schleudersitz

Basels Trainer Marcel Koller

Europa-League-Finalturnier

FC Basel - Coach Marcel Koller sitzt auf dem Schleudersitz

Von Jo Herold

Marcel Koller ist in der Schweizer Fußballwelt ein Trainer auf Abruf. Beim FC Basel steht der 59-Jährige seit fast drei Jahren an der Seitenlinie und führte den FCB bis ins Viertelfinale der Europa League. Aber bereits nach der K.o.-Partie gegen Schachtjor Donezk könnte für Koller Schluss sein. Oder auch nicht.

Dritter in der abgelaufenen Meisterschaft, nationales Pokal-Halbfinale, überzeugender Einzug ins Viertelfinale der Europa League. Die Bilanz von Marcel Koller im Coronajahr 2020 liest sich nicht schlecht. Aber trotzdem sitzt der gebürtige Zürcher in Basel auf dem Schleudersitz.

Job-Verlängerung, aber keine Job-Garantie

Erst jüngst war der Vertrag des früheren Bundesliga-Trainers (VfL Bochum, 1. FC Köln) und seines Trainerstabs "bis zum Saisonende" wegen der Coronapandemie verlängert worden. Darin inbegriffen: Das EL-Viertelfinale gegen Schachtjor Donezk (11.08.2020, 21 Uhr, Live-Ticker bei sportschau.de) und das schweizerische Pokalhalbfinale gegen den FC Winterthur (25. August). Danach soll Schluss sein. Aber ob das wirklich so kommt, ist alles andere als klar.

Aus zwei Gründen: Den schweizerischen Fußball plagen große finanzielle Sorgen. Nur etwa zehn Prozent der Einnahmen der Klubs der 1. Liga (Super League) stammen aus Fernsehverträgen. Der Rest muss über Zuschauereinnahmen und Investoren eingesammelt werden. 19 Millionen Franken (ca. 17,8 Mio. Euro) Defizit soll die Spielzeit 19/20 beim schweizerischen FCB verursacht haben.

Wankelmütige Klubführung

Dazu ist aus der Schweiz zu hören, dass Basel-Präsident und -Mehrheitseigner Bernhard Burgener sich schwertut mit dem Verein. Personalentscheidungen sollen dem Medienunternehmer nicht leicht fallen. Und die Zeit drängt: Die neue Saison soll Mitte September starten, ein neuer Coach würde vermutlich viel Geld kosten. Auch angesichts der Namen, die als Nachfolger von Koller gehandelt werden: Martin Schmidt, Markus Weinzierl, Alfred Schreuder, Valérien Ismaël. Eventuell würde sich der frühere Dortmunder Stürmer Alex Frei anbieten, der in Basel bereits als U-21-Coach arbeitet.

Doch noch ist Marcel Koller im Amt. In seinen knapp drei Jahren hat er den FC Basel in 98 Spielen gecoacht, mit einem Sieg über Donezk (oder spätestens gegen Winterthur) könnte er die 100 voll machen. Doch die Kritik an Kollers Spielweise ebbt nicht ab, vor allem der Fauxpas Anfang Juli, als er beim Stand von 0:2 gegen den FC Lugano (Endstand: 1:2) sein Team wegen einer Verletzung sechs Minuten lang in Unterzahl spielen ließ, haben Kollers Position in Basel nicht gestärkt.

Zehn Niederlagen zuviel

Zehn Niederlagen setzte es in der Super League, so viele wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Vielleicht bekommt der - nach seiner Bundesligazeit - langjährige österreichische Nationalcoach doch noch einmal eine Chance, wenn Basel in der Europa League besteht und zudem den schweizerischen Pokalsieg verteidigt. Aber darüber ist man sich offenbar beim FC Basel selbst noch nicht einig.

Stand: 11.08.2020, 07:00

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