Wolverhampton Wanderers - die Portugal-Connection

Ruben Neves von den Wolverhampton Wanderers

Europa-League-Finalturnier

Wolverhampton Wanderers - die Portugal-Connection

Die Wolverhampton Wanderers haben ihren Aufstieg bis ins Viertelfinale der Europa League fortgesetzt - auch dank ihrer starken portugiesischen Fraktion.

Erfolgsgeschichten wie die der Wolverhampton Wanderers dürfte es eigentlich gar nicht mehr geben im europäischen Spitzenfußball, der doch seit Jahren von den gleichen Vertretern des Geldadels dominiert wird. Wolverhampton hat es in weniger als drei Jahren von einem Abstiegskandidaten in der zweiten englischen Liga bis ins Viertelfinale der Europa League geschafft, dort wartet am Dienstagabend (11.08.2020) der FC Sevilla. Die nächste Station für die "Wolves" heißt dann womöglich: Champions League. Drei Siege fehlen noch zum Europa-League-Titel, der dann in der kommenden Saison die Teilnahme an Europas Königsklasse bedeuten würde.

Portugal-Connection in Wolverhampton

Der Aufstieg der "Wolves" klingt wie ein Fußballmärchen, folgt aber in Wahrheit einem Plan, der sich konsequent der Mechanismen der milliardenschweren Geldmaschine Premier League bedient: Der Kern des Teams besteht aus einer Reihe von portugiesischen Nationalspielern und Profis aus den renommierten Talentschmieden portugiesischer Klubs. Angeführt von Europameister João Moutinho, der gemeinsam mit dem früheren Porto-Kapitän Rúben Neves die zentrale Achse im Mittelfeld bildet, und Portugals Nationalkeeper Rui Patricio.

Coach Nuno steht für starkes Kollektiv

Mit Nuno Espirito Santo steht auch ein Portugiese an der Seitenlinie, der Coach hat die "Wolves" aus den Niederungen der zweiten Liga zurück ins internationale Geschäft geführt. Nuno setzt auf ein starkes Kollektiv, ist ein leidenschaftlicher Analytiker und gibt auch gerne den Trainer-Philosophen. Der Stil des englischen Fußballs werde sich in den kommenden Jahren grundlegend ändern, sagte Santo gegenüber dem "Guardian" - nicht ohne dabei durchblicken zu lassen, dass er sich selbst als treibende Kraft bei diesen Innovationen sieht. Verantwortlich für den aktuellen Erfolg der "Wolves" ist auch Mexikos Nationalstürmer Raúl Jimenez, mit 17 Toren wichtigster Angreifer in der abgelaufenen Saison.

Alles Namen, die es womöglich niemals zu einem Klub in den eher tristen West Midlands verschlagen hätte, der zuletzt vor 60 Jahren mit dem FA-Cup einen Titel gewonnen hat. Doch Coach Santo wird wie so ziemlich alle Leistungsträger bei den "Wolves" von Jorge Mendes vertreten, einem der mächtigsten Agenten der Fußball-Welt, zu dessen Klienten unter anderem Cristiano Ronaldo gehört. Wolverhamptons Kader mutet an wie eine kleine englische Filiale der Mendes-Agentur Gestifute. Seine Rolle im Klub wurde dementsprechend auf der Insel schon kritisch beäugt.

Mendes' unklare Rolle bei den "Wolves"

Dass Mendes bei einem künftigen Verkauf seiner Klienten, darunter junge, hoch gehandelte Spieler wie Neves, kräftig mitverdienen wird,  gehört zum normalen Geschäftsbetriebs des Fußballs. Doch Mendes gilt auch als Vertrauter der chinesischen Klubbesitzer der "Wolves", der Investmentgruppe Fosun.

Cristiano Ronaldo (l.) neben Berater Jorge Mendes bei einer Preisverleihung in Dubai.

Cristiano Ronaldo (l.) neben Berater Jorge Mendes bei einer Preisverleihung in Dubai.

Nach einem Bericht des "Guardian" soll der Fosun-Vorstand selbst Anteile bei Gestifute gehalten und im Jahr 2016 eine Kooperation mit Mendes gestartet haben. Nach den Recherchen der "Football Leaks" soll es dabei auch um den weltweiten Erwerb von Transferrechten gegangen sein, um einen Teil der gigantischen Summen auf dem internationalen Spielermarkt abzuschöpfen. Ein Geschäftsmodell also, das der Third-Party-Ownership entsprechen würde - eine solche Beteiligung und Mitsprache von dritten Personen, neben dem Spieler und dem Klub, bei Transfergeschäften hat der Fußball-Weltverband im Jahr 2015 untersagt.

Die genaue Gestalt der Beziehungen zwischen Mendes und den "Wolves" bleibt ungeklärt, ebenso wie die Frage, ob Mendes womöglich direkten Einfluss auf das operative Geschäft hatte, unter anderem beim Kauf von Spielern. Der englische Liga-Verband konnte bei einer schon zu Zweitliga-Zeiten angestrengten Untersuchung keinen Verstoß gegen die Liga-Statuten erkennen. "Wolves"-Vorstand Laurie Dalrymple räumte gegenüber dem "Guardian" lediglich ein, dass Mendes eine beratende Rolle eingenommen habe, "wegen seiner Verbindung und der Freundschaft mit den Besitzern".

Viertelfinale gegen Fünffach-Champion Sevilla

Ungeachtet der fragwürdigen Vorgänge im Management hat Wolverhampton weiter alle Chancen, seine Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Vor dem Viertelfinale gegen Sevilla, den fünfmaligen Europa-League-Champion, gaben sich die "Wolves" selbstbewusst und sprechen sogar vom Titel - obwohl ihnen mit dem verletzten Jonny Castro eine wichtige Stütze in der Defensive fehlt. "Wir spielen auch für ihn", sagte Ruben Neves nach der Ankunft in Duisburg: "Wir werden unser Bestes geben und versuchen, den Titel für ihn zu gewinnen."

red/mixa | Stand: 11.08.2020, 11:00

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