Siegesserie im "Cup der Verlierer" - Sevilla als "FC Europa League"

Luuk de Jong vom Sevilla FC jubelt zusammen mit Sergio Reguilo

Europa League

Siegesserie im "Cup der Verlierer" - Sevilla als "FC Europa League"

Der FC Sevilla hat in Köln die Titelträume von Manchester United beendet und den sechsten Triumph in der Europa League vor Augen. Mit dem Wettbewerb unterhalb der Champions League verbindet die Spanier eine Liebesgeschichte.

Gegner Manchester United war eigentlich die bessere Mannschaft, doch die beispiellose Liebesgeschichte zwischen der Europa League und dem FC Sevilla konnte auch Englands Rekordmeister nicht zerstören. Mit etwas Glück setzte sich die Siegesserie der Spanier im einst von Franz Beckenbauer als "Cup der Verlierer" verspotteten Wettbewerb beim 2:1 (1:1)-Halbfinalerfolg in Köln fort.

Und tatsächlich schöpfen die Andalusier Kraft aus dem besonderen Verhältnis zum Wettbewerb unterhalb der Champions League. "Wir hatten schon immer eine gute Beziehung zu diesem Wettbewerb und haben uns nie aufgegeben", sagte Torschütze Suso. Willenskraft, die Trainer Julen Lopetegui ausdrücklich lobte: "Wir haben das Endspiel verdient, mussten aber in einem harten Match viel leiden."

Beeindruckende Statistiken

"Für Sevilla ist die Europa League ein Paradies", titelte "El Pais", die aktuellen Zahlen des spanischen Ex-Meisters sind in der Tat beeindruckend: Am Freitag in Köln steht Sevilla zum sechsten Mal binnen 14 Jahren im Finale, alle fünf bisherigen Endspiele wurden gewonnen. Aus 25 der vergangenen 26 Europa-League-Duelle gingen die Spanier als Sieger hervor.

Dass der "FC Europa League" unter seiner Regie funktioniert, ist Seelenbalsam für Lopetegui. Gerade einmal zwei Jahre ist es her, da wurde der Baske kurz vor der WM-Endrunde in Russland als Spaniens Nationaltrainer gefeuert, weil er schon für die neue Saison bei Real Madrid angeheuert hatte. Dort war für ihn aber nach nicht einmal vier Monaten schon wieder Schluss. Jetzt trainiert er den "Stolz Spaniens" wie die "Marca" nach dem jüngsten Erfolg titelte.

Umso besser macht der 53-Jährige in Sevilla seinen Job. Und in der Primera Division so gut, dass seine Mannschaft in der neuen Spielzeit der Europa League untreu wird und in der Königsklasse starten darf. Dort aber - und das gehört auch zur Wahrheit - ist der Traditionsverein bei weitem nicht so dominant. Bei sieben Teilnahmen kam man nie über das Viertelfinale hinaus.

Wiedersehen in der Königsklasse

Aber so bietet sich für die in Köln unter Wert geschlagenen Engländer wenigstens die Chance zur einer zeitnahen sportlichen Revanche, denn auch sie erkämpften in der Premier League die Qualifikation für die Champions League. Bis zur neuen Spielzeit allerdings, so Manager Ole Gunnar Solskjaer, müsse personell aufgerüstet werden.

Schließt sich für Navas der Kreis?

Doch erst einmal liegt der Fokus in Sevilla auf dem großen Finale gegen Inter Mailand oder Schachtjor Donezk. Einer der schon 2006 beim allerersten Triumph gegen Middlesbrough auf dem Rasen stand, ist Jesus Navas. Der Rechtsaußen verpasste allerdings aufgrund seines vierjährigen Gastspiels bei Manchester City die jüngsten drei Europa-League-Titel allesamt. Jetzt könnte sich für den heute 34-Jährigen ein Kreis schließen. Navas ist nur noch einen Sieg davon entfernt, als Kapitän "seines" FC Sevilla den Pokal in den Nachthimmel zu recken. 14 Jahre nachdem er als Youngster erstmals über den UEFA-Cup-Sieg jubeln durfte.

sid | Stand: 17.08.2020, 13:58

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