Leipzigs spektakulärer Abschied aus Europa

Marseilles Bouna Sarr und seine Teamkollegen beim Jubel

Olympique Marseille - RB Leipzig 5:2

Leipzigs spektakulärer Abschied aus Europa

Im Hexenkessel von Marseille ist die Europa-Reise von RB Leipzig nach einem Wahnsinnspiel brachial zu Ende gegangen.

Der deutsche Vizemeister verlor am Donnerstagabend (12.04.2018) vor der internationalen Olympique-Rekordkulisse von rund 63.000 Zuschauern das Viertelfinal-Rückspiel der Europa League mit 2:5 (1:3) und verspielte damit den 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel.

"Alles weggeworfen"

RB-Keeper Peter Gulacsi gab zu: "Die Enttäuschung ist riesig, wir hatten eine sehr gute Chance, hier weiterzukommen. Aber wir haben nach der Führung alles weggeworfen - solche Fehler darf man einfach nicht machen. Da muss man kompakt und stabil bleiben, das haben wir absolut nicht geschafft. Eine Spitzenmannschaft kann so nicht verteidigen, das müssen wir klären."

Auch Kevin Kampl war sauer: "Ein ganz bitterer Abend für uns. Alles hat uns in die Karten gespielt - und dann geben wir das hier so aus der Hand. Das war einfach zu wenig, wir müssen als Team viel kompakter stehen. Da muss sich die ganze Mannschaft an die eigene Nase packen."

Frühe Führung durch Bruma

Nicht mal das schnellste Saisontor durch Bruma in einer atemraubenden Anfangsphase konnte die Mannschaft von Trainer Hasenhüttl retten: Mit einer unfassbaren Wucht und angetrieben von ihren heißblütigen Fans fertigte OM die Gäste aus Sachsen ab, die ohne ihren angeschlagenen Nationalspieler Timo Werner kaum etwas dagegenzusetzen hatten.

Nach der Leipziger Führung durch Bruma nach nicht einmal 70 Sekunden kam Marseille schon in der sechsten Minute zum Ausgleich, allerdings durch ein Eigentor von Stefan Ilsanker. In der neunten Minute gelang Brouna Sarr die Führung, noch vor der Pause erhöhte Rückkehrer Florian Thauvin auf 3:1 (38. Minute).

Hoffnung durch Augustin

Doch die Sachsen steckten nicht auf, durften nach dem Anschlusstreffer von Jean-Kévin Augustin (55.) wieder vom Halbfinale träumen. Doch OM-Kapitän Dimitri Payet (60.) und Hiroki Sakai (90.+4) zerstörten alle Leipziger Hoffnungen in einem Spiel, das alle Beteiligten so schnell nicht vergessen werden und sogar Marseilles bisher ruhmreichste Aufholjagd aus dem Jahr 2005 (5:1 nach 0:2) an Dramatik noch toppte.

Die Leipziger kassierten damit wieder viele Gegentore wie zuletzt in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen (1:4). Dabei begann es perfekt für Leipzig, nachdem Hasenhüttl mit seiner Aufstellung für Überraschungen gesorgt hatte. Neben Werner, der nur im Notfall noch kommen sollte, ließ er auch Ideengeber und Vorbereiter Emil Forsberg draußen, ebenso Kapitän und Abwehrchef Willi Orban.

Leipzig verliert nach großem Kampf

Sportschau | 12.04.2018

Teenies in der Innenverteidigung

Gegen die von Frankreichs ehemaligem EM-Star Payet angeführte Marseille-Mannschaft setzte der Coach wie im Hinspiel auf sein französisches Teenager-Duo Dayot Upamecano (19) und Ibrahima Konaté (18) in der Innenverteidigung, Ilsanker sollte die rechte Seite verteidigen. Ilsanker bekam dann aber den Ball nach einem Abwehrversuch von Torwart Peter Gulacsi ans Bein.

Ein Eigentor, das weh tat. Die ohnehin hitzige Stimmung bekam einen Lautstärke-Zuschlag. Dem Hochdruck der OM-Mannschaft hatte RB in den Anfangsminuten trotz einer defensiveren Grundausrichtung nichts entgegenzusetzen und wurde regelrecht überrollt. Zweimal scheiterte Thauvin nach einem rasanten Konter an Gulacsi, aber Sarr traf. Und es ging so weiter. Marseille spielte sich in einen Rausch. Es waren wohl die intensivsten Minuten in der noch jungen Vereinsgeschichte von RB.

Hasenhüttl stellt auf Dreierkette um

Erst nach einer knappen halben Stunde bekam der Bundesliga-Sechste etwas Kontrolle in sein Spiel, Hasenhüttl hatte die Vierer- auf Dreierabwehrkette umgestellt. Doch das dritte OM-Tor schien die Leipziger kurzzeitig gebrochen zu haben. Umso größer war die Freude, als Augustin nach der Pause die lautstarken Marseille-Anhänger zumindest für Momente zum Schweigen brachte. Hasenhüttl hüpfte wie ein Irrwisch aufs Feld. Eine Minute vorher war Forsberg für Diego Demme ins Spiel gekommen.

Dass Olympique nicht aufgeben würde, war klar. Und Payet, dessen Distanzschuss in der ersten Halbzeit in den Winkel wegen eines fast gleichzeitigen Fouls von Kostas Mitroglu aberkannt worden war, traf. In der Nachspielzeit traf Sakai ins leere Tor.

Statistik

Fußball · UEFA Europa League 2017/2018

Donnerstag, 12.04.2018 | 21.05 Uhr

Wappen Olympique Marseille

Olympique Marseille

Pelé – Sakai, Kamara, Luiz Gustavo, Amavi – Lopez, Sanson – Sarr (28. Rami), Thauvin (63. Ocampos), Payet (83. Zambo Anguissa) – Mitroglou

5
Wappen RB Leipzig

RB Leipzig

Gulacsi – Ilsanker, Konaté, Upamecano (66. Bernardo), Klostermann – Demme (54. Forsberg), Kampl, Keïta, Bruma – Augustin, Sabitzer (59. Y. Poulsen)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Bruma (2.)
  • 1:1 Ilsanker (6./Eigentor)
  • 2:1 Sarr (9.)
  • 3:1 Thauvin (38.)
  • 3:2 Augustin (55.)
  • 4:2 Payet (60.)
  • 5:2 Sakai (90.+4)

Strafen:

  • gelbe Karte Thauvin (2 )
  • gelbe Karte Mitroglou (1 )
  • gelbe Karte Konaté (1 )
  • gelbe Karte Sakai (1 )

Zuschauer:

  • 60.000

Schiedsrichter:

  • Björn Kuipers (Niederlande)

Stand: Donnerstag, 12.04.2018, 23:00 Uhr

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Donnerstag, 12.04., ab 22.50 Uhr

Stand: 12.04.2018, 23:22

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