Leipzig und Salzburg an der Konfliktlinie

Das von RB Leipzig (l.) neben dem Championsleaguelogo von FC Salzburg (r.)

Europa League

Leipzig und Salzburg an der Konfliktlinie

Von Frank Hellmann

El Dosico, Konzernkick, Dosen-Donnerstag: Das erste Duell der beiden Red-Bull-Klubs aus Leipzig und Salzburg zum Auftakt der Gruppenphase in der Europa League am Donnerstag (20.09.2018) erntet reichlich Häme. Doch mit Spott allein ist es für die Kritiker nicht getan.

Rune Bratseth, der in den 80er und 90er Jahren bei Werder Bremen zum besten Exportartikel wurde, den der norwegische Fußball zu bieten hatte, stört sich massiv an der Konstellation, die in der Europa-League-Gruppenphase zustande gekommen ist: RB Leipzig spielt gegen den FC Salzburg.

"Als ich die beiden Vereine in unserer Gruppe gesehen, habe ich mich gefragt: Ist das erlaubt?", sagte Bratseth im Interview bei Sport inside.  Das Aufeinandertreffen zweier Klubs aus dem Red-Bull-Hause, die der Brausemilliardär Dietrich Mateschitz aus der Taufe hob und deren Logos sich zum Verwechseln ähnlich sehen, hat für das Vorstandsmitglied von Rosenborg Trondheim einen bitteren Beigeschmack.

Ein Logo hat nur noch einen Bullen

Der 57-Jährige befürchtet beispielsweise beim Rückspiel des Dosenduells eine Wettbewerbsverzerrung: "Was passiert dann, wenn beide am vorletzten Spieltag einen Punkt brauchen? Dass man überhaupt den Verdacht hat, ist für die zwei Vereine nicht gut." In Leipzig und Salzburg sehen die Protagonisten es naturgemäß anders, dass sie sich so nahe an der Konfliklinie bewegen. Schließlich hatte die UEFA bereits vor drei Jahren einen Entflechtungsprozess angeordnet, der auch abgeschlossen ist, wie die Verantwortlichen betonen. "Die Klubs waren mal eng verzahnt, das ist nicht mehr der Fall", beteuert Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff. Nur für die Europa League wurde das Logo übrigens modifiziert: Dort taucht jetzt nur ein Bulle auf.

Die Verantwortlichen sehen kein Problem

Ralf Rangnick verspricht für das Aufeinandertreffer der Klubs mit dem Bullen-Markenkern: "Das wird so viel Brisanz und Feuer drinstecken, wie in kaum einem anderen Spiel." Der Trainer und Sportdirektor des 2016 in die Bundesliga aufgestiegenen Marketing-Vehikels RB Leipzig - die Initialen RB stehen offiziell für RasenBallsport - zählte einst gerne auf, dass er ständig zwischen Salzburg, Leipzig und seiner schwäbischen Heimat pendeln würde.

Der frühere Rangnick-Berater Mintzlaff war mit dem Titel als Head of Global Soccer zeitweise für sämtliche Fußball-Aktivitäten der Red Bull GmbH zuständig. Für Leipzig, Salzburg und New York. Für den Kritiker Bratseth ist bis heute klar, "dass die zusammenarbeiten". Als Experte fürs norwegische Fernsehen habe er häufig genug den Werdegang der Spieler studiert, um festzustellen, dass ein Karriereweg unter dem Brausedach eben sehr oft über die Mozartstadt Salzburg in die Messestadt Leipzig führt: "Davon kommt man nicht weg."

Wird Haidara der nächste Wechsel?

Mateschitz beschwichtigt: "Der Bessere soll gewinnen." Aber hat nicht Leipzig längst die höhere Priorität? Zwischen 2012 und 2018 folgten allein 17 Spieler dem Rangnick-Ruf. Mit Mittelfeldspieler Amadou Haidara soll im Winter der nächste Hochbegabte zu den "Roten Bullen" in die deutsche Bundesliga wechseln. Nicht nur einmal wirkte die Stallregie mindestens fragwürdig, ja sogar anrüchig. Etwa als Rangnick im Sommer 2014 seinen heutigen Leistungsträger Marcel Sabitzer von Rapid Wien zum damaligen Zweitligisten Leipzig lotste, um ihn dann umgehend nach Salzburg zu verleihen.

Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz (r) spricht mit dem RB-Vereinsvorsitzenden Oliver Mintzlaff

Firmenchef Dietrich Mateschitz mit Vorstandschef Oliver Mintzlaff

Mit Torwart Petar Gulacsi, Abwehrass Dayot Upamecano, Abräumer Stefan Ilsanker, Allrounder Kevin Kampl oder Konrad Laimer hat fast die halbe Stammelf der Sachsen eine Vergangenheit im österreichischen Spitzenklub, der in schöner Regelmäßigkeit die Champions-League-Zulassung versemmelt. Auch Trainer Marco Rose, der gebürtige Leipziger, konnte diesen Fluch nicht besiegen.

Hinteregger redete Klartext

Der inzwischen für den FC Augsburg verteidigende Martin Hinteregger hat als  Aktiver mal unverblümt angeprangert, dass Salzburg durch den Aderlass in Richtung Sachsen unnötig geschwächt werde. "Die Art und Weise wie Leipzig Salzburg kaputt macht, ist nicht schön anzuschauen", schimpfte der gebürtige Salzburger einmal.

Ansonsten sind zu diesem Verschiebebahnhof eher weichgespülte Aussagen zu vernehmen. Wer Klartext hören will, landet wieder bei Rune Bratseth. Sein Fazit: "Was juristisch recht ist, heißt nicht, dass es moralisch richtig ist. Vom Gefühl ist es nicht gut."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags wurde behauptet, dass die Eingabe von "RB Leipzig" in einen Internetbrowser zur Homepage von Red Bull Salzburg führt, wie der Verein in der österreichischen Bundesliga heißt. Diese Behauptung ist nicht richtig. Die Browser-Eingabe "rbleipzig.de" führt zur Homepage des Eishockey-Klubs EC RedBull Salzburg. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

mit sid, dpa | Stand: 19.09.2018, 14:17

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