Viel Ärger durch den Zeitdruck in der Europapokal-Quali

Ein Ball aus der Champions League vor einem Schild der UEFA-Kampagne "Respect"

Champions League und Europa League

Viel Ärger durch den Zeitdruck in der Europapokal-Quali

Von Chaled Nahar

Die UEFA wertet derzeit Spiele in der Europapokal-Qualifikation gegen Klubs, wenn diese wegen positiver Coronatests nicht antreten können. Erste gerichtliche Auseinandersetzungen laufen. Und es gibt weitere Merkwürdigkeiten im Wettbewerb, in den bald der VfL Wolfsburg mit einem Auswärtsspiel im Risikogebiet einsteigt.

Bei Slovan Bratislava war man außer sich. "In diesem Fall verlor hauptsächlich der Fußball", sagte Generaldirektor Ivan Kmotrik junior einer Vereinsmitteilung zufolge. "Wir geben nicht auf, der Verein legt Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof CAS ein." Bratislava sollte eigentlich in der 1. Qualifikationsrunde zur Champions League bei KI Klaksvik auf den Färöer-Inseln spielen. Nach mehreren positiven Corona-Tests wurde das Spiel mit 3:0 für Klaksvik gewertet - und Slovan fühlte sich betrogen.

UEFA änderte wegen Corona die Regeln - und wertet nun mehrere Spiele

Die Grundlage für die Wertung liegt in einem aktuellen Anhang zum bestehenden Regelwerk der europäischen Wettbewerbe. Die UEFA hat die Rahmenbedingungen für die Champions League und die Europa League drastisch an die Pandemielage angepasst. Neben dem Infektionsschutz prägt vor allem der Zeitdruck diese Maßnahmen.

Denn die UEFA hat einfach keine Termine, um auf den sportlichen Ausgang eines zunächst abgesagten Spiels zu warten. Nur mit Wertungen kann sie den Zeitplan halten, die Gruppenphase der Champions League startet am 20./21. Oktober, die der Europa League am 22. Oktober. Die beiden Wettbewerbe sind durch die verschobene EM die derzeit einzige nennenswerte Einnahmequelle der UEFA, ihr Ablauf soll unbedingt gesichert werden. Die wesentlichen Bestandteile der neuen Regelungen:

  • Mit Ausnahme der Playoffs zur Champions League gibt es keine Rückspiele mehr, um Termine zu sparen - das Heimrecht wird gelost.
  • Spiele werden gegen die jeweiligen Heimteams gewertet, wenn diese nicht rechtzeitig auf neue Einschränkungen ihrer Regierungen hinweisen, die ein Spiel verhindern.
  • Die UEFA kann stets neutrale Spielorte bestimmen, wenn sie das für notwendig hält.
  • Wird ein Schiedsrichter positiv getestet, darf der Ersatz aus einem der beteiligten Länder kommen - sonst undenkbar.
  • Gibt es einen oder mehrere positive Tests bei einem Klub, muss dieser trotzdem zu dem Spiel antreten - sofern es die zuständigen Behörden erlauben.
  • Ausnahme: Wenn ein Klub weniger als 13 registrierte Spieler (darunter mindestens ein Torwart) zur Verfügung hat, darf das Spiel innerhalb bestimmter Fristen verschoben werden, diese sind ab der 2. Qualifikationsrunde allerdings sehr kurz - es geht um ein bis zwei Tage.
  • Kann eine Mannschaft auch bei einer Verschiebung wegen positiver Coronatests nicht antreten, wird sie dafür verantwortlich gemacht und verliert das Spiel mit 0:3.
  • Können beide Mannschaften nicht spielen, schließt die UEFA beide Klubs aus dem Wettbewerb aus.

Slovans Generaldirektor: "Die Behörden auf Färöer wollten das Spiel verhindern!"

Der vorletzte Punkt wurde Slovan Bratislava zum Verhängnis. Nach Darstellung der UEFA wurde das Team vor der Ankunft geschlossen negativ getestet, bei der Einreise gab es aber einen positiven Test. Die örtlichen Behörden verhängten eine vollständige Quarantäne über das Team, das Spiel wurde auf Antrag von Slovan vom 19. auf den 21. August verlegt. Der Klub durfte Spieler nachnominieren, in dieser Gruppe gab es aber zwei weitere positive Tests - das Spiel konnte nicht stattfinden, Klaksvik gewann durch eine Wertung.

Slovan Bratislava spricht von Diskriminierung. "Die Behörden auf den Färöer haben alles unternommen, um das Spiel zu verhindern", klagte Slovans Generaldirektor Kmotrik junior in der Vereinsmitteilung und verwies auf den Gang zum CAS: "Wir werden versuchen, das zu erreichen, was uns rechtlich gehört." Vergeblich, der CAS wies das Ansinnen des Klubs bereits ab.

Die Frage stellt sich trotzdem, ob lokale Behörden zum Vorteil der Heimklubs Einfluss nehmen können. Die UEFA wollte das auf Anfrage der Sportschau nicht kommentieren. Laut UEFA-Hygienekonzept verantwortet aber die UEFA die Tests, was eine Manipulation durch die Behörden zumindest unwahrscheinlicher erscheinen lässt. Für Slovan Bratislava steht der Abstieg aus der Champions League trotzdem fest, in der Europa League geht es für den Klub nun in der 2. Qualifikationsrunde weiter, in Finnland bei KuPS Kuoplo.

Kosovarischer Klub nach Wertung "zutiefst empört"

Sechs Qualifikationsspiele sind mittlerweile von Wertungen und räumlichen oder zeitlichen Verlegungen betroffen. Auch der kosovarische Klub FC Drita schied per Wertung gegen den nordirischen Klub Linfield aus. Das Spiel war im schweizerischen Nyon angesetzt worden, die dortigen Behörden untersagten nach positiven Tests bei Drita die Partie. Die UEFA wertete das Spiel. Man sei "zutiefst empört" über die Entscheidung, schrieb der Klub bei Twitter und kündigte ebenfalls rechtliche Schritte an.

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Ein dritter Fall ereignete sich in der Vor-Qualifikation zur Europa League, als der FC Prishtina aus dem Kosovo in Gibraltar bei den Lincoln Red Imps spielen sollte. Wie bei Bratislava: Positive Tests, ein neuer Termin, nachnominierte Spieler, wieder positive Tests - Spielabsage. Auch dieses Spiel wurde von der UEFA mit 3:0 gewertet. Prishtina spricht ebenfalls von der Vorbereitung eines Gangs zum Internationalen Sportgerichtshof. Der CAS bestätigte der Sportschau, dass die beiden Klubs aus dem Kosovo Rechtsmittel eingelegt haben und die Verfahren laufen.

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Gewertete und verlegte Spiele in der Qualifikation
LigaRundeSpielMaßnahme
CLVorqualiDrita (KOS) - Linfield (NIR)Wertung 0:3
CL1. RundeKlaksvik (FRO) - Bratislava (SVK)Wertung 3:0
CL1. RundeNK Celje (SVN) - FC Dundalk (IRL)Spiel in Budapest
ELVorqualiLincoln RI (GIB) - FC Prishtina (KOS)Wertung 3:0
EL1. RundeNomme Kalju (EST) - NS Mura (SVN)verlegt 10.09.
EL1. RundeM. Haifa (ISR) - Zel. Sarajevo (BIH)verlegt 09.09.

Wolfsburg mit Auswärtsspiel im Risikogebiet

Der VfL Wolfsburg ist der einzige Klub aus der Bundesliga, der durch die Quali der Europa League muss. Das für den 17. September angesetzte Spiel der 2. Runde beim FK Kukesi findet in Albanien und damit in einem vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuften Land statt. Ob und wie sich der VfL Wolfsburg auf etwaige Probleme einstellt, wollte der Klub auf Anfrage nicht beantworten. Nach Sportschau-Informationen bekam der VfL im Vorfeld der Auslosung der 2. Qualifikationsrunde lediglich einen Fragebogen der UEFA, der pflichtgemäß beantwortet wurde.

In der 3. Runde, sofern die Wolfsburger Mannschaft sie erreicht, werden die Probleme zumindest kleiner. Mit Desna Chernihiv aus der Ukraine ist dann zwar wieder ein Team aus einem Risikogebiet Gegner, der VfL hat dann aber ein Heimspiel.

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Stand: 09.09.2020, 07:00

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