Florian Thauvin ist Marseilles Torgarantie

Florian Thauvin

Europa League

Florian Thauvin ist Marseilles Torgarantie

Von Frank van der Velden

Im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Olympique Marseille sollte RB Leipzig auf einen Mann besonders achten. Florian Thauvin ist der torgefährlichste Franzose der Ligue 1 und könnte in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen.

Wenn es um die Nachfolge von Arjen Robben geht, werden beim FC Bayern viele Namen gehandelt. Der Vertrag des Niederländers läuft im Sommer aus, ob er verlängert wird, ist unklar. Doch auch wenn der Rechtsaußen in München bleibt, brauchen die Bayern Ersatz oder zumindest eine Alternative für den mittlerweile 34-jährigen Flügelspieler.

Weit oben auf der Liste steht offenbar der Franzose Florian Thauvin. Der tritt am Donnerstag (05.04.2018) im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League mit seinem Klub Olympique Marseille gegen RB Leipzig an. Bei der 0:1 Hinspielniederlage war er verletzt, die Hoffnungen der Franzosen ruhen nun auf seiner Rückkehr ins Team.

An 27 Toren beteiligt

Die Abwehr der Leipziger sollte gut auf ihn aufpassen. Der 25-Jährige spielt eine Riesen-Saison. In der Ligue 1 war er in 29 Spielen an 27 Toren beteiligt. Damit liegt er auf Platz drei der Scorerliste hinter Neymar (Brasilien) und Edinson Cavani (Uruguay) und ist damit der torgefährlichste Franzose. Vor allem dank Thauvin liegt Marseille in der Tabelle hinter Paris Saint-Germain und dem AS Monaco und punktgleich mit Lyon auf Platz vier.

Thauvin hat eine ähnliche Spielweise wie Robben. Er wirbelt meist auf dem rechten Flügel, zieht dann häufig in die Mitte, um mit seinem starken linken Fuß abzuschließen. Seine Flanken sind präzise, er ist schnell und zweikampfstark.

Präsident: "Nicht für 150 Millionen"

Dribbelstarker Linksfuß: Florian Thauvin

Dribbelstarker Linksfuß: Florian Thauvin

Da verwundert es nicht, dass Olympique-Präsident Jacques-Henri Eyraud nicht erfreut ist über das Interesse der Bayern. "Er steht nicht zum Verkauf. Nicht für 100 und auch nicht für 150 Millionen Euro", sagte er gegenüber "Telefoot", verwies auf einen laufenden Vertrag bis 2021 und erklärte dann noch: "Nein, Bayern hat mich nicht wegen Florian kontaktiert." Auch wenn Eyraud einen Wechsel kategorisch ausschließt, ist Thauvin schwer umworben. Bei Atletico Madrid wird er als Nachfolger von Antoine Griezmann gehandelt, der vor einem Wechsel zum FC Barcelona steht.

Dabei verlief Thauvins Karriere nicht besonders gradlinig. Er startete sie in Grenoble und kam dann über Bastia im Sommer 2013 nach Lille. In jenem Sommer wurde er mit Frankreich U20-Weltmeister, und plötzlich wollte auch Marseille das Talent verpflichten. Ohne ein Spiel für Lille gemacht zu haben, wechselte Thauvin im September für zwölf Millionen Euro nach Marseille. Seinen Weggang erzwang er mit einem Trainingsstreik.

Verschenkte Jahre in Newcastle

In Newcastle scheiterte Thauvin

In Newcastle scheiterte Thauvin.

Zwei Jahre später ging Thauvin für rund 18 Millionen Euro in die englische Premier League zu Newcastle United. Dort lief es überhaupt nicht. Schon ein halbes Jahr später wurde er wieder ausgeliehen an Olympique, kam aber auch nach seiner Rückkehr auf der Insel nicht zurecht. Für Newcastle machte er gerade mal 16 Spiele und nur ein Tor.

Am Tyne wundert man sich sehr darüber, dass Thauvin jetzt so durchstartet und bei europäischen Topklubs auf dem Zettel steht. Erst zuletzt schrieb das Boulevardblatt "The Sun", der Stürmer hätte bei seiner Ankunft den Ruf eines kommenden Superstars gehabt, sei aber am Ende nur "eine Witzfigur" gewesen. Im Sommer 2017 holte Marseille Thauvin dann für elf Millionen Euro zurück nach Hause - und der dankt das dem Klub mit Toren und Topleistungen.

In der Nationalelf zweite Wahl

Im Rückblick waren die beiden Newcastle-Jahre verschenkte Zeit. Thauvin hätte sich schon viel früher zu einem Topspieler entwickeln können. Wohl auch deshalb reicht es nicht für die französische Nationalmannschaft. Unter Trainer Didier Deschamps kommt er bis heute nur auf drei Einsätze und spielte insgesamt nur 23 Minuten für "Les Bleus".

In der Nationalelf zweite Wahl: Florian Thauvin

In der Nationalelf zweite Wahl: Florian Thauvin

Die Konkurrenz in Frankreichs Offensive ist einfach zu groß, und Thauvin kommt auf den Flügeln an Spielern wie Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé, Thomas Lemar und Anthony Martial nicht vorbei.

Lob von Deschamps

Hoffnungen auf einen Kaderplatz für die WM in Russland darf er sich wohl dennoch machen - wenn auch nur als Ersatz. Deschamps jedenfalls lobte ihn zuletzt als einen Spieler "mit besonderen Qualitäten, der den Unterschied ausmachen kann." Thauvins Entwicklung sei nicht gradlinig gewesen, doch jetzt zeige er konstant gute Leistungen. Die belohnte Deschamps jüngst mit einem Kurzeinsatz im Testländerspiel gegen Kolumbien.

Doch jetzt geht es erstmal gegen Leipzig. Der Einzug ins Halbfinale wäre für "OM" der größte internationale Erfolg seit 2004. Damals verlor der Klub das Finale im UEFA-Pokal gegen den FC Valencia. Und Thauvin könnte sich mit guten Leistungen noch interessanter machen. Auch für die Bayern, die werden gewiss zuschauen.

Thema in:

MDR aktuell, Radio-Vollreportage, Donnerstag, 12.04., ab 21.05 Uhr

Sport aktuell, Deutschlandfunk, Donnerstag, 12.04., ab 22.50 Uhr

Stand: 12.04.2018, 08:30

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