Videobeweis sorgt in Leverkusen für Durcheinander

Porto-Torwart Marchesin (M.) und Schiedsrichter Vincic

Nach Leverkusens 2:1-Sieg gegen Porto

Videobeweis sorgt in Leverkusen für Durcheinander

Von Dirk Burkhardt

Mit dem Start in die Zwischenrunde am Donnerstag (20.02.2020) hat auch in der Europa League der Videobeweis Einzug gehalten, und obwohl die Technologie an sich mittlerweile auch bei der UEFA etabliert ist, sorgte die Technik beim Spiel von Bayer 04 Leverkusen gegen den FC Porto gleich zwei Mal für Verwirrung.

Bei beiden Leverkusener Toren zum 2:1-Sieg im Hinspiel korrigierte der slowenische Schiedsrichter Slavko Vincic seine Entscheidung auf Ansage seines niederländischen Video-Assistenten (VAR) Pol van Boekel aus dem Übertragungstruck neben dem Stadion - und das wirkte zum Teil kurios.

Szene 1: Treffer von Alario zum 1:0 (29. Minute)

Videoszene Leverkusen gegen Porto vor dem 1:0

Das Schiedsrichtergespann auf dem Feld gab den Treffer von Lucas Alario. Doch nach dem routinemäßigen Check durch Video-Assistent van Boekel entschied Vincic zunächst auf Abseits des Torschützen und zeigte das auch deutlich an. Kurz danach griff er sich, von der Mimik her leicht verblüfft, aber erneut ans Ohr und ließ die Partie noch nicht weiterlaufen. Wenig später die Entscheidung: Der Treffer zählt doch - den Fernsehbildern nach auch die korrekte Wahl. Portos Luiz Diaz stand auf dem Flügel näher zur Torlinie als Alario.

Das hatten auch die Leverkusener so gesehen. "Wir haben ein Tablet bei uns auf der Bank", sagte Trainer Peter Bosz später. "Wenn etwas passiert und der Schiedsrichter wartet, gucken wir uns die Szene schon einmal an. Dann wurde uns gesagt, dass es kein Abseits ist und dann waren wir wirklich überrascht, als er das Tor erstmal nicht anerkannt hat." Daraufhin protestierten die Leverkusener beim vierten Offiziellen. In der Zeit lief der Check aber noch.

FAZIT: Regeltechnisch war der Vorgang sauber. Solange die Partie noch nicht forgesetzt ist, darf der Tor-Check eingesetzt werden. Nur der Ablauf war etwas ungünstig und am ehesten wohl ein Kommunikationsproblem. "Ein Missverständnis ist an dieser Stelle am wahrscheinlichsten", meinte auch Alex Feuerherdt vom Regel-Blog "Collinas Erben" im Gespräch mit sportschau.de. Möglicherweise hatte Vincic, für den es ebenfalls der erste Praxiseinsatz mit Video-Unterstützung war, das übliche Schluss-Kommando "Check complete" nicht abgewartet.

Leverkusens 1:0-Führung in der Reportage

Sportschau 21.02.2020 00:54 Min. Verfügbar bis 21.02.2021 ARD Von Jan Wochner

Szene 2: Elfmeter von Havertz zum 2:0 (57.) wird wiederholt

Videoszene Elfmeter bei Leverkusen gegen Porto

Auch beim zweiten Videobeweis war die Entscheidung von der Regelseite her korrekt. Portos Torhüter Agustin Marchesin stand vor dem Elfmeterschuss von Kai Havertz deutlich mit beiden Füßen vor der Linie, eher er den Ball parierte. Das ist nicht erlaubt. Dabei hatte Schiedsrichter Vincic den Argentinier vorher noch deutlich darauf hingewiesen, dass mindestens ein Fuß auf der Linie zu bleiben habe.

Nach dem Eingriff des Video-Assistsenten ließ Vincic den Strafstoß wiederholen. Havertz machte es besser und traf zum 2:0. Ungewöhnlich war an dieser Stelle, dass der Video-Assistent überhaupt eingriff. "Das hat mich schon überrascht", so Regel-Experte Feuerherdt. "Anders als die FIFA hat sich die UEFA eigentlich dafür ausgesprochen, die Entscheidung, ob der Torwart vor der Ausführung die Linie berührt ober nicht, den Unparteiischen auf dem Platz überlassen." Die FIFA hatte dagegen bei der Frauen-WM in Frankreich auch diesen Vorgang dem Video-Check unterworfen, so dass einige Elfmeter wiederholt werden mussten.

Lars Bender über VAR-Entscheidung: "Das war schon kurios" Sportschau 21.02.2020 00:38 Min. Verfügbar bis 21.02.2021 Das Erste

FAZIT: An dieser Stelle hat sich das Gespann nicht an die Richtlinie der UEFA gehalten. Das Spiel hätte fortgesetzt werden müssen, der Elfmeter nicht noch einmal ausgeführt werden dürfen. So hätte es eigenen Angaben nach auch Bayer-Trainer Bosz gehandhabt: "Ich hätte den Elfmeter nicht wiederholen lassen."

Bei einem Stand von 1:0 wäre allerdings Leverkusen der Gegentreffer von Portos Ze Luis (73.) für das Rückspiel möglicherweise noch teurer zu stehen gekommen. Und eine Kleinigkeit haben die Unparteiischen in ihrem Übereifer auch noch übersehen. "Wenn sie auf Wiederholung wegen Verlassens der Torlinie entscheiden, sehen die Regeln auch eine Gelbe Karte für den Torhüter zwingend vor", so Feuerherdt.

Entscheidung fällt in Porto

Sportlich war Porto aber mit dem zweiten Treffer schon genug bestraft. So müssen die Portugiesen beim Rückspiel am 27. Februar (18.55 Uhr) im heimischen Estadio do Dragao einen Rückstand aufholen. Vielleicht wird dann aber nicht der Videbeweis im Fokus stehen.

Thema in: Morgenmagazin, Das Erste, Freitag, 21.02.2020, ab 5.30 Uhr

Stand: 21.02.2020, 10:49

Weitere Themen

Darstellung: