FC Salzburg - Nur noch ein Ausbildungsverein

Salzburgs Spieler feiern den Treffer vo Diadie Samassekou (l.)

BVB-Gegner in der Europa League

FC Salzburg - Nur noch ein Ausbildungsverein

Von Marco Schyns

Aus dem ambitionierten Projekt FC Salzburg ist ein Ausbildungsverein geworden. Im Europa-League-Duell mit Borussia Dortmund sind die Österreicher daher klarer Außenseiter.

13 Jahre ist es her, dass aus dem SV Austria Salzburg der FC Red Bull Salzburg wurde. Das große Projekt eines Brauseherstellers trug schnell Früchte: 2007 gewann der Klub die erste Meisterschaft seit zehn Jahren und überhaupt erst die vierte der Vereinsgeschichte. Seither folgten sieben weitere Titel in Österreichs höchster Spielklasse.

Was den Verantwortlichen bei Red Bull aber zu schaffen machte, ist die katastrophale Bilanz in europäischen Wettbewerben. Im vergangenen Sommer scheiterte auch der zehnte Anlauf, endlich die Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Als Trostpreis blieb - wieder einmal - die Europa League.

Im kleinen UEFA-Wettbewerb trifft der österreichische Serienmeister am Donnerstag (08.03.18) im Achtelfinale auf Borussia Dortmund. Salzburg steht erst zum zweiten Mal in der Red-Bull-Ära unter den letzten 16 der Europa League - 2014 scheiterte man am FC Basel aus der Schweiz.

Rose schon der elfte Trainer in 13 Jahren

Anders als vor vier Jahren geht man diesmal als klarer Außenseiter in das Duell. Das erste Etappenziel: Das Hinspiel so bestreiten, dass man mit reellen Chancen auf das Weiterkommen nach Salzburg fährt. "Wir möchten in Dortmund selbst auch aktiv und vor allem mutig sein", kündigt Salzburgs Coach Marco Rose an.

Der gebürtige Leipziger ist schon der elfte Trainer seit 2005, der sich am Projekt Red Bull Salzburg versucht. Seine Vorgänger hießen unter anderem Giovanni Trappatoni, Huub Stevens und Roger Schmidt. Einige scheiterten, anderen wurde die österreichische Liga zu klein.

Salzburgs Trainer Marco Rose coachte vorher die U19 im Klub

Salzburgs Trainer Marco Rose coachte vorher die U19 im Klub

Rose, der zuletzt im Jugendbereich bei Red Bull tätig war, ist gewissermaßen der erste Trainer einer neuen Ära in Salzburg. Denn das Anspruchsdenken hat sich verändert - während der Amtszeit seines direkten Vorgänger Oscar Garcia. Der Spanier hatte sich vor seinem Abgang im letzten Sommer immer wieder öffentlich über den Wandel von Red Bull Salzburg beklagt.

15 Wechsel von Salzburg nach Leipzig

Aus einem ambitionierten Team mit spendablem Geldgeber ist ein Ausbildungsverein für das ungleich größere RB Leipzig geworden. Eine Art B-Produkt für das bereits erfolgreich laufende Großprojekt in Deutschland. Die Personale Ralf Rangnick steht sinnbildlich für diesen Wandel. Als dieser 2012 in Salzburg als Sportdirektor anheuerte, stellte er den Klub entsprechend den Bedürfnissen von Red Bull auf. Eine Zeit lang war der 59-Jährige sogar für Salzburg und Leipzig gleichzeitig als Sportdirektor zuständig. Seit Sommer 2015 konzentriert sich Rangnick voll und ganz auf die Leipziger - und verließ Salzburg damals mit "einem lachenden und einem weinenden Auge".

Seit 2013 wechselten 15 Spieler direkt von Salzburg nach Leipzig. Darunter Bundesliga-Größen wie Naby Keita, Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer, Bernardo, Stefan Ilsanker und Peter Gulcacsi. Dass aus dieser Kategorie nur Keita (24 Mio. Euro) zu den teuersten fünf Abgängen der Vereinsgeschichte (im Video) zählt, zeigt, dass die Transfers nach Leipzig meist ablösefrei oder zu verhältnismäßig geringen Preisen über die Bühne gehen.

"Wir sind jetzt ein Ausbildungsverein"

Ex-RB-Coach Oscar Garcia trainiert inzwischen Olympiakos Piräus

Ex-RB-Coach Oscar Garcia trainiert inzwischen Olympiakos Piräus

"Wir sind jetzt ein Ausbildungsverein", schimpfte Salzburgs Coach Garcia nach dem Abgang von Bernardo im Sommer 2016 - drei Tage vor Transferschluss. Auch Keita war in jenem Sommer diesen Schritt gegangen. "Es ist nicht einfach, damit umzugehen", fuhr Garcia fort: "Der Klub hat mir mitgeteilt, dass das passieren wird und wir unser Ziel ändern müssen." Dieser Eindruck wurde von Sportdirektor Christoph Freund unterstrichen - durch heruntergeschraubte Ambitionen: "Wir müssen nicht mehr jedes Jahr Meister werden", sagte Freund damals dem "Kicker".

Der heutige Coach Rose sieht die Sache entspannter, womöglich auch weil bei seinem Amtsantritt bereits klare Verhältnisse herrschten. "Wir beschäftigen uns damit, unseren Verein und vielleicht auch die Liga ein Stück weit interessanter zu machen, damit man die guten Jungs so lange wie möglich bei uns halten kann", sagte Rose im September.

Dass Top-Spieler Salzburg irgendwann verlassen, hängt für ihn eher mit der Liga zusammen. "Fakt ist, dass wir in Österreich eine Liga haben, bei der wir damit rechnen müssen, dass sehr gute Spieler und Top-Talente irgendwann den nächsten Schritt machen wollen", so Rose: "Und da geht es ja gar nicht nur um Leipzig."

Salzburg international ohne "Red Bull" unterwegs

Weil eben jene Top-Spieler fehlen, wäre ein Weiterkommen in der Europa League gegen den BVB eine Sensation. Sollte diese gelingen, gäbe es in der kommenden Runde erneut die Chance auf das sogenannte "Bullen-Duell"- weil auch RB Leipzig noch im Wettbewerb ist.

Genau genommen würde es dann aber nicht heißen: Red Bull gegen RB, sondern RB gegen FC. Denn weil die UEFA Sponsoren-Namen verbietet, treten die Österreicher in Europa als FC Salzburg auf. Sogar das Logo - und damit die Trikots - mussten geändert werden. Weil der UEFA die Logos beider Klubs zu ähnlich waren, musste bei Salzburg einer der beiden Bullen weichen.

Stand: 08.03.2018, 08:30

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