Arsenals Rückschritte unter Coach Unai Emery

Arsenals Manager Unai Emery

Vor Europa-League-Duell mit Frankfurt

Arsenals Rückschritte unter Coach Unai Emery

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Der FC Arsenal hat unter Trainer Unai Emery keine spielerische Identität, sein Führungsstil ist fragwürdig, die Ergebnisse sind schlecht. Englands Medien spekulieren längst über einen Nachfolger. Jetzt treffen die Londoner in der Europa League auf Eintracht Frankfurt.

Als der Ball im Netz lag, beugte sich Alexandre Lacazette nach unten und griff mit den Händen an seine Schuhe. Fast sah es so aus, als würde er vor Erschöpfung zusammenbrechen. Der Angreifer des FC Arsenal konnte sich nicht über seinen Treffer zum 2:2-Endstand in der sechsten Minute der Nachspielzeit gegen den Tabellenvorletzten FC Southampton freuen.

Auch Trainer Emery wertete den glücklichen Punktgewinn als Misserfolg. “Ein Unentschieden im letzten Moment - das ist einfach nicht genug”, sagte er, zumal Southampton zuvor 0:9 bei Leicester City untergegangen war. Die Fans der "Gunners" waren ebenfalls frustriert. Sie erfüllten das heimische Stadion nach dem Schlusspfiff mit Buhrufen. Wieder einmal.

Es geht bergab im Norden Londons

Bei dem Klub aus dem Norden Londons, der in der Europa League nun Eintracht Frankfurt empfängt, ist zu beobachten, wie sich Geschichte wiederholt. Die schwachen Ergebnisse und die triste Stimmung erinnern stark an das Endstadium der Regentschaft von Arsène Wenger. Sein vor anderthalb Jahren angetretener Nachfolger Emery sollte Arsenal eigentlich wieder zu einer Spitzenmannschaft machen, doch das ist ihm bislang nicht gelungen. Schlimmer noch, es geht sogar abwärts. Die "Gunners" sind in der Premier League Achter mit acht Punkten Rückstand auf die Champions-League-Ränge. Seit sechs Pflichtspielen warten sie auf einen Sieg.

Die Klubführung hat noch Geduld mit Emery. Er sei “der richtige Mann für den Job”, teilten Fußball-Chef Raul Sanllehi und der geschäftsführende Direktor Vinai Venkatesham kürzlich mit. Englands Medien hält das nicht davon ab, fleißig über einen Ersatz für den Basken zu spekulieren. Neben dem einstigen Arsenal-Kapitän Mikel Arteta, der bei Manchester City als Assistent von Pep Guardiola das Trainerhandwerk lernt, wird unter anderem sogar Mauricio Pochettino genannt, der gerade erst bei Arsenals Erzfeind Tottenham freigestellt wurde. So weit ist es schon.

Konzept nicht erkennbar

Es war von Anfang an klar, dass Wengers Nachfolge eine schwere Aufgabe werden würde, doch die aktuellen Probleme lassen sich nicht auf die Hinterlassenschaft des mehr als 20 Jahre amtierenden Franzosen schieben. Es sind Emerys Probleme. Arsenal hat seit seiner Ankunft geschätzt mehr als 230 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Der Trainer kann sich also nicht über zu wenig Geld beklagen

Der Grund für die triste Lage ist, dass Emery offenkundig selbst nicht weiß, wie er seine Mannschaft spielen lassen will. Er nimmt immer wieder Wechsel vor, die schwer nachzuvollziehen sind. Von einem 4-2-3-1 zu Beginn der Saison stellte er auf ein 4-3-3, eine Mittelfeldraute und zuletzt auf eine Variante mit drei Innenverteidigern um. Angeblich ist sogar die Mannschaft von diesem Durcheinander verwirrt.

Abwehr ein dauernder Unsicherheitsfaktor

Erschwerend kommt hinzu, dass die Defensive um den Ex-Dortmunder Sokratis wie schon unter Wenger zu dramatischen Fehlern neigt. Die Verpflichtung von David Luiz vom FC Chelsea hat die Abwehr endgültig destabilisiert.

Emerys Führungsstil ist fragwürdig, das belegt der Umgang mit einigen Schlüsselspielern. Er ließ Granit Xhaka von der Mannschaft zum Kapitän wählen, entzog ihm das Mandat dann allerdings wieder, nachdem sich der Ex-Mönchengladbacher mit den Zuschauern angelegt hatte. Xhaka steht bei Arsenal vor dem Aus. Der neue Spielführer Pierre-Emerick Aubameyang ist wegen seiner Leistungen (acht Saisontore in der Premier League) eine logische Wahl, allerdings bestehen Zweifel, ob er sich als Charakter für das Amt eignet.

Und Özil?

Arsenals Mesut Özil im Spiel gegen Burnley

Mesut Özil

Und dann ist da noch die Personalie Mesut Özil: Arsenals bestbezahlter Profi wurde von Emery zu Saisonbeginn ohne Angabe von Gründen ignoriert. Mittlerweile spielt er wieder, allerdings ohne großen Ertrag.

Der Trainer merkt, dass der Druck auf seine Person steigt. Das Remis gegen Southampton bezeichnete er als verpasste Chance, eine Verbindung zu den Fans aufzubauen. In den vergangenen 18 Monaten ist das Publikum noch nicht mit Emery warm geworden – und es ist fraglich, wieviel Zeit noch bleibt, um diesen Zustand zu ändern. Sollten sich die Ergebnisse nicht verbessern, dürfte auch die Klubführung zu der Erkenntnis kommen, die gerade der "Guardian" formuliert hat: “Unai Emery und Arsenal können so nicht weitermachen.”

Stand: 27.11.2019, 09:00

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