DFB-Präsident: Kandidat Neuendorf und die Quereinstiege

Bernd Neuendorf im Portrait

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DFB-Präsident: Kandidat Neuendorf und die Quereinstiege

Von Marcus Bark

Bernd Neuendorf ist als Kandidat für das Amt des DFB-Präsidenten vorgeschlagen. In die Welt der Fußballfunktionäre stieg er quer ein, wie in die Politik. Mit einem seiner Vorgänger arbeitete er mal Tür an Tür.

Er hält es wie ein Trainer, der zunächst der Mannschaft mitteilt, wer spielt, bevor es die breite Öffentlichkeit erfährt. Dabei wäre es sofort sehr interessant zu erfahren, wie und vor allem mit welchen Inhalten Bernd Neuendorf den Wahlkampf für das Amt als Präsident betreiben wird, auf den es hinausläuft beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Vermutlich erstmals in der Geschichte des mehr als 120 Jahre alten Verbandes werden die Delegierten auf dem Bundestag des DFB am 11. März in Frankfurt am Main die Wahl zwischen mehreren Kandidaten haben. Vermutlich kommen sogar Kandidatinnen hinzu, aber die Initiative "Fußball kann mehr" und auch Ute Groth, die schon 2018 wollte, aber nicht nominiert wurde, haben sich noch nicht öffentlich zu einer Kandidatur bekannt.

Bernd Neuendorf wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Wahl stehen, auch wenn er sich selbst noch nicht bekannte. Er wurde allerdings am Montag (15.11.2021), genau wie Peter Peters, vom Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) als Kandidat vorgeschlagen.

Das Bekenntnis Neuendorfs wird für Montag (22.11.2021) erwartet. Dann treffen sich in Frankfurt am Main die Präsidenten der 21 Landesverbände des DFB mit Vertretern der Deutschen Fußball Liga. Bei diesem Gipfel dürfte Neuendorf dann etwas von seinem Programm, vielleicht auch etwas über seine Mitstreiter und Unterstützer bekannt geben.

Schwarz-Gelb nur im Fußball

Bernd Neuendorf ist einer der 21 Präsidenten eines Landesverbandes. Seit 2019 führt er den Verband Mittelrhein. Er sei dazu gekommen, weil es "irgendwie passte". Seinen aufwendigen Job war er zwei Jahre zuvor losgeworden.

Neuendorf war von 2012 bis 2017 Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Dann wechselte die Regierungskoalition von Rot-Grün zu Schwarz-Gelb.

Neuendorf ist im Herzen Schwarz-Gelb, das gilt allerdings nur für den Fußball. Etliche Spiele habe er auf dem alten Tivoli gesehen, mit seiner Alemannia aus Aachen gelitten und gejubelt.

Politisch aber ist der 1961 in Düren geborene Neuendorf ein Roter. Weder Willy Brandt noch Helmut Schmidt haben ihn zur SPD gebracht. "Ich bin ein Quereinsteiger", sagt er, "ich habe nicht die Tour über die Jusos gemacht."

Tür an Tür mit Grindel

Bernd Neuendorf machte die Tour über das Tulpenfeld in Bonn. So heißt ein Gebäudekomplex in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Dort waren auch die Bundespressekonferenz und die Büros der Korrespondenten angesiedelt.

"Auf einem Flur, Tür an Tür", so der ehemalige DFB-Präsident Reinhard Grindel zur Sportschau, habe er Anfang der 90er Jahre neben Neuendorf gearbeitet. "Wir haben uns verstanden."

Dabei hätten seine Auftraggeber, unter anderem das "Flensburger Tageblatt", in hartem Konkurrenzkampf zu denen von Neuendorf gestanden, in diesem Fall den "Kieler Nachrichten". Politisch waren sie zu den bewegten Zeiten nach der Wiedervereinigung auch nicht auf einer Wellenlänge. Grindel ist Christdemokrat, Neuendorf ein Sozialdemokrat, der nach eigener Aussage "ganz unverhofft" in die Politik gekommen sei.

Bis 1999 blieb er alledings in Bonn, dann wechselte er zur "Mitteldeutschen Zeitung" nach Halle in die Chefredaktion. Sein Netzwerk war in all den Jahren seit dem 1989 bei der Nachrichtenagentur Reuters begonnenen Volontariat groß geworden, wohl deshalb sei 2003 ein Anruf aus dem Willy-Brandt-Haus gekommen, der den Seitenwechsel einleitete.

Neuendorf wurde Sprecher des Parteivorstands der SPD in Berlin, ging 2004 zurück in den Westen und wurde Pressesprecher der nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten, später Landesgeschäftsführer der Partei in Düsseldorf, 2012 dann Staatssekretär.

Inhalte erst auf Deutschlandtour

Als Neuendorf nach seinem Studium der Neueren Geschichte, Politologie und Soziologie in Bonn und Oxford in den Beruf einstieg, hatte er seine aktive Zeit als Fußballer beim FC Grenzwacht Hürtgen ("Ich bin heute noch stolzes Mitglied.") schon hinter sich. Eine schwere Knieverletzung zwang ihn noch bei den Junioren zum Aufhören: "Aber ich habe mich für alles weiter interessiert."

Zunächst sei er in den 1970er Jahren "wie alle" begeistert von Borussia Mönchengladbach und der "Fohlenelf" gewesen, als er dann aber erstmals auf dem Aachener Tivoli gewesen sei, "war es um mich geschehen".

Bernd Neuendorf, verheiratet, zwei Kinder, gilt als Kandidat der Amateure. Sein Kontrahent Peters als Vertreter der Profis wurde ebenfalls vom FLVW vorgeschlagen.

Wie er über die sogenannte Einheit des Fußballs denkt, ob er tatsächlich von Rainer Koch, dem Peters abgeneigten anderen Interimspräsidenten des DFB, in die erste Reihe geschoben wurde, wie er zu einer möglichen Doppelspitze steht - zu all diesen Themen will sich Neuendorf derzeit noch nicht öffentlich äußern. Erst will er seine Pläne auf einer Deutschlandtour denen vorstellen, die ihn dann wählen sollen zum Nachfolger des Nachfolgers von Reinhard Grindel, dem Büronachbarn im Tulpenfeld.

Stand: 19.11.2021, 07:33

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