DFB-Machtkampf: Keller und Koch lehnen Rücktritt ab

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, wünscht sich eine Ende der Unruhe beim DFB.

Deutscher Fußball-Bund

DFB-Machtkampf: Keller und Koch lehnen Rücktritt ab

Der Deutsche Fußball-Bund kommt nicht zur Ruhe, denn die Führungsfiguren wollen den Weg für einen radikalen Umbruch an der Spitze weiter nicht freimachen. Das lähmt den Verband auf vielen Ebenen.

Karl-Heinz Rummenigge hat Partei für den angeschlagenen DFB-Präsidenten Fritz Keller ergriffen. Er sei überrascht, dass sich die Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes dafür ausgesprochen hätten, dass Keller mehr oder weniger aus dem Amt gejagt werden muss oder sollte.

"Keller ist ein ehrbarer Mensch"

"Ich muss offen und ehrlich sagen, ich verstehe das nicht", sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesliga-Rekordmeisters FC Bayern München am Samstag (08.05.2021) im ZDF-"Sportstudio". "Ich glaube, Fritz Keller ist ein ehrbarer Mensch. Und wenn man auch mal eine Entgleisung gemacht hat, heißt das noch lange nicht, dass man ihn in dieser Art und Weise behandeln sollte. Das wird ihm in keinster Art und Weise gerecht. Deshalb würde ich mir wünschen, dass man Fritz Keller irgendwie auch so behandelt, wie es sich für einen Präsidenten des DFB gehört", sagte der 65 Jahre alte Rummenigge.

Man müsse jetzt Ruhe in den DFB reinbringen, sagte Rummenigge mit Blick auf die Gesamtsituation beim größten Sportfachverband der Welt. "Man hat immer den Eindruck, es herrscht ein Hauen und Stechen. Und dieses Hauen und Stechen führt am Ende des Tages dazu, dass der DFB im Moment ein Image hat, das man ohne Übertreibung als katastrophal bezeichnen muss. Das wird diesem Verband nicht gerecht."

Koch nimmt Entschuldigung "entgegen"

Hat die Entschuldigung von Fritz Keller entgegengenommen: DFB-Vize Rainer Koch.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat die Entschuldigung von Verbandschef Fritz Keller nach dessen Vergleich mit einem berüchtigten Nazi-Richter entgegengenommen, angenommen hat er sie aber anscheinend nicht. "Das ist doch eine sehr persönliche Situation", sagte Koch im ZDF. Er habe sich überhaupt nicht zu dem Vorgang geäußert und ihn auch nicht angezeigt.

Der 62-Jährige war im April bei einer Präsidiumssitzung von Keller mit dem früheren Nazi-Richter Roland Freisler verglichen worden, was bei vielen für Empörung sorgte. Die DFB-Landeschefs entzogen Keller am vergangenen Sonntag das Vertrauen. Am Freitagabend wiederholten die Chefs der Regional- und Landesverbände des DFB ihren Rücktrittsaufruf an Keller und forderten den DFB-Vorstand zur Amtsenthebung des Präsidenten auf. Zuvor hatte Keller in seiner ersten offiziellen Stellungnahme nach dem Misstrauensvotum des Amateurlagers erneut um Verzeihung gebeten, war aber nicht zurückgetreten.

"Koch trotzig: "Ganz persönliche Betroffenheit"

Er sei seit 32 Jahren Berufsrichter, sagte Kellers Stellvertreter weiter, "und ich habe eine ganz persönliche Betroffenheit. Herr Freisler, Roland Freisler, war ein Blutrichter, Henker in Robe. Er hat viele Tausend Menschen in den Tod geführt", sagte Koch. "Und wenn eine solche Äußerung gegenüber jemand, der sein Leben lang dem Recht gewidmet hat, fällt, dann glaube ich, ist so eine Betroffenheit nachvollziehbar. Deswegen habe ich die Entschuldigung entgegengenommen, aber es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu befinden, wie das insgesamt mit Blick auf den DFB zu sehen ist", meinte Koch dazu.

Keller schaltet Anwalt ein

Keller hat derweil von seinem Recht Gebrauch gemacht, einen Anwalt einzuschalten. Das bestätigte Lorenz am Sonntag dem SID. "Der Präsident hat einen Anwalt bestellt", sagte Lorenz. Die eigentlich von der Keller-Seite bis zum Ende der Woche erwartete Einlassung zu dem Fall hat Lorenz allerdings nach eigenen Angaben noch nicht erhalten. Dennoch tendiert Lorenz mittlerweile dazu, das Thema nicht nur schriftlich zu behandeln, sondern eine mündliche Verhandlung anzusetzen. "Darauf läuft es hinaus", sagte Lorenz.

Bestechung, schwere Vorwürfe, Korruption: Gescheiterte DFB-Präsidenten Sportschau 06.05.2021 06:50 Min. Verfügbar bis 06.05.2022 Das Erste

dpa | Stand: 09.05.2021, 13:48

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