Die DFL und ihr Lobbyismus

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

Unterstützung des CDU-Parteitages

Die DFL und ihr Lobbyismus

Von Marcus Bark

Obwohl sie in ihrer Satzung politische Neutralität verspricht, unterstützt die Deutsche Fußball Liga ausgewählte Parteien - und begründet das unter anderem mit "politischer Neutralität". Über eine besondere Form des Lobbyismus.

"... aber letztlich muss das die Politik entscheiden." So oder so ähnlich gehört dieser Satz inzwischen zum Standardrepertoire von Fußballfunktionären. Der Profibetrieb ist wesentlich davon abhängig, dass trotz der Coronapandemie gespielt wird, auch ohne Zuschauer. So fließen die Millionen Euro aus der Vermarktung der Medienrechte, elementar wichtig für die Einnahmen der Fußballklubs.

"Mein Dank gilt an diesem Tag den politischen Entscheidungsträgern aus Bund und Ländern für ihr Vertrauen", ließ Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), am 6. Mai 2020 ausrichten. Es war der Tag, an dem "die Politik" "dem Fußball" gestattet hatte, unter dem von DFL und Deutschem Fußball-Bund (DFB) entwickelten Hygienekonzept auch während der Coronapandemie den seit Mitte März ausgesetzten Betrieb wieder aufzunehmen.

Auf dem Prüfstand

Seitdem wird gespielt, trotz steigender Infektionszahlen und verschärfter Einschränkungen für andere Wirtschaftszweige. Es deutet sich allerdings an, dass der Profifußball nun erneut auf den Prüfstand kommt. "Kinder dürfen nicht Fußball spielen, während man in der Bundesliga so weitermacht, als wäre nichts gewesen – auch mit der Mutation, die jetzt im Spiel ist", sagte der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans am Montag (18.01.2021).

Hans gehört der CDU an, die gerade erst den Spieß umgedreht und "dem Fußball" gedankt hatte. "Wir danken für die Unterstützung", schrieb die CDU auf der Homepage, mit der sie ihren Parteitag am Freitag (15.01.2021) und Samstag abbildete.

Unter den 30 Unterstützern findet sich, außer Unternehmen mit Milliardenumsätzen und etwa dem "Bund deutscher Baumschulen e.V.", auch die "DFL Deutsche Fußball Liga GmbH".

Engagement "auf Anfrage der Parteien"

Die Unterstützung der Christdemokraten sieht aus wie ein klarer Verstoß gegen die Satzung des Dachverbandes, in der es heißt: "Der DFL e.V. ist parteipolitisch und konfessionell neutral."

Auf Anfrage der Sportschau begründete die DFL ihr Engagement unter anderem mit eben jener Neutralität. Wörtlich heißt es: "Die DFL ist bereits seit 2015 bei Parteitagen vertreten, im Sinne der parteipolitischen Neutralität geschieht dies bei Parteitagen verschiedener demokratischer Parteien - in der Vergangenheit neben der CDU auch bei SPD und Grünen."

Ein solches Engagement erfolge "nicht auf Initiative der DFL", sondern "auf Anfrage der Parteien". Diese Darstellung bestätigen die Grünen: "Wir werben aktiv darum, Unternehmen, Verbände, Vereine und Initiativen zu überzeugen, sich am Rande unserer Parteitage oder anderen Veranstaltungen zu präsentieren."

Keine Unterstützung bei FDP, CSU, Die Linke und AfD

Abzüglich von CDU, Grünen und SPD bleiben vier im Bundestag und teilweise an Landesregierungen beteilige Parteien, die nicht von der DFL unterstützt wurden: FDP, Die Linke, CSU und AfD. Das entspricht Recherchen der Sportschau.

Eine Mail mit einem Fragenkatalog bezüglich einer möglichen Unterstützung durch den Profifußball beantwortete die FDP so: "Die DFL war bislang auf keinem Bundesparteitag der FDP als Aussteller oder Sponsor vertreten." Auch die CSU, die mit Markus Söder den Ministerpräsidenten Bayerns stellt, teilte mit, dass sie noch nie von der DFL gesponsert worden sei. Gleiches gilt für Die Linke und die AfD.

"Oder sie versucht, politisches Wohlwollen zu erkaufen"

Jörg Schindler, Bundesgeschäftsführer der Linken, teilte mit: "Spenden an Parteien sollten aus Sicht der Linken den Zweck haben, eine Partei aus politischer Überzeugung zu unterstützen. Eine Institution, die sich in ihrer Satzung politische Neutralität auferlegt hat, widerspricht mit einer Spende entweder ihrer Satzung, oder sie versucht, politisches Wohlwollen zu erkaufen. Beides ist abzulehnen."

Seifert: Rechnen mit zwei Milliarden Umsatzverlust Sportschau 07.12.2020 03:34 Min. Verfügbar bis 07.12.2021 Das Erste

Aus diesem Grund, so Schindler, nehme die Linke "grundsätzlich keine Spenden von Konzernen". Anders die FDP: "Grundsätzlich stehen wir Sponsoring offen gegenüber, solange dieses öffentlich transparent gemacht wird".

Viele Fragen ohne Antwort

Die DFL meidet diese Transparenz. Auf die Frage, wie die "Unterstützung" des CDU-Parteitages genau ausgesehen habe und nach welchen Kriterien der Verband generell die unterstützten Parteien aussucht, gab es keine Antwort.

Allgemein heißt es zur Unterstützung ausgewählter Parteien: "Vor allem in diesen politisch und gesellschaftlich oftmals polarisierten Zeiten sehen wir dies auch als Beitrag im Sinne der Stabilität unseres politischen Systems."

Stand für 8.400 Euro bei der SPD

Die SPD gehört zu den Parteien, die "Aussteller und Sponsoren" ihrer Parteitage mit dem entsprechenden Betrag veröffentlicht. Die DFL taucht dabei für den Bundesparteitag 2019 auf. Laut der Liste mietete der Verband für 8.400 Euro einen Stand an. Auf diesem sei "über drei Tage (…) im Rahmen einer Foto-Aktion für die Arbeit der DFL-Stiftung geworben" worden, teilte die SPD mit.

Die Stiftung wurde 2008 von DFL e.V. und DFL Gmbh gegründet, laut eigener Aussage mit dem Ziel, "Integration und Teilhabe, ein gesundes und aktives Aufwachsen sowie Erfolge im Spitzensport" zu fördern. Dafür bei einem Parteitag mit vielen Entscheidungsträgern werben zu wollen, ist nachzuvollziehen. Die DFL tat dies auch bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen 2016 in Münster. Für 2.475 Euro mietete sie - öffentlich einzusehen - neun Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Eher ein symbolischer Dank

Anders als die Konferenz der Grünen und der Parteitag der SPD 2019 war der gerade beendete Parteitag der CDU aber nun keine Präsenz-, sondern eine digitale Veranstaltung. "Netto 1.500 Euro", so die CDU, habe sie als "Unterstützung" von der DFL erhalten. Eher ein symbolischer Dank.

Stand: 18.01.2021, 19:00

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