Leipzigs Coach Jesse Marsch ist mit seinem Kader zufrieden.

Erste Runde im DFB-Pokal

Schonzeit vorbei - sieben neue Trainer im Pokal gefordert

Stand: 06.08.2021, 08:00 Uhr

Julian Nagelsmann muss durch den coronabedingten Spielausfall beim Bremer SV noch auf sein Pflichtspieldebüt bei den Bayern warten. Aber sieben seiner Kollegen stehen in der 1. Pokal-Hauptrunde gleich voll im Fokus. Die Sportschau checkt ihre Situation.

Von Christian Hornung

Jesse Marsch mit RB Leipzig

Was die Gerry-Ehrmann-Schule lange Zeit für die Torhüter war, soll mittlerweile die Red-Bull-Schule für Trainer sein. Ein Trio mit Salzburger Vergangenheit startet im Pokal in ihr neues Abenteuer. Marco Rose und Adi Hütter haben diesen Dauer-Power-Fußball, der dort gefordert und gelehrt wird, bereits in der Bundesliga bei ihren Ex-Klubs Gladbach und Frankfurt zelebriert, jetzt darf man sehr auf Jesse Marsch gespannt sein.

Der neue Leipziger Coach versprüht auf jeden Fall stets hervorragende Laune bei der Berufsausübung. Selbst der Knochenmühle Trainingslager (Leipzig war in Saalfelden) konnte er nur Positives abgewinnen: "Ein Trainingslager stärkt den Zusammenhalt, und man wird zur Einheit. Deshalb ist es meine Lieblingszeit während der Saisonvorbereitung." Bangen muss Marsch, der seinen ersten Pokalauftritt am Samstag (07.08.2021, 15.30 Uhr) beim SV Sandhausen hat, um seinen Leitwolf Marcel Sabitzer - für den interessieren sich angeblich die Bayern. Marsch sieht aber auch das positiv, er ernannte Sabitzer wieder zum Kapitän.

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Marco Rose mit Borussia Dortmund

Edin Terzic hätte es ihm auch einfacher machen können. Doch statt eine trostlose Truppe in der Europa League zu übergeben, wonach es zwischenzeitlich aussah, schaffte der volksnahe Ex-Trainer noch einen fulminanten Saisonendspurt mit der sicheren Quali für die Champions League und dem Gewinn des DFB-Pokals. Rose muss also nicht nur von Beginn an zeigen, dass er in der Lage ist, mit seinem neuen Verein tatsächlich um den Titel zu spielen - denn dieses Ziel von Rose hat sein Ex-Manager Max Eberl gerade in einem Podcast verraten. Aus Sicht vieler Fans ist Rose erstmal in der Beweispflicht zu zeigen, dass er der bessere Terzic ist.

Personell wird es ebenfalls spannend beim BVB. Jadon Sancho hat den Verein für 85 Millionen Euro in Richtung Manchester United verlassen, Julian Brandt und Thomas Meunier wurden positiv auf das Corona-Virus getestet, Mats Hummels, Raphael Guerreiro und Emre Can werden ebenfalls in Wiesbaden (Samstag, 20.45 Uhr) fehlen. Bei Neuzugang Donyell Malen, der für 30 Mio. Euro von der PSV Eindhoven kam, bremst Rose noch ein bisschen die Erwartungen: "Man hat schnell gesehen, was für ein hervorragender Fußballer er ist. Aber er hat noch ein bisschen Nachholbedarf, was die grundsätzliche Fitness betrifft."

Mark van Bommel mit dem VfL Wolfsburg

Er hat unter Trainergrößen wie Louis van Gaal, Felix Magath und Jupp Heynckes gespielt, aber Mark van Bommel sagt ganz klar: "Es waren sehr gute Trainer dabei. Aber mir hat auch manches nicht gut gefallen. Ich nehme die guten Sachen mit und kombiniere sie mit meiner eigenen Idee." In der Saisonvorbereitung hat er diese Idee seinen Schützlingen noch nicht abschließend vermittelt, so viel ist klar.

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Fünf Testspielpleiten gab es in Serie für den Champions-League-Starter, die Pokalpartie bei Regionalligist Preußen Münster (Samstag, 15.30 Uhr) wird sicher kein Selbstläufer. Van Bommel hat schon angekündigt, dass er gegenüber seinen Spielern sehr böse werden kann - wenn sie nicht 100 Prozent geben. Linksverteidiger Paulo Otavio kann das auf absehbare Zeit nicht betreffen. Er wird wegen einer Knieverletzung fehlen.

Oliver Glasner mit Eintracht Frankfurt

Als Lautsprecher ist Frankfurts neuer Trainer Glasner nicht bekannt, aber in Wolfsburg hat er blendende Arbeit geleistet. Und von dort hat er auch eine Erkenntnis mitgebracht, die ihm jetzt beim ersten Pokalauftritt bei Waldhof Mannheim am Sonntag (15.30 Uhr) helfen soll. Denn trotz des 2:1 der Eintracht gegen den französischen Rekordmeister AS St. Etienne und eines Treffers von André-Silva-Nachfolger Rafael Santos Borré zum Abschluss der Vorbereitung bleibt Glasner vorsichtig;: "Mit Wolfsburg habe ich auch mal den letzten Test gegen Nizza mit 8:1 gewonnen, und dann haben wir uns eine Woche später im DFB-Pokal gegen Halle sehr schwergetan."

Im Hessischen Rundfunk hat Glasner weitere interessante Einblicke in seine Arbeitsweise gegeben: Seine Spieler sollen aktiv an den Abläufen mitwirken, um taktische Feinheiten dann besser zu verstehen und umsetzen zu können. Der Coach: "Ich glaube, es fällt ihnen dann einfacher, das umzusetzen. Wir haben viele Videoanalysen, wo ich die Spieler auch viel frage. Das ist kein Monolog von mir und die Spieler schlafen in der letzten Reihe ein. Ich will, dass sie immer aufmerksam sind und sich damit auseinandersetzen."

Bayer Leverkusen mit Gerardo Seoane

Der neue Trainer von Bayer Leverkusen: Gerardo Seoane.

Der neue Trainer von Bayer Leverkusen: Gerardo Seoane

Von allen Trainerneulingen in der Bundesliga verspricht Gerardo Seoane die größte Spannung. Dass er letztlich in Leverkusen landete, war lange unklar: Auch in Mönchengladbach, in Wolfsburg und in Frankfurt wurde der Ex-Berner mit Schweizer und spanischem Pass gehandelt. Sein Management wurde in Sachen Bundesligatraum schon so langsam unruhig, ehe dann doch Bayer zuschlug. Da hatte sich Seoane aber auch sehr einprägsam beworben, indem er zuvor mit seinen Young Boys die Leverkusener aus der Europa League beförderte.

Seoane, der mit Bern in der Schweiz den Serienmeister FC Basel komplett abgehängt hatte, gilt als glänzender Taktiker, er steht für sehr anspruchsvollen Fußball und braucht sicher noch eine Zeitlang, um alle von seiner Idee zu überzeugen. Die Vorbereitung verlief für die Leverkusener holprig, zwei Tests fielen aus, gegen Utrecht (1:5) und Viktoria Köln (0:1) gab es Niederlagen. Für den Pokalauftakt am Samstag (15.30 Uhr) bei Lok Leipzig taugt das aber natürlich nicht als Ausrede für ein Team, das sich beispielsweise im Sturm zwischen einem Lucas Alario und EM-Star Patrick Schick entscheiden muss.

Adi Hütter und Borussia Mönchengladbach

Die höchste Ablöse, die Gladbach je für einen neuen Trainer gezahlt hat, nimmt Adi Hütter als Rucksack mit an seine neue Wirkungsstätte: 7,5 Mio. Euro übertrafen überraschenderweise auch die Summe (5 Mio. Euro), die die "Fohlen" ihrerseits für Marco Rose aus Dortmund überwiesen bekamen. Manager Max Eberl ist aber sehr überzeugt davon, dass Hütters Spielstil und die auf Offensive, Mut und Spektakel ausgerichtete Philosophie des Vereins optimal passen.

Hütter musste vor dem Auftakt in Kaiserslautern am Montag (20.45 Uhr, live in der Sportschau) aber mit einigen Widrigkeiten klarkommen: Zehn EM-Teilnehmer stießen erst sehr spät zur Mannschaft, Jonas Hofmann ist noch am Knie verletzt, auch für Alassane Plea, Denis Zakaria, Breel Embolo dürfte nach diversen Blessuren der Auftakt zu früh kommen. Hütter gibt zu: "Es gibt noch viele Schrauben, an denen wir drehen müssen."

Steffen Baumgart und der 1. FC Köln

Steffen Baumgart, Trainer des 1. FC Köln.

Steffen Baumgart, Trainer des 1. FC Köln, gibt gestenreich Anweisungen

Ein Trainer, der sein Herz auf der Zunge trägt und immer mit vollem Herzen bei der Arbeit ist. Und ein Verein und seine Anhängerschaft, bei denen sehr oft viel mehr über die Grundeinstellung "Unser Hätz schlät för dr FC Kölle" entschieden und definiert wird als über schnöde sportliche oder kaufmännische Parameter - müsste doch genial passen. Aber aus Sicht von Steffen Baumgart gibt es da noch das ein oder andere, was sich erst einspielen muss. Zuletzt ärgerte sich der neue Coach sogar über Applaus am Trainingsplatz. "Das fand ich nicht gut. Wir Trainer sind nicht dafür da, beklatscht zu werden, sondern um die Jungs auf Sachen aufmerksam zu machen." Den Beifall habe es zudem aus dem falschen Grund gegeben: "Die Leute klatschen, weil sie das Gefühl haben, ich trete den Jungs in den Arsch. Aber darum geht es nicht."

Nach einer niederlagenfreien Vorbereitung geht es Baumgart neben dem Pokalauftaktsieg am Sonntag bei Regionalligist Carl Zeiss Jena (15.30 Uhr) auch noch um die richtige Balance bei seinem Saisonziel: "Ich will nicht über Abstiegskampf reden, es geht um den größtmöglichen Erfolg", sagte Baumgart dem "Express". "Das hat nichts mit Mut zu tun, sondern damit, dass ich keine Ziele ausgebe, die nicht mit meinem Fußball übereinstimmen. Ich kann nicht sagen: Wir wollen gerade so die Liga halten, und gleichzeitig will ich, dass die Jungs auf Angriff gehen - das beißt sich."

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