Torunarigha stellt Strafanzeige - emotionale Worte des Hertha-Profis

Herthas Jordan Torunarigha

Nach dem Skandal beim Pokalspiel auf Schalke

Torunarigha stellt Strafanzeige - emotionale Worte des Hertha-Profis

Knapp zwei Tage nach dem Rassismus-Eklat hat sich Hertha-Profi Jordan Torunarigha mit deutlichen Worten gegen Diskriminierung zu Wort gemeldet. Er könne Äußerungen "von einigen Idioten" nicht verstehen, schrieb der frühere Junioren-Nationalspieler am Donnerstag (06.02.2020) in einem emotionalen Statement bei Instagram. Schalke 04 hat unterdessen erste Erkenntnisse zu der Tat.

"Man kann sich seine Hautfarbe bei der Geburt nicht aussuchen und sie sollte auch völlig egal sein. Genauso selbstverständlich wie unterschiedliche Hautfarbe, Religion oder Herkunft unter uns Sportlern in der Kabine ist, sollte es auch in unserer Gesellschaft sein!", schrieb Torunarigha.

Außerdem leitet Torunarigha rechtliche Schritte ein. Der Spieler stelle "mit Unterstützung des Vereins Strafanzeige gegen Unbekannt", teilte Hertha BSC am Freitag (07.02.20) auf Anfrage mit.

Polizei Gelsenkirchen ermittelt

Die Aufarbeitung des Vorwurfs der rassistischen Entgleisungen durch Zuschauer beim DFB-Pokal-Achtelfinale des FC Schalke 04 gegen Hertha BSC ist derweil in vollem Gange. Die Polizei Gelsenkirchen hat die Ermittlungen aufgenommen, die FIFA bekräftigt die Notwendigkeit zum Kampf gegen Diskriminierung, und Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies verspricht lückenlose Aufklärung. Dazu solidarisieren sich viele Profi-Kollegen mit dem 22 Jahre alten Torunarigha. 

"Wir haben von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen, nachdem Schalke-Fans unter anderem Affenlaute in Richtung Torunarighas gerufen haben sollen. Es gehe um den Anfangsverdacht der Beleidigung, sagte der Polizeisprecher. Eine Anzeige des Berliner Spielers liege nicht vor. Zuvor hatte der DFB-Kontrollausschuss eine Untersuchung eingeleitet.

"Alles schon in meiner Jugendzeit durchlebt"

Es ist nicht das erste Mal, dass Torunarigha Erfahrungen mit Rassismus macht. "Ich bin in Chemnitz geboren, habe das alles schon in der Jugendzeit durchlebt", schrieb er weiter. "Meine Eltern wurden beleidigt. Deshalb wühlt mich so eine Situation wie auf Schalke so auf und deshalb habe ich so emotional reagiert." Jordan Torunarighas Vater Ojokojo erzählte in der "Bild-Zeitung", er sei "bei einem Stadtfest durch die Stadt gejagt" worden. "Die Polizei half mir erst, als sie erkannten, dass ich ein Fußballprofi war", sagte der frühere Spieler des Chemnitzer FC. "Ich habe immer versucht, den Rassismus von meinen Kindern fernzuhalten."

"Rassismus tut unglaublich weh"

Sein Sohn müsse "seine Emotionen vielleicht manchmal besser in den Griff bekommen. Aber Rassismus tut unglaublich weh." Die FIFA unterstrich derweil, sie habe Mitgliedsverbände, Ligen und Klubs aufgefordert, "ein ähnliches Verfahren wie die FIFA und eine Null-Toleranz-Politik für alle Formen von Diskriminierung im Fußball anzuwenden und scharfe Sanktionen für jede Art solchen Verhaltens auszusprechen". Zum konkreten Fall äußerten sich die FIFA und die Europäische Fußball-Union UEFA zunächst nicht.

Ex-Profi Hans Sarpei antwortete auf die Frage, ob Schalke-Boss Tönnies mit seinen Aussagen über Afrikaner im Vorjahr ein schlechtes Vorbild gewesen sei, generell. "Es ist wie im Fußball: Wenn sich ein Spieler etwas erlaubt und der Trainer es duldet oder wegguckt, dann gibt es schnell Nachahmer-Effekte", sagte Sarpei. "Dem muss der Verein, dem muss unsere Gesellschaft vorbeugen."

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In den sozialen Netzwerken bekundeten weitere Profis Rückhalt für Torunarigha. "Wir stehen alle hinter dir Bruder!!! #notoracism", schrieb sein früherer Teamkollege Davie Selke, der inzwischen bei Werder Bremen spielt, bei Instagram. "Hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland 2020 möglich ist! Bin fassungslos!", schrieb Bayern Münchens Jérôme Boateng bei Twitter.

Schalke 04 hat erste Erkenntnisse

Erste Erkenntnisse zu der Tat sind laut Schalke 04 bereits gewonnen: "In einer Stellungnahme an den DFB-Kontrollausschuss hat Hertha BSC mitgeteilt, dass sich der Vorfall in der 84. Minute vor der Schalker Südkurve rund um den Block S5 ereignet hat", teilten die Gelsenkirchener am Donnerstagabend mit. "Der FC Schalke 04 wird dort Kamera- und Tonaufnahmen intensiv sichten."

Erneut richtete der Verein die Bitte an "alle Besucher, die das Spiel aus der Südkurve verfolgt und rassistische Aussagen und Laute vernommen haben, sich zu melden". Zudem baten die Schalker Torunarigha "aufrichtig und in aller Form" um Entschuldigung: "Der Verein verurteilt einen derartigen Vorfall und hofft, die feigen Täter werden ermittelt."

dpa/sid/red | Stand: 07.02.2020, 11:59

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