Bayern München zittert sich gegen Eintracht Frankfurt ins Pokal-Finale

Die Münchener bejubeln das 1:0 gegen Eintracht Frankfurt

FC Bayern München - Eintracht Frankfurt 2:1

Bayern München zittert sich gegen Eintracht Frankfurt ins Pokal-Finale

Von Christian Hornung

Nach einer brillanten ersten Halbzeit gegen Eintracht Frankfurt und einer wahren Zitterpartie nach dem Wechsel hat sich Bayern München erneut für das Pokalfinale qualifiziert. Gegner in Berlin ist Bayer Leverkusen.

Die Bayern mussten allerdings 94 Minuten lang um die Chance bangen, ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigen zu dürfen. Letztlich ging der 2:1 (1:0)-Erfolg aber aufgrund der Vielzahl an Torchancen in Ordnung - die erstzgeschwächte Eintracht ohne den gesperrten Filip Kostic wehrte sich aber bis in die Nachspielzeit bravourös.

"Pomadig" - harte Selbstkritik bei den Bayern

Thomas Müller analysierte die Partie nach dem Schlusspfiff am Sportschau-Mikrofon trotz des Erfolges sehr unzufrieden: "Wir waren pomadig, waren müde, waren unsauber, haben uns das Leben durch viele Ungenauigkeiten und fehlende Bewegung selbst schwer gemacht. Die Chancenverwertung war auch ein großes Problem. Wir sind im Endspiel, aber es war eins der pomadigsten Halbfinalspiele von uns, an das ich mich erinnern kann."

Bayern gegen Frankfurt - die Analyse Sportschau 10.06.2020 04:01 Min. Verfügbar bis 10.06.2021 Das Erste

Bayern-Trainer Hansi Flick nahm seine Mannschaft hingegen in Schutz und kritisierte stattdessen den Verband: "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, aber bei dem tollen Lauf, den wir haben, kann man so eine zweite Halbzeit auch mal hinnehmen. Man hat gemerkt, dass bei meiner Mannschaft die Müdigkeit kam. Ich habe immer gesagt, dass man beim DFB mal darüber nachdenken sollte, so ein Halbfinale wie auch das Finale erst nach der Bundesliga-Saison zu spielen - leider hat das beim DFB aber keinen interessiert."

"In den ersten Halbzeit nicht mutig genug"

Frankfurts Außenspieler Timothy Chandler gab zu: "Wir waren in der ersten Halbzeit nicht mutig genug, haben es erst nach dem Wechsel besser gemacht. Die Niederlage ist bitter, aber man kann trotzdem stolz auf unsere Mannschaft sein."

Hinteregger: "Tut so besonders weh"

Sportschau 10.06.2020 01:23 Min. Verfügbar bis 10.06.2021 ARD

Eintracht-Trainer Adi Hütter kommentierte das Ausscheiden so: "Wir mussten viel hinterherlaufen zu Beginn. In der zweiten Halbzeit haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht und verdient den Ausgleich erzielt. Wir haben durch ein Video-Schiedsrichter-Tor das Spiel verloren. Wir sind enttäuscht, aber wir können auch stolz sein, weil uns das viele nicht zugetraut hätten."

Kohr klärt Müller-Kopfball auf der Linie

Das erste Ausrufezeichen der Partie hatten die Bayern schon nach fünf Minuten gesetzt: Thomas Müller gewann nach einem Eckball das Luftduell gegen André Silva, hatte mit seinem Kopfball auch Kevin Trapp im Eintracht-Tor bereits überwunden - doch Dominik Kohr klärte auf der Linie.

Zwei Minuten später hatten die zwölf (!) Bayern-Verantwortlichen auf der ansonsten verwaisten Tribüne erneut den Torschrei auf den Lippen, doch Robert Lewandowski trat einen Meter vor dem Gehäuse nach einem perfekten Querpass von Müller für seine Verhältnisse ziemlich kläglich am Ball vorbei.

Perisic trifft, Coman vergibt

Seinen in dieser Szene bereits fälligen Assist holte sich Müller dann aber verdientermaßen in der 14. Minute: Erneut spielte er einen perfekt getimten Ball, diesmal stand Ivan Perisic im Zentrum frei - und der ließ sich per Kopf die Chance zum 1:0 nicht entgehen. Perisic war übrigens nur deshalb in die Startelf gerückt, weil sich Serge Gnabry im Training eine Rückenprellung zugezogen hatte - eine Schwächung des Teams war allerdings nicht festzustellen.

Von der Eintracht kam auch nach dem Rückstand mit ihren neun gelernten Defensivspielern offensiv nichts - es spielten nur die Bayern. Kingsley Coman hätte den Vorsprung in der 24. und 28. Minute jeweils ausbauen müssen, vergab aber beide Großchancen. Nach einer halben Stunde hatte dann erneut Lewandowski eine Gelegenheit, doch Trapp lenkte den Ball so gerade noch um den Pfosten. Die beste Nachricht für den Pokalsieger von 2018 lautete zur Pause: Sie liegen nur mit 0:1 in Rückstand.

Bayern-Dominanz plötzlich weg

Dass sie auf diese komplett passive Art und Weise ganz sicher das Finale am Fernseher mitverfolgen müssen, dürfte Trainer Adi Hütter seinen Profis in der Pause eindrucksvoll vermittelt haben. Und tatsächlich kippte das Geschehen komplett. Plötzlich ließen sich die Gastgeber hinten reindrängen, hatten deutlich weniger Ballbesitz, verloren die Kontrolle im Mittelfeld. Die Eintracht wurde von Minute zu Minute mutiger, ohne allerdings zunächst Torgefahr zu verbreiten.

Das änderte sich erst nach Hütters Doppelwechsel in der 66. Minute, als er Daichi Kamada und Danny da Costa brachte. Drei Minuten später legte Kamada auf und da Costa vollendete aus vollem Lauf zum 1:1 ins linke Eck - das Spiel war wieder offen.

Videobeweis hilft Lewandowski

Und die Bayern waren wieder wach. Als die Eintracht beflügelt vom Ausgleich einen Moment lang zu offen agierte, setzte die Mannschaft von Hansi Flick eine Viertelstunde vor Schluss den eiskalten Konter: Alphonso Davies bediente im Zentrum Joshua Kimmich, der die Kugel auf Lewandowski weiterspitzelte - der 30-Tore-Mann aus der Bundesliga vollendete zum 2:1.

Schiedsrichter Marco Fritz gab den Treffer zunächst wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung von Davies nicht, musste sich aber von Bibiana Steinhaus am Videokontrollschirm korrigieren lassen - es war nicht mal gleiche Höhe. Danach warf die Eintracht zwar nochnal alles nach vorn, wurde aber nicht mehr wirklich torgefährlich - das Pokalfinale am 4. Juli in Berlin bestreiten deshalb erneut Bayern München und Bayer Leverkusen, das sich tags zuvor bei Viertligist FC Saarbrücken durchgesetzt hatte.

Bayern jetzt gegen Gladbach

Für die Bayern geht es in der Bundesliga am Samstagabend (13.06.20) im Topspiel gegen Borussia Mönchengladbach weiter. Die Eintracht ist drei Stunden zuvor bei der Berliner Hertha gefordert.

Statistik

Fußball · DFB-Pokal 2019/2020

Mittwoch, 10.06.2020 | 20.45 Uhr

Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Pavard, Boateng, Alaba, Davies – Kimmich, Goretzka (86. Javi Martinez) – Coman (61. Thiago), Müller, Perisic (61. Lucas Hernández) – Lewandowski

2
Wappen Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt

Trapp – Abraham, Hinteregger, N´Dicka – Ilsanker (77. Torró) – Touré (66. da Costa), Kohr (77. Dost), Rode, Chandler – Gacinovic (66. Kamada) – A. Silva

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Perisic (14.)
  • 1:1 da Costa (69.)
  • 2:1 Lewandowski (74.)

Strafen:

  • gelbe Karte Perisic (1 )
  • gelbe Karte A. Silva (1 )
  • gelbe Karte Hinteregger (3 )
  • gelbe Karte Lucas Hernández (1 )

Schiedsrichter:

  • Marco Fritz (Korb)

Vorkommnisse:

  • Das Spiel fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Tor von Lewandowski (Bayern) gegeben nach Videobeweis (74.).

Stand der Statistik: Mittwoch, 10.06.2020, 22:40 Uhr

Stand: 10.06.2020, 23:10

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