Essen jubelt, doch die 3. Liga bleibt das Ziel

Jubel bei Rot-Weiss Essen

Pokalsieg gegen Fortuna Düsseldorf

Essen jubelt, doch die 3. Liga bleibt das Ziel

Klar: Rot-Weiss Essen freut sich sehr über den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Doch der Wettbewerb ist für den Traditionsklub nur ein "Bonbon". Über allem steht die anvisierte Rückkehr in den Profifußball.

Die weihnachtliche Bescherung gab es für Rot-Weiss Essen in diesem Jahr schon einen Tag früher. Mit einem überraschenden 3:2-Sieg gegen Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf ist der Regionalligist ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. RWE steht zum ersten Mal seit zwölf Jahren in der Runde der letzten 16 Teams.

Der Derby-Sieg gegen die Fortuna war eine Art Sahnehäubchen. Der Traditionsklub aus dem Revier ist in dieser Saison noch ohne eine einzige Niederlage. Der in 20 Ligaspielen noch ungeschlagene Tabellenführer der Regionalliga West hatte in der ersten Pokalrunde bereits den Bundesligisten Arminia Bielefeld ausgeschaltet (1:0). Nun hofft RWE wieder auf ein machbares Los. "Am liebsten jemand, den man auch schlagen kann", sagte Stürmer Simon Engelmann.

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13 Jahre ohne Profifußball

Doch der Pokal ist nur ein "Bonbon" für die Essener, wie Trainer Christian Neidhardt sagt. Über allem steht der anvisierte Aufstieg in Liga drei. Satte sechs Punkte beträgt der Vorsprung in der Tabelle auf die Reserve von Borussia Dortmund. "Nach 13 Jahren ist die Sehnsucht auf die 3. Liga schon sehr groß. Mit dieser Aufgabe identifizieren sich hier alle im Verein", sagte der Vorstandsvorsitzende Marcus Uhlig schon vor Saisonbeginn.

Wehmütig erinnern sich die RWE-Fans an das Jahr 1955 und den Gewinn der einzigen deutschen Meisterschaft. 1953 wurde RWE Pokalsieger. Bundesliga gibt's seit 43 Jahren nicht mehr bei RWE, 2. Liga ist schon 13 Jahre her.

Rot-Weiss Essen gegen Fortuna Düsseldorf - die Highlights Sportschau 23.12.2020 03:14 Min. Verfügbar bis 23.12.2021 Das Erste

Röber: "Essen ist dritte Kraft im Pott"

Doch Essen, das ist immer noch ein großer Klub - und es ist Kult. Die Liste der Spieler, die an der Hafenstraße aufliefen, ist lang. Mario Basler spielte dort, Manfred Burgsmüller, Horst Hrubesch, Frank Mill und Mesut Özil, Otto Rehhagel und natürlich Helmut Rahn, der deutsche Siegtorschütze bei der Weltmeisterschaft 1954 gegen Ungarn.

Und auch Jürgen Röber. Für ihn ist ganz klar, wo Rot-Weiss Essen hingehört. "In die Bundesliga!", sagte der 66-Jährige der Zeitung "Reviersport". Hinter Borussia Dortmund und Schalke 04 sei Essen immer noch die dritte Kraft im Pott - trotz Regionalliga.

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"Die richtigen Leute am Werk"

Mit der es bald vorbei sein soll. "Ich freue mich darüber. Man sieht einfach, was möglich ist, wenn die richtigen Leute am Werk sind", sagte Röber. Er kenne Vorstand Marcus Uhlig ein bisschen und wisse, dass er ein fähiger Mann sei. "Der Trainer, die sportliche Leitung, die Mannschaft: Aktuell leisten in Essen alle gute Arbeit. Aber was zählt, ist das Ende der Saison. Und da hoffe ich natürlich, dass RWE endlich hochkommt", betonte Röber, der von 1986 bis 1993 als Spieler und Trainer bei den Essenern war und 2007 von den Fans sogar zum Jahrhunderttrainer gewählt wurde.

Für Röber hat der Verein "ein unfassbares Potenzial". Am Ausschöpfen dieses Potenzials haperte es aber lange. 2010 ging es sogar in die Insolvenz. An den Rahmenbedingungen liegt es an der Hafenstraße aber nicht. Der schmucke Neubau des altehrwürdigen Georg-Melches-Stadions ist mit einer Kapazität von 20.650 Zuschauern mindestens zweitligareif. Die Fans sind es ebenso. Selbst in schwersten Zeiten strömten weiterhin mehrere Tausend Zuschauer in die Arena, um ihre Rot-Weissen zu sehen. Nach dem Sieg gegen Düsseldorf trafen sich vor dem Stadion etwa 150 bis 200 Personen zu einem spontanen Feuerwerk - coronakonform, wie die Polizei Essen erklärte.

Mill: "Auf einem guten Weg"

"RWE ist endlich mal auf einem guten Weg. Sie haben ja über Jahre und Jahrzehnte so viele falsche Entscheidungen getroffen. Jetzt haben sie einen vernünftigen Trainer, da kann sich was entwickeln", sagte auch Frank Mill im "Kicker". Der ehemalige Nationalspieler ist in Essen geboren.

Pokal-Prämie immens wichtig

RWE leidet derzeit besonders unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Dem Klub brechen die Zuschauer-Einnahmen weg. Mit pfiffigen Ideen wie dem Verkauf von virtuellen Tickets und Bratwürsten sowie einer hohen Verzichtsquote bei der Ticketrückerstattung konnte RWE sich über die Zeit retten. Der Sieg gegen Fortuna war auch aus finanzieller Sicht immens wichtig. Für den Einzug ins Achtelfinale gibt es 700.000 Euro.

vdv/sid/dpa | Stand: 24.12.2020, 10:33

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