Lukas Hradecky - das andere Abschiedsspiel

Lukas Hradecky

DFB-Pokalfinale - Eintracht Frankfurt gegen Bayern München

Lukas Hradecky - das andere Abschiedsspiel

Von Frank Hellmann (Frankfurt)

Lukas Hradecky steht seit drei Jahren bei Eintracht Frankfurt zwischen den Pfosten. Der finnische Nationaltorwart mit slowakischen Wurzeln hätte bei den Hessen zur Galionsfigur werden können. Das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern wird nun sein letzter Auftritt.

Lukas Hradecky nimmt den Fußball nicht wichtiger als er ist. "Catching some balls“ hat der Torwart sein Instagram-Profil überschrieben. Und als Profilbild ein Foto ausgewählt, das den 28-Jährigen in Business-Outfit mit einem Rotweinglas in der Hand zeigt. Sieht lässig aus. Könnte aber auch von jedem Banker aus Frankfurt statt einem Berufsfußballer der Eintracht stammen.

Aber macht ihn das nicht auch sympathisch? Der Schlussmann hat sich in seinen drei Jahren nicht nur bestens in der multikulturellen Mainmetropole eingelebt, er hat auch Duftmarken gesetzt, die über das Spielfeld hinausgehen. Als integrativ wirkender Profi, der sein Herz auf der Zunge trägt. Einer, der seine Meinung sagt - direkt und ungeschminkt.

Hohe Forderungen des Beraters

Das DFB-Pokalfinale zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern (Samstag, 19.05.2018, 20 Uhr/live im Ersten und bei sportschau.de) wird durch die Personalie Niko Kovac, den künftigen Bayern-Trainer, überwölbt. Aber im Berliner Olympiastadion steht auf großer Bühne auch der Abschied des finnischen Nationaltorwarts an: Es ist nicht nur die letzte Chance für die Hessen auf einen Europokalplatz, sondern auch der letzte Auftritt des Sympathieträgers im Adlertrikot.

"Es ist immer schwer, etwas Bekanntes zu verlassen, aber ich finde auch, es ist Zeit zu gehen. Es macht mich stolz, dass ich zum Abschied noch etwas Großartiges erreichen kann", richtete Hradecky aus. Die "Spinne", so sein Spitzname, verlässt die Eintracht, weil sich sein als Berater fungierender Vater Vladimir mit der Frankfurter Führung nicht auf eine Vertragsverlängerung hat einigen können.

Lukas Hradecky

Lukas Hradecky

Es gab etliche Verhandlungsrunden, und es heißt, der Senior habe vier Millionen Euro Jahresgehalt, später noch ein bisschen mehr, gefordert - inklusive Boni für gehaltene Elfmeter und andere Extras. Irgendwann zog Sportvorstand Fredi Bobic die Reißleine.

Der Däne Frederik Rönnow beerbt ihn zum dritten Male

Es ist seit mehr als einem halben Jahr klar, dass Hradecky ablösefrei den Verein verlassen wird. So lange hat die Eintracht auch schon Einigkeit mit Frederik Ronnöw hergestellt, der bislang sechsmal für die dänische Nationalmannschaft zum Einsatz kam. Dass der 25-jährige Torhüter von Bröndby Kopenhagen auf Hradecky folgt, ist deshalb eine ulkige Episode, weil das nicht zum ersten Mal passiert.

2013 hatte der Däne den Finnen bei Esbjerg FB beerbt, zwei Jahre später wechselte er zu Bröndby, wo er erneut in Hradeckys Fußstapfen trat, nachdem dieser für 2,5 Millionen Euro zur Eintracht gewechselt war. Nun zahlt Frankfurt angeblich drei Millionen für Hradeckys Dauernachfolger, der ihm auch im Spielstil - vor allem wegen der Stärke in Eins-gegen-Eins-Situationen - ähneln soll.

Aussetzer gab es nur wenige

Auf Hradecky war immer Verlass: In 102 Bundesligaspielen fehlte er nur ein einziges Mal wegen einer törichten Roten Karte in Leipzig: Handspiel außerhalb des Strafraums. Aussetzer leistete er sich ansosten nur wenige, aber einer hinterließ Spuren: Sein kurioser Fehlgriff am Ostersonntag bei Werder Bremen (1:2) kostete einen wertvollen Punkt und warf den Charakterkopf kurzzeitig aus der Bahn.  "Ich war etwas verunsichert“, räumte er ein.

Selbstredend meisterte der selbstbewusste Tormann auch diese Mini-Krise. Dass die Eintracht das zweite Pokalfinale in Folge erreicht hat, ist vor allem sein Verdienst. In der Vorsaison betätigte er sich als Elfmeterkiller, diesmal waren es fabelhafte Paraden in Heidenheim oder im Halbfinale "auf Schalke". Dann trinkt er ganz besonders gerne in der Kabine mit seinem Kumpel und Torwartkollegen Jan Zimmermann ein Flaschenbier.

Nachfolger von Leno in Leverkusen?

Der weltoffene, fast immer freundliche Hradecky wird Eintracht Frankfurt als verlässlicher Torwart und besonderer Typ fehlen. Aber wohl nicht der Bundesliga. Wie es heißt wird er Bernd Leno beerben, sofern dieser sich seinen Wechselwunsch erfüllt.

Bei Bayer Leverkusen können sie sich auf einen lebenslustigen Darsteller freuen, der Bier als sein Lieblingsgetränk angibt. Und auch kein Problem hat, sich damit ablichten zu lassen. Am liebsten wäre es ihm allerdings, wenn der Gerstensaft in Strömen fließen würde, weil er entscheidend mitgeholfen hat, den ruhmreichen FC Bayern zu besiegen. Das wäre ein "ein traumhafter Abschluss nach drei tollen Jahren".

Stand: 18.05.2018, 08:00

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