Leverkusens Top-Talente fordern die Bayern heraus

Leverkusens Trainer Heiko Herrlich und Julian Brandt

DFB-Pokal-Halbfinale

Leverkusens Top-Talente fordern die Bayern heraus

Von Jörg Strohschein

Bayer 04 Leverkusen empfängt im Halbfinale des DFB-Pokals den FC Bayern. Die junge Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich glaubt an eine kleine Chance gegen die schier übermächtigen Münchner.

Es scheint, als hätte sich die Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen gerade zur rechten Zeit in Topform gespielt. Am Dienstagabend (17.04.2018, im Ersten und im Livestream bei sportschau.de) steht schließlich das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den aktuellen Deutschen Meister FC Bayern an. Und die beste körperliche und mentale Verfassung ist zwingend notwendig, um die Münchner in Bedrängnis bringen zu können.

Dabei sind nicht allein die beiden deutlichen Leverkusener Siege die Merkmale für den Aufschwung der Werkself. Vor allem ist es die Art und Weise, mit der die Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich die Champions-League-Konkurrenten aus Leipzig und Frankfurt zuletzt in die Schranken verwiesen hat. In jeweils der zweiten Halbzeit drehten die Offensivspieler der Werkself derart auf, dass die Gegner völlig überfordert wirkten.

Allen voran zeigten sich Julian Brandt und Kai Havertz von ihrer besten Seite. Dabei ist Brandt erst 21 Jahre alt und Havertz gerade einmal 18 Jahre. Dass Havertz gegen Frankfurt bereits sein 50. Bundesligaspiel absolviert hat, zeigt, über welch ungewöhnlichen Spieler die Rheinländer verfügen. "Meiner Meinung nach ist er das größte Talent, dass wir in Deutschland haben. Es ist teilweise grandios, was er leistet", sagt Brandt über seinen jungen Offensiv-Kollegen.

Herrlich setzt auf junge Spieler

Allerdings hat auch Brandt zuletzt viele Argumente dafür geliefert, dass Bundestrainer Joachim Löw ihn kaum bei der Nominierung für den WM-Kader übersehen kann. Mit Jonathan Tah (22) verfügen die Leverkusener über einen weiteren jungen deutschen Innenverteidiger, der bereits zu den besten Spielern hierzulande gezählt werden kann. "Ich weiß nicht, welcher Trainer es verhindern kann, dass er dauerhaft A-Nationalspieler wird", sagt Herrlich.

Mit Panagiotis Retsos (19), Benjamin Henrichs (21), Tin Jedvaj (22) setzt Herrlich vor allem auf die jungen Spieler und behält dies auch bei, wenn sein Team Rückschläge zu verkraften hat. "Diese jungen Spieler sind noch Schwankungen unterworfen. Das hat sich dieses Jahr oft bei uns gezeigt", gibt Herrlich zu Bedenken.

Es ist eine der Stärken des 46 Jahre alten Fußballlehrers, der seine Herangehensweise nicht gleich durch negative Ausschläge der Talente über den Haufen wirft, sondern den Nachwuchskräften das Vertrauen schenkt, auch wenn es mal nicht rund läuft. Diese Verlässlichkeit ihres Trainers zahlen die jungen Spieler gerade zurück.

Heynckes lobt Leverkusen

Wie inkonstant die Leverkusener derzeit aber noch agieren, zeigt der Umstand, dass ihnen in dieser Saison noch nicht drei Spiele in Folge gelungen sind. Herrlich versucht derweil, zwischen der nötigen Gelassenheit und der Forderung nach dauerhaft hochwertiger Leistung sensibel abzuwägen. Dass Angreifer Kevin Volland nach seinem Hattrick gegen Frankfurt sein Leistungsloch ebenfalls überwunden zu haben scheint, dürfte die Leverkusener noch zuversichtlicher stimmen.

Herrlich selbst hat erlebt, wie es ist, in Berlin im Finale zu stehen und den Pokal in den Händen zu halten. 1993 gewann er den Wettbewerb mit Bayer 04, 1995 mit Borussia Mönchengladbach. "So ein Endspiel ist etwas ganz Besonderes. Wie das ist, das müssen sie (die Spieler; Anmerk. d. Red.) selber erleben", sagt Herrlich. Dazu sollen sie am Dienstagabend die Voraussetzungen mit einem Sieg gegen die Bayern die Voraussetzungen schaffen.

Stand: 17.04.2018, 08:35

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