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Fußball | DFB-Pokal

RB Leipzig gegen Hansa Rostock - Ostduell mit Folgen

Stand: 17.01.2022, 09:33 Uhr

Im DFB-Pokal-Achtelfinale treffen RB Leipzig und Hansa Rostock zum dritten Mal überhaupt aufeinander. Das erste Aufeinandertreffen 2013 hat viele Jahre danach noch Folgen für Gästefans in Leipzig.

Von Erik Rönicke

Ende November 2013 kommt es im Leipziger Zentralstadion zum ersten Aufeinandertreffen zweier ganz unterschiedlicher Fußballvereine: Am 17. Spieltag der 3. Liga empfängt RB Leipzig den FC Hansa Rostock.

Sponsorenklub gegen Traditionsverein

RB Leipzig ist zum damaligen Zeitpunkt noch nicht allen Menschen in Fußball-Deutschland ein Begriff. Erst etwa vier Jahre zuvor hatte der Verein in der Oberliga Nordost sein erstes Spiel unter diesem Namen bestritten. Großsponsor Red Bull hatte sich zuvor beim Amateurklub SSV Markranstädt eingekauft und das Startrecht seiner Oberliga-Mannschaft übernommen. Fortan lief das Team unter dem heutigen Namen "RasenBallsport Leipzig" auf.

An der Vorgehensweise der Leipziger gibt es bis heute Kritik. Der Vorwurf: Red Bull habe über den Einstieg bei den Markranstädtern eine Abkürzung in den deutschen Profifußball genommen. Ohne das Sponsoring des österreichischen Getränkekonzerns sei der Klub nicht überlebensfähig.

Duell mit Vorgeschichte: Leipzig gegen Rostock

Sportschau 17.01.2022 00:39 Min. Verfügbar bis 17.01.2023 Das Erste

FC Hansa als Gegenentwurf zu Leipzig

Viele Anhänger der "Kogge" aus Rostock sehen ihren Traditionsverein nach seiner Gründung im Jahr 1965 auch als Gegenentwurf zum Leipziger Modell.

Vor dem Spiel gegen Hansa standen die Leipziger, die zwei Aufstiege in Folge feierten, auf dem zweiten Tabellenplatz der 3. Liga. Für den FC Hansa war es nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga die zweite drittklassige Saison in Folge. Die Saison der Rostocker lief mäßig: Tabellenplatz zehn.

Bei der Polizei machte man sich im Vorfeld der Partie auf einen arbeitsintensiven Spieltag gefasst. Die Partie wurde als "Hochrisikospiel" eingestuft. Die Ultras von Hansa Rostock hatten dazu aufgerufen, nach Leipzig zu fahren und dort einen Treffpunkt für alle Fans bestimmt.

Fanmarsch, Pyrotechnik, Gesänge und Plakate

Dem Aufruf folgten mehrere Tausend Fans. Schon auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion wurden Böller und Pyrotechnik gezündet. Verschiedene Medien berichteten über verletzte Polizisten und Versuche der Rostocker Gäste, den Eingang zum Zentralstadion ohne Einlasskontrolle zu stürmen.

Im Stadion selbst blieb der Gästeblock in den ersten Spielminuten leer - aus Protest gegen RB. Dann stürmten alle Fans gleichzeitig hinein und starteten ihre Gesänge. Über die gesamte Partie hinweg brachten die Hanseaten ihre Ablehnung gegenüber dem Leipziger Projekt zum Ausdruck. An der Bande zum Oberrang hing ein Plakat mit der Aufschrift: "Scheiss Bullen".

Leipzig verliert überraschend das Spiel

Aufregung gab es aber nicht nur auf der Tribüne. Schon nach wenigen Minuten verletzte sich Leipzigs Stammtorwart Fabio Coltorti beim Versuch, eine Ecke zu verhindern. Ersatztorhüter Erik Domaschke verschuldete anschließend das 0:1 durch Rostocks David Blacha. Am Ende gewannen die Rostocker mit 2:1.

Rein sportlich blieb der Rostocker Sieg in Leipzig ohne große Nachwirkung. RB stieg am Ende der Saison auf, die Rostocker beendeten die Spielzeit auf Tabellenplatz 13.

Strenge Regeln für Fan-Banner in Leipzig

Aber das Spiel blieb nicht ohne Folgen. Bei RB gibt es heute einen strengen Umgang mit Bannern von Fans. Das führte auch nach dem Gastspiel der Rostocker immer wieder zu Konflikten. Anhänger von Mainz 05 berichteten 2019 etwa, man habe ein Banner mit der Aufschrift "Videobeweis abschaffen" nicht mit in die Arena nehmen dürfen. Und nach dem Gastspiel von Borussia Mönchengladbach im Dezember 2018 beschwerte sich die Fanszene der Borussia, zwei kritische Banner zum Protest gegen Montagsspiele hätten nicht mit ins Stadion gebracht werden dürfen. RB Leipzig dementierte später via Twitter, man habe den Inhalt der Plakate vorher nicht angemeldet.

In der Stadionordnung der Leipziger heißt es dazu: Banner dürfen nur nach vorheriger Anmeldung mit ins Stadion gebracht werden. Beleidigungen, diskriminierende und gewaltverherrlichende Inhalte, Aufrufe zu Straftaten und "politische, unangemessene, religiöse oder andere, nicht mit der Veranstaltung inhaltlich zusammenhängende Äußerungen" seien jedoch nicht gestattet. Außerdem seien beleidigende Schriftzüge gegen die Polizei verboten.

Gästekurve der Fans von Borussia Mönchengladbach beim Auswärtsspiel in Leipzig

Mit Ponchos verbreiteten die Borussia-Fans ihre beleidigende Botschaft.

Für Aufsehen sorgten 2017 Fans von Borussia Mönchengladbach. Im Leipziger Gästeblock positionierten sich Fans in schwarzen und weißen Ponchos so, dass am Ende im Block die Aufschrift "Scheiss RB" zu lesen war.

Heimspiel von RB vor 1.000 Fans

Nun kommt es im DFB-Pokal zum nächsten Aufeinandertreffen beider Teams - allerdings werden keine 23.500 Fans im Leipziger Zentralstadion dabei sein wie noch 2013. Die aktuelle Corona-Notfallverordnung in Sachsen lässt maximal 1.000 Zuschauer im Stadion zu.

Bei RB Leipzig ist man enttäuscht, dass nur wenige Fans kommen können: "Eine Kapazitätsbegrenzung auf 1.000 Zuschauer angesichts einer Stadiongröße von über 47.000 Zuschauern hilft (...) keinem weiter", sagt RB-Direktor Ulrich Wolter zu den aktuellen Corona-Regeln. Auswärtsfans aus Rostock sind bei der Partie nicht zugelassen.

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