Was für und gegen ein Heimrecht für Zweitligisten spricht

Der DFB-Pokal vor den halbleeren Rängen der Allianz Arena

Heidenheims Frust über das Bayern-Los

Was für und gegen ein Heimrecht für Zweitligisten spricht

Von Chaled Nahar

Der 1. FC Heidenheim muss als Zweitligst im Viertelfinale des DFB-Pokals bei den Bayern antreten. Und wie so oft in der Vergangenheit stellt sich die Frage: Warum darf der FCH nicht automatisch zu Hause spielen?

Als die Auslosung stand, hatte einer das Traumlos - aber nur was den Gegner angeht. "Ich hab die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen", sagte Rainer Domberg in der Sportschau nach der Auslosung des Viertelfinales des DFB-Pokals in der Sportschau. "Die Bayern sind natürlich immer der Wunschgegner. Aber natürlich nicht in München, sondern in Heidenheim wär's ein super Fußballfest gewesen." Domberg ist Beiratschef des Zweitligisten 1. FC Heidenheim, der sich nun auswärts beim FC Bayern München behaupten muss.

Eine Frage, die sich in den vergangenen Jahren öfter gestellt hat, wird wieder aktuell: Warum haben unterklassige Gegner wie Heidenheim gegen die Bayern nicht automatisch Heimrecht, wie es derzeit nur für Amateurvereine gilt?

Spannung steigt, Traumreisen fallen aus

Die Forderung, Zweitligisten in Spielen gegen Bundesligisten ein automatisches Heimrecht zu geben, kam in den vergangenen Jahren immer wieder auf. Und es gibt gute Argumente dafür: Das Stadion des Bundesligisten bleibt an manchen Standorten gegen vermeintlich unattraktive Gegner halbleer und auswärts ist die Chance für den Zweitligisten noch kleiner. Für die stärkeren Erstligisten ist der Pokal in den ersten Runden ein oft lästiger Termin, ein Heimspiel gegen Heidenheim, Fürth oder Sandhausen lässt sich bei den Fans oft schlecht verkaufen.

Das muss natürlich nicht immer gelten, Partien wie beispielsweise Borussia Dortmund gegen Union Berlin sind stimmungsvoll wie spannend gewesen. Für viele Spieler des "kleineren" Klubs erfüllt sich zudem ein Traum, in einem Stadion zu spielen, in dem ansonsten die Champions League ausgetragen wird. Man kann auch zu Recht die Frage stellen, ob man zum Beispiel den Hamburger SV oder den 1. FC Köln bei einem Los wie SC Freiburg oder FC Augsburg wirklich mit einem Heimspiel bevorteilen sollte. Aber: Der Spannungsbogen ist bei einem Heimspiel für den Zweitligsten grundsätzlich ein anderer.

Das Heimrecht für Amateurvereine wurde 1990 kritisiert

Bedenken gab es auch bei einer anderen Maßnahme: Das Heimrecht für Amateure wurde es erst zur Saison 1990/91 eingeführt. Damals wurden alle Mannschaften unterhalb der 2. Liga erstmals in einen Lostopf gelegt, die Klubs der beiden Bundesligen in einen anderen. Kritiker fürchteten, dass die Profis nach der 1. Runde schnell unter sich sein würden.

Doch gleich im ersten Jahr lieferte der neue Modus zwei absolute Legenden, als die Bayern beim FV Weinheim scheiterten und Borussia Dortmund bei der damals viertklassigen SpVgg Fürth ausschied. Heute würde die Regel wohl kaum jemand mehr in Frage stellen und den SV Rödinghausen nach München in ein Auswärtsspiel schicken.

Lautern forderte schon 2014 das Heimrecht für Zweitligisten

Die Konstellation des Heimspiels für die "Kleinen" hat dem DFB-Pokal unvergessliche Momente gebracht. Die Chance des Außenseiters ist das Markenzeichen des Wettbewerbs. Spiele zum Vergessen waren aber häufig die Auswärtspartien der Zweitligisten. 2014 besiegte der 1. FC Kaiserslautern im Viertelfinale überraschend Bayer Leverkusen. Am Abend folgte der Stimmungskiller - das nächste Los hieß Bayern München, auswärts.

Der damalige FCK-Vorstandschef Stefan Kuntz, dessen Mannschaft dann auch mit 1:5 verlor, forderte das Heimrecht für Zweitligsten gegen Erstligisten. Umgesetzt wurde die Idee 2014 nicht - der Frust von Rainer Domberg aus Heidenheim könnte die Diskussion aber innerhalb des DFB neu auslösen.

Thema in: Sportschau, 10.02.2019, 18:15 Uhr

Stand: 10.02.2019, 21:09

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