"Soooo geil" -  Heidenheims "Spiel für die Ewigkeit"

Heidenheims Robert Glatzel jubelt

Knappe Niederlage beim FC Bayern

"Soooo geil" -  Heidenheims "Spiel für die Ewigkeit"

Nach einem couragierten Auftritt beim FC Bayern München hat der 1. FC Heidenheim im Pokal-Viertelfinale eine Sensation nur knapp verpasst. Mann des Abends war Robert Glatzel.

Wie unheimlich knapp der 1. FC Heidenheim an einer Pokalsensation beim FC Bayern München vorbeigeschrammt ist, zeigt eine Szene aus der 82. Minute: Bei einem Konter taucht Denis Thomalla frei vor dem Bayern-Tor auf, scheitert aber am Münchner Torwart Sven Ulreich. Der Nachschuss von Robert Andrich streicht knapp am Münchner Kasten vorbei. 4:4 stand es da, nachdem der Zweitligist einen 2:4-Rückstand aufgeholt hatte. Zwei Minuten später kamen die Bayern dann per Handelfmeter zum glücklichen 5:4-Siegtreffer.

Es war ein dramatischer Pokalabend, an dem die tapferen Heidenheimer die Herzen der neutralen Fans im Sturm eroberten. Das Team lieferte einen beherzten, mutigen, couragierten und frechen Auftritt ab, auf den es stolz sein kann. Trainer Frank Schmidt haderte dennoch mit der verpassten Pokalsensation: "Nach dem 4:4 habe ich gedacht, wir gewinnen. Dann hätten wir Geschichte geschrieben. Wir haben heute eine Visitenkarte abgeben können, was Heidenheim ausmacht. Es hat Spaß gemacht, das war ein Wahnsinns-Abend aus unserer Sicht mit dem falschen Ergebnis." Torhüter Kevin Müller brachte es auf den Punkt: "Die Jungs haben ihre Seele auf dem Platz gelassen."

Traurig und stolz

Mann des Abends auf Heidenheimer Seite war Robert Glatzel, der gleich drei Treffer machte und die Bayern-Abwehr um Jérôme Boateng und Mats Hummels alt aussehen ließ. Traurig und stolz zugleich stand der verhinderte Pokalheld nach dem verrücktesten, aber auch besten Fußballspiel seines Lebens in der Arena. "Das war ein Spiel für die Ewigkeit", schwärmte der 1,93 Meter große Mittelstürmer: "Wir haben soooo geil gespielt!"

Tor-Collage zum Pokalkracher zwischen Bayern und Heidenheim

Sportschau 04.04.2019 00:26 Min. ARD

"Robert Glatzel war in Überform", sagte auch Trainer Schmidt. Für den 25 Jahre alten Zweitliga-Torjäger war es im Grunde ein Heimspiel. In Fürstenfeldbruck bei München ist er geboren. Und er trug einst das Trikot des TSV 1860 München. Der Ex-"Löwe" war nach den 90 Wahnsinnsminuten genau wie alle anderen hin- und hergerissen. "Ich bin froh über die drei Tore, darauf kann ich stolz sein. Aber das Ausscheiden ist bitter. Es überwiegt am Ende die Niederlage", sagte er.

 Nicht viel nachgedacht

Das 1:1 erzielte Glatzel mit dem Kopf. "Beim ersten Tor habe ich gemerkt, auch gegen Bayern ist das möglich. Da war die Anfangsnervosität weg", sagte er. Nach der Pause legte er dann zweimal nach. Beim 3:4 traf er präzise mit dem rechten Fuß aus 16 Metern. "Man denkt dann gar nicht mehr daran, dass das Weltmeister sind, gegen die man da spielt", sagte Glatzel zur Münchner Innenverteidigung mit Boateng und Hummels, den WM-Champions von 2014. Und bei seinem abgezockten Elfmeter zum 4:4 narrte Glatzel dann Ulreich mit einem Lupfer in die Mitte des Tores. "Nach zwei Toren war das Selbstbewusstsein groß und ich mir sicher, dass der reingeht", erklärte er.

Packender Pokalabend in München

Sportschau 03.04.2019 01:10 Min. ARD

Bremen und Stuttgart interessiert

Der Name Glatzel ist nun in aller Munde. Seit 2017 spielt er für den Zweitligisten. Sein Vertrag endet am 30. Juni 2020. Die Bundesligisten Werder Bremen und VfB Stuttgart sollen angeblich Interesse an ihm haben. Die Zahl der Interessenten könnte nach dem Dreierpack gegen die Bayern zunehmen. Und Glatzels bisheriger Marktwert von zwei Millionen Euro auch.

Jetzt gegen Köln

Doch vielleicht spielt er ja bald mit Heidenheim in der Bundesliga. Als Tabellen-Sechster hat das Team vier Punkte Rückstand auf den Relegationsrang drei. Wenn der 1. FCH den Schwung jetzt mitnimmt in den Zweitliga-Endspurt, ist noch alles drin. Und am Sonntag kann er sich erneut als Favoritenschreck beweisen. Dann kommt Spitzenreiter 1. FC Köln nach Heidenheim. Der dürfte jetzt gewarnt sein, vor allem vor Robert Glatzel.

red/vdv/dpa | Stand: 04.04.2019, 09:54

Der 1. FC Heidenheim in den Medien

Darstellung: