FC Bayern gegen Leverkusen - Wissenswertes zum Pokalfinale

Hansi Flick (l) und Peter Bosz

DFB-Pokalfinale

FC Bayern gegen Leverkusen - Wissenswertes zum Pokalfinale

Für den FC Bayern ist das Pokalfinale nur die Durchgangsstation auf dem Weg zum angepeilten Triple. Bayer Leverkusen kann die Durststrecke von 27 Jahren ohne Titel beenden - die Sportschau fasst zusammen, was man über das DFB-Pokalfinale wissen sollte.

Das DFB-Pokalfinale in Berlin ist normalerweise der große, emotionale Schlusspunkt der Saison. Doch auch das "deutsche Wembley" steht im Schatten der Corona-Pandemie, die das große Fußball-Fest im gewohnten Rahmen verhindert. Dass den Fans und TV-Zuschauern damit auch Gastauftritte von Helene Fischer, Pokal-Feen im Goldkleid und sonstige Unterhaltungsperlen aus der DFB-Eventabteilung erspart bleiben, ist wohl die einzige gute Nachricht.

Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler hatte sich im Vorfeld dafür stark gemacht, zumindest eine begrenzte Anzahl an Zuschauern zuzulassen, doch der DFB blieb hart. 125 Leute je Klub-Delegation, 50 Vertreter vom DFB, dazu kommen 200 Medienvertreter - mehr dürfen am Samstagabend (04.07.2020) nicht dabei sein im Olympiastadion.

"In dem Riesenkessel nur vor ein paar Zuschauern spielen zu können, ist schon traurig", sagte Völler - zumal Bayer die Chance hat, nach dem Pokalsieg 1993, dem bisher einzigen nationalen Titel, endlich wieder einen großen Erfolg zu feiern. Der FC Bayern hingegen kann nach dem Gewinn der 30. Meisterschaft den nächsten Jubiläums-Titel holen - bei einem Sieg gegen Leverkusen wäre es der insgesamt zwanzigste Pokal-Triumph.

Die Ausgangslage

Für Bayer Leverkusen weckt die Rückkehr ins Berliner Olympiastadion ungute Erinnerungen: Vor zwei Wochen verspielte Leverkusen mit der Niederlage bei Hertha BSC die eigentlich schon sicher geglaubte Qualifikation für die Champions League und musste sich am Ende mit Platz fünf begnügen.

Trotz der herben Enttäuschung im Liga-Endspurt geben sich die Leverkusener zuversichtlich, doch noch ein Happy-End zu schaffen: Bayer 04 mischt ja auch noch in der Europa League mit, dort könnten sie sich im Falle des Titelgewinns sogar doch noch für dIe Königsklasse qualifizieren.

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Vor dem Pokal-Endspiel gegen den FC Bayern gaben sich die Verantwortlichen alle Mühe, sich als Underdog zu verkaufen. Geschäftsführer Völler adelte den Gegner gar als "das beste Team Europas" - doch dass ein Sieg gegen die Bayern möglich ist, hat Leverkusen in dieser Saison schon unter Beweis gestellt. Klub-Chef Fernando Carro forderte von der Mannschaft "die absolute Gier, die Chance auf den Pokal zu nutzen".

Die Münchner wiederum machten gleich nach dem Gewinn der achten Meisterschaft in Serie klar, dass ihr Titelhunger nicht gestillt ist. "Wir haben weitere Ziele", meinte Trainer Hansi Flick. Flick hat den Pokal 1986 schon als Spieler des FC Bayern gewonnen - jetzt könnte er es Thomas Schaaf und Niko Kovac gleichtun, und mit demselben Klub auch als Trainer feiern. "Wir sind sehr optimistisch, dass wir als Sieger rausgehen", sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Und Klub-Patron Uli Hoeneß sieht "eine gute Chance, alles zu gewinnen" - also nach dem 13. Double auch die Champions League mit dem Finale am 23. August, und damit das zweite Triple nach 2013.

Die Schlüsselspieler

Die Zuversicht der Münchner vor dem Pokalfinale gründet sich vor allem auf der Offensive - die in der abgelaufenen Saison erstmals nach 48 Jahren wieder die magische Marke von 100 Toren knackte. 34 Treffer davon gingen allein auf das Konto von Robert Lewandowski: Der 30-Jährige ist weiter der gefährlichste Stürmer der Bundesliga und trifft auch gerne in entscheidenden Spielen - wie im Pokalfinale im Vorjahr, als er Leipzig mit zwei Treffern fast im Alleingang erlegte. Neben Lewandowski glänzte zuletzt wieder einmal Thomas Müller, der in der abgelaufenen Saison unter Trainer Flick mit 21 Vorlagen (Bundesliga-Rekord) zum besten Vorbereiter der Liga aufstieg. Im Bayern-Mittelfeld entwickelte sich Leon Goretzka nach der Corona-Pause zum absoluten Dominator, der auch immer wieder entscheidende Treffer beisteuerte.

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Bei Leverkusen ruhen die Hoffnungen einmal mehr auf Kai Havertz, so lange der Jungstar mit dem 100-Millionen-Euro-Preisschild noch im Bayer-Dress unterwegs ist. Unter anderem hat auch der FC Bayern Interesse am aktuell wohl größten deutschen Sturmtalent, wobei die Verpflichtung von Leroy Sané einen Wechsel von Havertz zum FC Bayern etwas unwahrscheinlicher gemacht hat. Im Pokalfinale bekommt Havertz nun die Gelegenheit, den FC Bayern auf der großen Bühne zu düpieren. Bei den zwei Duellen in der Bundesliga fehlte Havertz, auch bei Leverkusens 2:1-Erfolg in München in der Hinrunde. Bayer-Vorstand Völler traut dem 21-Jährigen beim Finale in Berlin eine tragende Rolle zu. Mit Druck umzugehen sei "eine der großen Qualitäten" von Havertz. "Leverkusen kann mit ihm an einem guten Tag fast jede Mannschaft schlagen", warnte Bayern-Ehrenpräsident Hoeneß, die Münchner müssten "sehr vorsichtig sein".

Die Ausfälle

Die schwere Verletzung von Paulinho zwei Tage vor der Abreise nach Berlin war ein Schock für die Leverkusener - der 19-Jährige zog sich im Training einen Kreuzbandriss zu und fällt mehrere Monate aus.

Bei den Münchnern könnte Niklas Süle nach neun Monaten Verletzungspause erstmals wieder im Kader stehen. Auch Thiago hofft nach seiner Leistenoperation auf ein Comeback. Bei Javi Martinez ist der Einsatz aufgrund von Wadenproblemen fraglich.

Die bisherigen Duelle

Die Bilanz in den direkten Duellen spricht klar für den FC Bayern, in der Liga und auch im DFB-Pokal. Im Pokal trafen München und Leverkusen schon sechsmal aufeinander. Fünfmal setzte sich der FC Bayern durch, zuletzt im Halbfinale 2018 beim fulminanten 6:2-Sieg in Leverkusen. Bayer konnte die Münchner nur ein einziges Mal ausschalten, mit einem 4:2-Erfolg im Viertelfinale 2009. Im Endspiel treffen beide Klubs erstmals aufeinander.

In der Bundesliga gewann der Rekordmeister 48 von bisher 82 Begegnungen, 18-mal ging Leverkusen als Sieger vom Platz. In der abgelaufenen Saison feierte Bayer 04 aber im vergangenen November beim 2:1 einen der seltenen Erfolge in München. Leon Bailey war mit seinen zwei Treffern der Matchwinner. Das Rückspiel in der BayArena gewannen aber wieder die Münchner am 30. Spieltag mit 4:2.

red/sid/dpa | Stand: 02.07.2020, 21:30

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