Experte Schweinsteiger sagt Bayern-Probleme voraus

Treffende Analyse

Experte Schweinsteiger sagt Bayern-Probleme voraus

Bastian Schweinsteiger hat zur Pokalsensation von Holstein Kiel gegen den FC Bayern (8:7 i.E.) die entscheidenden Münchner Schwachstellen herausgefiltert. Hinterher entlockte der Weltmeister dem Kieler Matchwinner Fin Bartels noch ein Geständnis.

Hansi Flick hat lange genug mit Bastian Schweinsteiger zusammengearbeitet, um dessen Gespür für mannschaftstaktische Zusammenhänge wertzuschätzen. Bei der Nationalmannschaft beriet sich der einstige Co-Trainer von Joachim Löw oft genug mit den Führungsspielern, zu denen auch der heutige ARD-Experte Schweinsteiger gehörte.

Bei der Pokalsensation von Holstein Kiel gegen den FC Bayern (8:7 i.E.) legte Schweinsteiger bereits im Vorlauf den Finger in die Wunde. In einer Schalte mit dem Bayern-Coach Flick, von Schweinsteiger immer noch "Hansi" genannt, sprach der 36-Jährige das Risiko der hoch stehenden Viererkette an.

"Wenn kein Druck auf den Ball ist, muss die Tiefe absichern", erklärte Flick daraufhin vor dem Pokalduell im Schneegestöber - wobei der Bayern-Coach ja nicht wissen konnte, dass sich die Fehler aus dem Bundesligaspiel bei Borussia Mönchengladbach (2:3) deckungsgleich wiederholen würden.

Bastian Schweinsteiger (l.) und Alexander Bommes

Bastian Schweinsteiger (l.) und Alexander Bommes

Schweinsteiger sagte: "Man merkt schon bei den Mannschaften, die gegen Bayern spielen, dass sie so ein bisschen dieses Hochstehen der Abwehr versuchen auszuspielen mit direkten Pässen hinter die Abwehr. Man hat es in dem Spiel gesehen, aber auch schon in vielen anderen zuvor. Es kommt mir so vor, als ob der Code so langsam entschlüsselt wird."

Kardinalkritik in der Halbzeitpause

Bereits in der Halbzeitpause fühlte sich der ARD-Experte bestätigt: "Durch dieses hohe Stehen der Bayern-Abwehr - natürlich haben sie so auch die Champions League gewonnen - spielen viele Mannschaften den Ball in die Tiefe...und manchmal geht's halt in die Hose."

Die Bayern dürfen ja hoch stehen, sagte Schweinsteiger mit Blick auf das erste Gegentor durch Fin Bartels zum zwischenzeitlichen 1:1, "aber sie müssen richtig stehen." Daher müsse man schon die Frage stellen, ob es die richtige taktische Variante sei. Dann übte er Kardinalkritik: "Beim Gegentor stehen sie auf der Mittellinie sehr, sehr hoch, und das auch noch in Unterzahl. Das ist so unnötig in meinen Augen."

Komplimente für Kiel

Für den Underdog von der Förde hatte Schweinsteiger nach dem Schlusspfiff viele Komplimente parat: "Man hat gemerkt, dass den Kielern das Spiel Spaß gemacht hat. Das war eine historische Nacht." Das Holstein-Team sei "taktisch sehr gut aufgestellt" gewesen, wobei ihm vor allem die Innenverteidigung mit Hauke Wahl und Stefan Thesker "super" gefallen habe, weil sie stets die spielerische Lösung gesucht hätten. "So etwas sieht man nicht oft."

Bei seinem Ex-Verein legte der ehemalige Bayern-Star, der von 1998 bis 2015 beim Branchenprimus zubrachte, den Finger in die offene Wunde. "Die Niederlage tut weh. Man merkt das, dass sie nicht mehr souverän spielen. Das wurmt alle an der Säbener Straße", sagte Schweinsteiger, der aber "keine Schramme" für Trainer Flick sieht. Grundsätzlich müsse aber die taktische Ausrichtung, so sein Rat, überdacht werden. Flick äußerte sich fast gleichlautend, auch er will künftig "die Tiefe, die letzte Reihe" besser absichern.

Fin Bartels spricht über Rollentausch

Nebenbei entlockte Schweinsteiger im Interview mit Fin Bartels dem Holstein-Matchwinner noch ein Geständnis. Der 33 Jahre alte Routinier war im Laufe der Verlängerung mit den Kräften am Ende, hatte es auf seiner rechten Seite aber immer wieder mit dem nach vorne stürmenden Linksverteidiger Alphonso Davies und Linksaußen Douglas Costa zu tun. Um nicht zur Schwachstelle zu werden, tauschte Bartels nach Absprache mit Trainer Ole Werner die Seiten.

"In der Verlängerung hat Davies noch mehr Sprints nach vorne gemacht. Habt ihr die Seiten gewechselt? Habe ich das richtig gesehen?" fragte Schweinsteiger. Worauf Bartels antwortete: "Das ging von mir aus. Ich brauchte einfach eine Pause, weil der Davies einfach noch mal marschiert ist; mit dem Tempo und dann noch Costa davor sind es harte Meter in der Verlängerung. Wir haben es dann irgendwie ins Elfmeterschießen gebracht. Danke für die Glückwünsche."

red | Stand: 14.01.2021, 12:34

Weitere Themen

Darstellung: