Zwayer verteidigt Entscheidung im Pokalfinale

Schiedsrichter Felix Zwayer (l.) kommuniziert mit dem Videoassistenten - die Spieler diskutieren

Foul von Boateng in der Nachspielzeit

Zwayer verteidigt Entscheidung im Pokalfinale

Schiedsrichter Felix Zwayer hat sich zwei Tage nach dem Finale des DFB-Pokals zur höchst umstrittenen Entscheidung in der Nachspielzeit geäußert.

Zwayer sagte am Montag (21.05.2018) in einem Interview mit der "Deutschen Presse-Agentur" (dpa), dass er keine relevanten Video-Bilder bei der strittigen Elfmeter-Szene vermisst habe: "Ich hatte keinen Bedarf an weiteren Einstellungen, da die relevanten Fragestellungen durch das angeschaute Material für mich beantwortet wurden."

Der ehemalige Schiedsrichter Peter Gagelmann hatte kritisiert, dass aus seiner Sicht Zwayer nur Zeitlupen- und Stand-Bilder gezeigt worden seien und keine Aufnahmen in Realzeit.

Zwayer hatte in der Schlussphase nach Studium der Videobilder keinen Strafstoß für den FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt (1:3) gegeben.

Im Wortlaut

Worauf beruhte Ihre Entscheidung, nach Studium der Videobilder keinen Elfmeter für den FC Bayern nach dem Einsteigen von Kevin-Prince Boateng gegen Javi Martinez zu geben?

Felix Zwayer: Meine Wahrnehmung im Live-Ablauf war ein Zufallkommen des Spielers Martinez nach dem Zweikampf mit Kevin-Prince Boateng. Unklar war für mich zunächst, ob und in welcher Form ein Kontakt stattgefunden hat. Nach entsprechender Kommunikation teilte mir Video-Assistent Bastian Dankert mit, dass ein Kontakt vorliegt. Daraufhin wollte ich das Videomaterial in der Review Area selbst bewerten: Der Spieler Boateng streift beim Versuchen den Ball zu spielen, den linken Fuß des Spielers Martinez. Da es sich nicht um einen heftigen Tritt und keinen vollen Treffer handelte, bewertete ich diesen Kontakt im Rahmen meines Ermessensspielraumes für sich allein genommen als nicht ausreichend, um ihn als Foulspiel einzustufen. Da der Spieler Martinez den getroffenen Fuß dann ohne Beeinträchtigung stabil abstellte und er erst danach über das rechte Bein in die Fallbewegung kam, erachtete ich den Kontakt auch nicht ursächlich für das Zufallkommen.

Wie bewerten Sie diese Szene im Nachhinein?

Zwayer: Es handelt sich sicher nicht um eine Schwarz-Weiß-Szene, für die es eine 100 Prozent korrekte und von allen akzeptierte Lösung gibt. Es gibt Argumente für und gegen Strafstoß. Es ist also eine Entscheidung im Ermessen des Schiedsrichters. In der öffentlichen Wahrnehmung erscheint es so, als sei ein Kontakt durch das Videomaterial bewiesen und es müsse daher auch zwingend Strafstoß geben. Tatsächlich ist aber ja nicht jeder Kontakt per se strafbar und auch die Videobilder lassen Bewertungen und Interpretationen von Abläufen zu.

Welche Bilder hatten Sie für Ihre Entscheidung zur Verfügung? Peter Gagelmann sagte bei "Sky", dass es besser gewesen wäre, Ihnen Szenen in Real-Geschwindigkeit als Einstellung in Slow-Mo zu zeigen.

Zwayer: Ich habe den Vorgang aus der Hintertorperspektive in unterschiedlichen Geschwindigkeiten betrachtet. Zunächst ein Standbild, dann in 20-prozentiger Geschwindigkeit. Hier war der Kontakt deutlich erkennbar, eben aber auch, dass dieser nicht voll, sondern seitlich am linken Fuß entlang ging. In der Normalgeschwindigkeit war dann zu sehen, dass der Spieler Martinez den getroffenen Fuß zunächst sicher abstellte und er erst danach ohne weitere Berührung über das rechte Bein zu Boden ging. Ich hatte keinen Bedarf an weiteren Einstellungen, da die relevanten Fragestellungen durch das angeschaute Material für mich beantwortet wurden.

Stand: 21.05.2018, 21:01

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