DFB-Pokal mit Fans - politisches Wettrennen trifft echte Freude

Stadionauslastung in Dresden beim Pokalspiel gegen den HSV

Rückkehr der Fans

DFB-Pokal mit Fans - politisches Wettrennen trifft echte Freude

Von Robin Tillenburg

In der ersten Runde des DFB-Pokals war die erlaubte Zuschauerauslastung in den Stadien extrem verschieden. Genau wie die Reaktionen: zwischen Freude, Gesundheitsprävention und politischen Mitteln.

Mehrere Tausend Zuschauer in Rostock, Dresden, Chemnitz und Jena - keine in Fürstenwalde, München oder Kaiserslautern. Die DFB-Pokal-Erstrundenpartien waren, was das Stimmungsbild auf den Rängen anging, sehr unterschiedlich.

Kritisierter "Flickenteppich"

Die öffentlichen Reaktionen auf diesen "Flickenteppich" waren eigentlich durchweg negativ. Außer von den direkt Betroffenen, die ihre Heimspiele so auch atmosphärisch zu eben solchen machen konnten. 10.000 Dresdner Fans - Zuschauerrekord in der ersten Pokalrunde - bejubelten den überraschenden Sieg ihrer Mannschaft gegen den HSV und lieferten eine Kulisse, die es lange nicht gegeben hat. "Es ist überragend, wenn man ins Stadion kommt und Stimmung ist", sagte Dynamo-Trainer Markus Kauczinski. Seit März waren in keinem Fußballstadion in Deutschland mehr Fans.

Rostock und Chemnitz waren bei ihren Auftritten gegen die Bundesligisten Stuttgart und Hoffenheim angetrieben von den eigenen Anhängern einer Überraschung ebenfalls sehr nahe.

"Dieses Gefühl ist durch nichts zu ersetzen."

Jeder Verein hätte wohl gerne die Chance genutzt, mit so vielen Zuschauer wie möglich Einnahmen und einen "Heimvorteil" zu erzielen. Der Chemnitzer Mittelfeldspieler Tobias Müller erklärte beispielsweise, er sei "von Krämpfen geplagt gewesen", aber die Fans hätten ihn angetrieben. "Dieses Gefühl ist durch nichts zu ersetzen."

DFB Pokal- Zuschauerkarte

DFB Pokal- Zuschauerkarte

Möglich macht die unterschiedlichen Regelungen die föderale Struktur. Je nach Bundesland, je nach dort amtierender Regierung und je nach Infektionsgeschehen werden und wurden unterschiedliche Beschlüsse und Obergrenzen getroffen und festgelegt.

Einheitliches Vorgehen gefordert

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte schon vorher Kritik geübt: "Ich denke, für Akzeptanz insgesamt wäre ein einheitliches Vorgehen besser", und auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch blickte kritisch auf das Geschehen: "Im Moment kommt es mir doch sehr vor, dass man in jedem Bundesland immer weiter sein will als der andere."

Tatsächlich nutzten Entscheidungsträger*innen die Gelegenheit, das eigene Bundesland und die eigenen Bürger in ein möglichst gutes Licht zu rücken. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig beispielweise, die per Twitter das Konzept des Vereins Hansa Rostock, die regeltreuen Fans und die bewussten Bürger lobte.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Keine einheitlichen Bilder

Dass das nicht ohne Widerspruch blieb, dürfte angesichts der Bilder aus Rostock nicht verwundern. Je nach Perspektive und auch je nach gefilmtem und fotografiertem Block bietet sich ein differierendes Bild. In einigen Bereichen standen die Fans wohl dichter beieinander, als es geplant und erlaubt war, in anderen sah alles vorschriftsmäßig aus.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

DFB-Pokal: Hansa Rostock gegen Stuttgart - die Zusammenfassung Sportschau 13.09.2020 08:08 Min. Verfügbar bis 13.09.2021 Das Erste

Ähnlich fielen die Reaktionen in Magdeburg aus. Der Verein freute sich über die Atmosphäre, in den sozialen Medien herrschte aber teilweise Unverständnis angesichts der vielen leeren Blöcke, während die anwesenden Fans ihrerseits relativ dicht beieinander zu sein schienen.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Stadion-Auslastungen von 30 bis 40 Prozent?

Nach aktuellen Informationen des ZDF scheint es jedoch auf eine zeitnahe einheitliche Regelung hinauszulaufen. Ob das uneinheitliche Bild und die Reaktionen auf das Pokalwochenende damit zu tun haben, ist unklar. Dass sie die ganze Debatte aber weiter anheizen und eine Entscheidungsfindung beschleunigen könnten, erscheint nicht sehr unwahrscheinlich. Von Stadion-Auslastungen von 30 bis 40 Prozent ist die Rede.

Das würde zumindest viele Diskussionen erst einmal abklingen lassen, sportliche Chancengleichheit wahren und die meisten Fußballfans sicher freuen. Ob eine solche Entscheidung aber angesicht des ja örtlich tatsächlich sehr unterschiedlichen Infektionsgeschehens sinnvoll wäre, oder ob sie nicht am Ende doch vor allem eine politische Entscheidung zur Gleichstellung der einzelnen Bundesländer sein und das "Wettrennen" beruhigen soll, bleibt offen. Wie so oft seit Beginn von Covid-19 lässt sich das wohl erst im Nachhinein zuverlässig beantworten.

Stand: 15.09.2020, 08:46

Darstellung: