DFB-Pokal - zwischen 0 und 10.000 Zuschauer im Stadion

Die DFB-Pokal-Trophäe

Rückkehr der Fans

DFB-Pokal - zwischen 0 und 10.000 Zuschauer im Stadion

Von Frank van der Velden

Die erste Runde des DFB-Pokals steht im Zeichen der Rückkehr der Fans in die Stadien. Doch die können nicht überall dabei sein - und die Unterschiede sind je nach Region erheblich.

In Bayern ist die Sache klar. Bei Fußballspielen, bei denen es um Punkte oder ums Weiterkommen geht, sind weiterhin keine Zuschauer zugelassen. Die bayerischen Klubs haben also nichts davon, dass der Deutsche Fußball-Bund für die erste Pokalrunde zuletzt grünes Licht für eine Teil-Rückkehr der Fans in die Stadien gegeben hat.

Denn die endgültige Entscheidung über eine Zulassung von Zuschauern und die Festlegung ihrer maximalen Zahl obliegt weiterhin den lokalen Gesundheitsbehörden. Das bedeutet, dass die Pokalspiele in Nürnberg, München, Würzburg, Fürth, Augsburg und Ingolstadt vor leeren Rängen über die Bühne gehen.

Auch in Nordrhein-Westfalen hält sich die Freude in Grenzen. Gerade mal 300 Fans dürfen laut Verordnung dabei sein, wenn in Bochum, Mönchengladbach, Köln, Leverkusen, Gelsenkirchen, Wiedenbrück, Essen und Duisburg der Ball rollt. Doch sind es wirklich 300 Fans?

Sponsoren, Medienvertreter und Co. müssen berücksichtigt werden

So war in Duisburg das komplette Kontingent "bereits vertraglich an die DFB-Zentralvermarktung und Sponsoring-Vereinbarungen gebunden", hieß es in einer Klubmitteilung des MSV. Jetzt dürfen wenigstens 100 Fans der "Zebras" dabei sein, wenn das Team die Borussia aus Dortmund empfängt.

DFB Pokal- Zuschauerkarte

DFB Pokal- Zuschauerkarte

In Wiedenbrück kamen für das Spiel gegen Paderborn gar keine Karten in den freien Verkauf. Nahezu das gesamte Kontingent sei an Medienvertreter und an das Ordnungs- und Sicherheitspersonal gegangen, erklärte der Klub. Auch der VfL Bochum verzichtet gegen Engers auf Fans.

Leverkusen verteilte für das Duell mit Norderstedt 170 Karten in der Fanszene, die restlichen Tickets gingen an Freunde und Familie der Spieler, Mitarbeiter und Partner des Vereins. Der FC Schalke 04 lud zum Schweinfurt-Spiel Mitarbeiter der Gelsenkirchener Krankenhäuser und Pflegepersonal der Seniorenheime ein. Köln verloste 250 Tickets unter den Dauerkarteninhabern. Der FC muss gegen Altglienicke ran.

Zuschauer in den Stadien: Ein Überblick
PartieErlaubte ZuschauerzahlBesonderheit
Eintracht Braunschweig - Hertha BSC500
TSV Havelse - FSV Mainz 051000in Mainz
1. FC Nürnberg - RB Leipzig0
SV Todesfelde - VfL Osnabrück500
TSV 1860 München - Eintracht Frankfurt0
MTV Eintracht Celle - FC Augsburg0in Augsburg
FV Engers - VfL Bochum300in Bochum
Union Fürstenwalde - VfL Wolfsburg0in Wolfsburg
FC Oberneuland - Borussia Mönchengladbach300in Mönchengladbach
RSV Meinerzhagen - SpVgg Greuther Fürth0in Fürth
VSG Altglienicke - 1. FC Köln300in Köln
SSV Ulm 1846 - Erzgebirge Aue430
FC Ingolstadt - Fortuna Düsseldorf0
Karlsruher SC - 1. FC Union Berlin450
Carl Zeiss Jena - Werder Bremen1256
Chemnitzer FC - TSG Hoffenheim4632
1. FC Rielasingen-Arlen - Holstein Kiel500in Kiel
Hansa Rostock - VfB Stuttgart7500
TSV Steinbach Haiger - SV Sandhausen565
SV Elversberg - FC St. Pauli900
Eintracht Norderstedt - Bayer Leverkusen300in Leverkusen
1. FC Schweinfurt 05 - Schalke 04 (zunächst abgesagt)300in Gelsenkirchen
SC Wiedenbrück - SC Paderborn300
1. FC Kaiserslautern - Jahn Regensburg0
SV Wehen Wiesbaden - 1. FC Heidenheim250
Waldhof Mannheim - SC Freiburg500
1. FC Magdeburg - Darmstadt 985000
Rot-Weiss Essen - Arminia Bielefeld300
Dynamo Dresden - Hamburger SVmehr als 10.000
Würzburger Kickers - Hannover 960
MSV Duisburg - Borussia Dortmund300
1. FC Düren - Bayern München0in München (15. Oktober)

Mehr als 10.000 Fans in Dresden erwartet

Große Freude dagegen im Osten der Republik, wo es niedrigere Corona-Infektionszahlen gibt. Zum Spiel des FC Hansa Rostock gegen den VfB Stuttgart dürfen 7500 Fans ins Ostseestadion. Magdeburg kann gegen Darmstadt 5000 Zuschauer begrüßen - das alles natürlich unter strengen Hygiene- und Abstandsvorschriften. In Chemnitz dürfen gegen Hoffenheim 4632 Fans mitfiebern, in Jena sind es gegen Werder Bremen immerhin noch 1256.

In Dresden hängt die genaue Zuschauerzahl gegen den Hamburger SV vom Buchungsverhalten ab: Jede Bestellung, unabhängig von der Größenordnung, bedeutet auch einen Platz als Abstandshalter. Je kleinteiliger also das Bestellverhalten ausfällt, desto mehr Abstandsplätze müssen her und desto geringer ist dann die Gesamtkapazität. Im besten Fall könnten am Ende aber mehr als 10.000 Fans im Dynamo-Stadion sein.

"Wir haben die mit Abstand wenigsten Infektionszahlen", erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Sportministerin Stefanie Drese (SPD) die Lage im Osten. Zudem hätten die Vereine "exzellente Konzepte" vorgelegt.

1000 Fans in Mainz, keine in Kaiserslautern

7500 Fans ist Rostock, 300 in Mönchengladbach und gar keine in München: Deutschland ist, was den DFB-Pokal angeht, ein Zuschauer-Flickenteppich. Die Situation ist in jedem Bundesland, in jedem Stadion anders. Das nennt man dann wohl Corona-Föderalismus. Damit verliert der Pokal seinen Charme und seinen Reiz. Verstärkt wird das durch die Tatsache, dass gleich elf unterklassige Klubs auf ihr Heimrecht verzichten. Mit der Umsetzung der Hygiene-Vorschriften wären sie überfordert gewesen.

Der Flickenteppich treibt teilweise kuriose Blüten. So spielt Eintracht Braunschweig gegen Hertha BSC vor 500 Fans, 25 Kilometer entfernt in Wolfsburg können Fans das Spiel gegen Fürstenwalde "aus organisatorischen Gründen leider nicht im Stadion verfolgen". Ähnlich ist es in Rheinland-Pfalz. Beim Spiel zwischen Mainz und Havelse können 1000 Fans dabei sein, die Ordnungsbehörde in Kaiserslautern erteilte den "Roten Teufeln" für das Spiel gegen Jahn Regensburg dagegen eine Absage.

Probleme mit begrenzten Kontingenten

Der DFB-Pokal offenbart jetzt schon die Probleme, die begrenzte Kontingente hervorrufen. Denn während der Karlsruher SC zumindest 300 der 450 Tickets gegen Union Berlin unter den KSC-Mitgliedern und Dauerkarteninhabern verlost, sorgte bei Waldhof Mannheim eine Lösung ausschließlich mit VIP-Tickets gegen den SC Freiburg für reichlich Kritik unter den Anhängern.

"Das versteht kein Fan"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefällt das alles überhaupt nicht. "Ich denke, für Akzeptanz insgesamt wäre ein einheitliches Vorgehen besser", sagte er, auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch plädierte für einheitliche Regeln. "Im Moment kommt es mir doch sehr vor, dass man in jedem Bundesland immer weiter sein will als der andere", sagte er: "Das versteht kein Fan."

Der Pokal ist dabei nur ein erster Vorgeschmack, denn auch zum Ligastart am 18. September droht ein ähnliches Durcheinander. So dürfen etwa bei RB Leipzig schon wieder 8500 Fans ins Stadion, bei Spielen in Bayern weiterhin keiner.

Stand: 10.09.2020, 15:06

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