Bosz kann es gegen die Bayern - muss aber aus dem letzten Spiel lernen

Peter Bosz grinst in der Allianz Arena

DFB-Pokal

Bosz kann es gegen die Bayern - muss aber aus dem letzten Spiel lernen

Von Niklas Schenk

Mit Peter Bosz als Trainer konnte Bayer Leverkusen den FC Bayern schon mehrfach bezwingen. Vor dem DFB-Pokal-Finale gilt es für den Trainer jedoch, die richtigen Lehren aus dem jüngsten Aufeinandertreffen zu ziehen.

Für Leverkusens Trainer Peter Bosz ist das Pokalfinale das vierte Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern München als Bayer-Coach. Zwei der bisher drei Spiele unter seiner Leitung gewann Leverkusen gegen den Rekordpokalsieger. Vor allem das 2:4 im letzten Aufeinandertreffen vor einem Monat in der Bundesliga dürfte dem Trainer jedoch eine Warnung sein.

Erstmals mit Dreierkette

Erstmals schickte Bosz seine Mannschaft gegen den FCB mit einer Dreierkette in der Abwehr aufs Feld. Dragovic, Tapsoba und Sven Bender verteidigten in der letzten Kette, auf den Flügeln spielten mit Amiri und Bailey zwei äußerst offensiv denkende Spieler, die in der Rückwärtsbewegung in einer Fünferkette mitverteidigen sollten.

Das ging trotz einer frühen Führung durch Alario ziemlich schief. Bayer stand sehr hoch, oft waren alle Feldspieler über oder um die Mittellinie postiert. Bayern konterte die Leverkusener noch vor der Halbzeit dreimal gnadenlos aus. Selten gab es in der vergangenen Bundesligasaison ein Topspiel, in dem Spieler einer Mannschaft so oft völlig freistehend vor einem gegnerischen Torhüter auftauchten.

Anfälligkeit bei langen Bällen

Bei langen Bällen fehlte der Leverkusener Defensive oft die Abstimmung, vor allem die so talentierte und oft gelobte Neuverpflichtung Edmond Tapsoba verschätzte sich mehrfach, so auch beim 3:1 durch Gnabry. Zur Halbzeit wechselte Bayer mehrfach, stellte auf eine Viererkette um, aber da war das Spiel schon verloren. Die Bayern agierten übrigens im 4-2-3-1-System mit der Stammformation der vergangenen Wochen, die auch morgen im Finale auflaufen dürfte.

Peter Bosz sagte damals: "Vielleicht sah die Aufstellung mutig aus, meiner Meinung nach haben wir aber nicht mutig genug gespielt." Was er damit wohl meinte: Seine Mannschaft kam gar nicht dazu, im eigenen Ballbesitz mutig nach vorne zu spielen, da die Bayern den Leverkusenern mit einem aggressiven und laufintensiven Gegenpressing immer wieder den Ball abnahmen. Aus den Balleroberungen resultierten dann auch die ersten drei Bayerntore. Insbesondere, seitdem Kimmich und Goretzka zusammen auf der Doppel-Sechs spielen, ist das Pressing ein noch größeres Markenzeichen des Bayern-Spiels geworden.

In München konterte Leverkusen eiskalt

Auch hier muss Bosz also Lösungen finden. Aber es gibt ja auch Mutmacher für das erste Leverkusener Pokalfinale seit 2009. Beispielsweise den 2:1-Sieg in der Hinrunde in München. Hansi Flick war zu diesem Zeitpunkt erst wenige Tage Bayern-Trainer, seine Mannschaft war gerade dabei, sich neu zu finden. Martinez spielte in der Innenverteidigung, Perisic für Coman auf dem Flügel - aber sonst spielten die Bayern rein nominell schon so, wie sie in den Monaten danach zum dominanten deutschen Team wurden.

Damals wählte Bosz eine 4-2-3-1-Formation und gab eine ganz andere Marschroute als im Rückspiel aus: Seine Mannschaft sollte im eigenen Ballbesitz sicher stehen, den Ball aber nicht zu lange halten und selbst auf Konter setzen. Da vor allem Leon Bailey an diesem Tag äußerst effizient agierte und aus zwei Chancen zwei Tore machte, ging der Plan voll auf. Klar, die Leverkusener hatten auch Glück - denn die Bayern trafen gleich drei Mal Latte oder Pfosten. Aber sie brachten den Auswärts-Coup über die Zeit - und das ohne Kai Havertz, der genauso wie im Rückspiel fehlte und darauf brennen dürfte, beim Pokalfinale wenigstens einmal in dieser Saison gegen die Bayern sein Können zeigen zu können.

Bosz: "Das Pokalfinale ist etwas Besonderes" Sportschau 03.07.2020 02:11 Min. Verfügbar bis 03.07.2021 Das Erste

In der Abwehr sorgten damals die Bender-Zwillinge gemeinsam für Stabilität. Gut für Trainer Bosz, dass seine beiden erfahrensten Abwehrspieler rechtzeitig zum Pokalfinale wieder fit sind. Wohl auch deshalb hält der Niederländer einen Triumph gegen die Bayern morgen für "machbar". "Der Sieg ist möglich, aber es hängt von uns ab. Wir werden alles versuchen, um das Ding zu gewinnen", sagte er auf der Abschluss-Pressekonferenz.

Das kreative Zentrum als Lösung?

Dass sein Team gegen die Bayern auch nach einem Rückstand zurückkommen kann, zeigten die Leverkusener unter Bosz Anfang 2019 beim 3:1-Erfolg in der Bundesliga. Damals erzielte Bayer alle drei Tore in der zweiten Hälfte, nachdem Goretzka die Bayern in der ersten Hälfte in Führung gebracht hatte. Auch hier setzte Bosz auf eine Viererkette. Im Mittelfeld setzte er mit Brandt, Aranguiz und Havertz auf viel Kreativität im Zentrum - gut möglich, dass Bosz morgen, dann mit Demirbay statt des inzwischen gewechselten Brandt, wieder auf diese Taktik zurückgreift.

Mit Dortmund verlor Bosz im Übrigen beide Spiele gegen die Bayern (in der Liga und im Supercup). Trotzdem: Er weiß, wie man die Münchner bezwingen kann, aber sie sind auch für ihn der große Favorit im Finale. "Ich genieße, wie Bayern spielt", sagte Bosz vor wenigen Wochen. "Das ist etwas für Fußball-Liebhaber. Das ist, wie Fußball gespielt werden sollte."

Der Einzug ins Endspiel sei für sein Team "ein großer Erfolg", aber: "Man ist erst glücklich, wenn man das Endspiel auch gewinnt." Es wäre für Bosz, der als Profi dreimal den niederländischen Pokal gewinnen konnte, der erste Titel als Trainer.

Stand: 03.07.2020, 18:24

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