DFB - was jetzt wichtig wird

Die Ethikkommission hat über den Nazi-Vergleich beraten.

Rücktritt von Fritz Keller

DFB - was jetzt wichtig wird

Von Marcus Bark

Von einer "Neuausrichtung" und einer "Neuaufstellung" schreibt der Deutsche Fußball-Bund selber, von einem Neuanfang ist die Rede. Aber das ist verfrüht, wenn es denn überhaupt dazu kommen wird. Dem DFB stehen wichtige Tage, Wochen und Monate bevor. Ein Überblick.

Was ist passiert?

Fritz Keller ist am Montag (17.05.2021) wie angekündigt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Der 64-Jährige zog damit die Konsequenz aus dem von ihm verursachten Nazi-Eklat.

Aber es ist keine schlichte Rücktrittserklärung, die Keller über den DFB verbreiten ließ, sondern auch eine Abrechnung. "Mein Fehlverhalten erfolgte in einem für den DFB beschämenden Umfeld, mein Rücktritt wird die Probleme innerhalb des DFB und des Fußballsports allerdings nicht lösen", so Keller wörtlich. Die Abrechnung wird für weiteren Zündstoff sorgen, auch wenn der scheidende Präsident keinen seiner internen Gegner namentlich nannte.

Curtius verhandelt um Auflösungsvertrag

Generalsekretär Friedrich Curtius, der ranghöchste hauptberuflich Tätige beim DFB, soll dem Präsidenten bald folgen. Es muss allerdings eine Abfindungsregelung gefunden werden. Schatzmeister Stephan Osnabrügge wird beim nächsten Bundestag nicht mehr für dieses Amt kandidieren, Rainer Koch nicht mehr für das des "1. Vizepräsidenten Amateure".

Warum dieses personelle Beben?

Die Antwort könnte ein kleines Buch füllen, die Kompaktfassung ist bei Keller so einfach wie beschämend. Der Präsident nannte seinen internen Gegner Koch in einer Sitzung "Freisler". Roland Freisler war einer der schlimmsten Richter des Nationalsozialismus und organisierte den Holocaust. Nach dieser schlimmen Entgleisung war klar, dass der Präsident nicht mehr tragbar ist.

Er wollte und sollte im Sinn der ihm grundsätzlich wohl gesonnenen Deutschen Fußball Liga (DFL), Dachverband der Profis, aber noch durchhalten, bis auch die Gegenseite ihre Posten verliert oder zumindest entscheidend geschwächt wird.

Das Lager Koch, Curtius und Osnabrügge hinderte Keller in den vergangenen Monaten daran, interne Vorgänge aufzuarbeiten, vor allem einen ominösen Vertrag mit dem Kommunikationsberater Kurt Diekmann. Im Zuge der Recherche wurde Kellers Büroleiter und enger Vertrauter Samy Hamama fristlos gekündigt. Der Fall landete bei der Ethikkommission des DFB und auch beim Arbeitsgericht Frankfurt am Main. Die "Causa Hamama" zerstörte ein ohnehin schon zerrüttetes Verhältnis zwischen den beiden Lagern.

Bedeuten die Rückzüge einen Neuanfang?

Nein. Koch und Peter Peters werden den Verband kommissarisch führen. Beide sind seit mehr als einem Jahrzehnt entscheidende Funktionäre im deutschen Fußball und vertreten aktuell den DFB in Gremien der internationalen Verbände UEFA und FIFA. Beide sind als glänzende Netzwerker bekannt und haben nun die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten. Es ist davon auszugehen, dass sie auch nach dem nächsten Bundestag des DFB im Präsidium verbleiben werden.

Keller mahnt in seiner Rücktrittserklärung an, dass all seine Widersacher, die ihn in der Aufarbeitung teilweise dubioser Vorgänge hinderten, auch von der Bildfläche verschwinden müssen, und zwar komplett. Er fordert: "Eine personelle Erneuerung der Spitze des DFB, ohne die ein glaubwürdiger Neuanfang nicht möglich ist."

Wie geht es weiter?

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der DFB zügig auf einem Außerordentlichen Bundestag eine neue Präsidentin oder neuen Präsidenten wählt. Angekündigt ist aber, dass der Ordentliche Bundestag vom Herbst 2022 in den Beginn des Jahres vorverlegt wird.

Offen ist, wer Kandidat:innen aussucht. Bei Keller half ein Headhunter, der aktuell auch nach einem Nachfolger für den scheidenden DFL-Boss Christian Seifert suchen soll. Üblicherweise einigen sich Vertreter von Profis und Amateuren, die durch den natürlichen Konflikt bei der Geldverteilung einen latenten Streit führen, auf einen Kandidaten. Es wäre schon ein Fortschritt, wenn es dieses Mal eine Kandidatin, einen Wahlkampf und eine Kampfabstimmung geben würde.

Namen werden schon reichlich gehandelt, selbst von Personen, die schon mehrmals betonten, das Amt nie antreten zu wollen. Einer ernsthaften Neuausrichtung des Verbandes ist das Namedropping nicht förderlich.

ARD-Experte Neumann über DFB-Präsident Keller: "Rücktritt viel früher erwartet" Sportschau 11.05.2021 03:48 Min. Verfügbar bis 11.05.2022 Das Erste

Stand: 14.05.2021, 17:40

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