DFB-Präsident Fritz Keller massiv in der Kritik - Treffen am Freitag

DFB-Präsident Fritz Keller

Krise beim Deutschen Fußball-Bund

DFB-Präsident Fritz Keller massiv in der Kritik - Treffen am Freitag

Nach seiner verbalen Entgleisung steht DFB-Boss Fritz Keller hart in der Kritik, einige Verbände und die DFL distanzieren sich von seinen Aussagen. Nun wollen sich Keller und sein Stellvertreter Rainer Koch offenbar am Freitag treffen.

Nach SID-Informationen soll das Gespräch in Potsdam im Vorfeld der Zusammenkunft der 21 Landesverbands-Spitzen stattfinden. Dabei wird es darum gehen, ob Koch die Entschuldigung Kellers annimmt.

Keller, der seit Monaten im Mittelpunkt des Machtkampfes beim Deutschen Fußball-Bundes (DFB) steht, hatte seinen Vize Koch in einer Sitzung mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen. Keller bat dafür mittlerweile mehrfach um Verzeihung, lehnte einen Rücktritt, der ihm vom Bayerischen Fußballverband nahegelegt wird, aber ab.

DFL-Vertreter distanzieren sich

Auch die DFL-Vertreter im DFB-Präsidium übten scharfe Kritik. "Wir distanzieren uns deutlich und in aller Form von der Äußerung und der Wortwahl, die DFB-Präsident Fritz Keller in Richtung von DFB-Vizepräsident Rainer Koch im Rahmen der Präsidiumssitzung am 23. April getätigt hat", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Eine solche Äußerung ist absolut inakzeptabel."

Quasi wortgleich wurde Kellers Verhalten vom gegnerischen Lager im Machtkampf verurteilt: von Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge. Die Stellungnahme des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) klingt wie eine indirekte Rücktrittsforderung: "Fritz Keller disqualifiziert sich, er vertieft so weiter die Gräben und betreibt Polarisierung. Mit einem derartigen Verhalten, das jedwede Grenzen überschreitet und nicht zu tolerieren ist, wird er seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht."

Keller empörte mit Nazi-Vergleich

Am Montag (26.04.2021) hatte der "Spiegel" einen Text veröffentlicht, in dem es hieß, DFB-Präsident Fritz Keller habe seinen Vizepräsidenten Rainer Koch vor einigen Tagen im Streit mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen.

Freisler war als Teilnehmer an der Wannseekonferenz einer der Verantwortlichen für die Organisation des Holocaust und später Präsident des berüchtigten Volksgerichtshofes. Er soll in dieser Zeit etwa 2.600 Todesurteile verhängt haben - darunter auch gegen die Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

Keller entschuldigt sich in einem Statement

Nach "Spiegel"-Angaben hat DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius eine Anzeige bei der Ethikkommission des Verbandes erstattet. Bestätigt hat der DFB die Vorfälle nicht. Eine Sprecherin sagte der Sportschau, man werde sich derzeit zu den Vorwürfen nicht weiter äußern. Das Statement, das "Spiegel" und "Bild" abgedruckt hatten, sei aber echt. Darin hatte Keller sich zunächst entschuldigt und erfreut gezeigt, dass Koch seine Entschuldigung auch angenommen habe. Dies musste er wenig später zurücknehmen.

"Ich freue mich, dass Rainer Koch zu gemeinsamen Gesprächen bereit ist. (...) Ich ging davon aus, dass er meine Entschuldigung, um die ich ihn schriftlich und am Telefon gebeten habe, umgehend annehmen würde. Diese Einschätzung war, wie aus seiner gestrigen schriftlichen Antwort an mich hervorging, falsch", erläuterte der DFB-Präsident.

Für DFB-Präsident Keller wird die Luft dünner

Sportschau 27.04.2021 00:46 Min. Verfügbar bis 27.04.2022 ARD Von Julia Metzner


"Ich bedauere, dass nach meinem gestrigen Statement ein anderer Eindruck entstanden ist." Zuvor hatte Koch explizit der ursprünglichen Darstellung Kellers widersprochen, wonach er dessen Bitte um Verzeihung bereits nachgekommen sei. Koch ließ über den BFV auf SID-Anfrage vielmehr mitteilen, dass er die schriftliche Entschuldigung des Präsidenten "bislang nicht angenommen" habe, "weil er den gesamten Vorgang mit zeitlichem Abstand zunächst in einem persönlichen Gespräch mit Fritz Keller aufarbeiten möchte". 

Curtius und Osnabrügge kritisieren Keller scharf

DFB-Generalsekretär Curtius und Schatzmeister Osnabrügge, die im Machtkampf an der Verbandsspitze eine besondere Rolle spielen, hatten bei ihrer Kritik an Keller unter anderem auf die jährliche Vergabe des Julius-Hirsch-Preises, der vom DFB für besonderen Einsatz für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit verliehen wird.

Der Vorgang liege "nun in den Händen der Ethikkommission. Wir haben großes Vertrauen darauf, dass diese mit ihrer Entscheidung die Glaubwürdigkeit des DFB wiederherstellen wird." Die Ethikkommission wollte sich auf Anfrage nicht zum "Fall Fritz Keller" äußern, generell gebe man keine Informationen zu laufenden Verfahren.

Machtkampf an der Verbandsspitze

Die Verbandsspitze gilt schon länger als zerstritten. Seit Monaten stehen sich die Lager um Keller auf der einen Seite und Curtius auf der anderen nahezu unversöhnlich gegenüber. Dies führte an der Basis zu großem Unmut, den zahlreiche Vertreter der Landes- und Regionalverbände vor der Sitzung in einem Protestbrief artikuliert haben.

Der Machtkampf im deutschen Fußball: Profis gegen Amateure sport inside 21.02.2021 12:24 Min. Verfügbar bis 21.02.2022 WDR Von Matthias Wolf

Kritik von der Basis

Nach Informationen des "Kicker", der schon vor Tagen aus dem Schreiben zitierte, heißt es darin unter anderem, dass "die Handlungsfähigkeit in der Führungsspitze des DFB nicht mehr gegeben" sei und der Zustand des DFB als "desolat" angesehen werde. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll es in der Frankfurter Verbandszentrale sogar Überlegungen geben, bereits im Spätsommer dieses Jahres einen Bundestag mit Neuwahlen einzuberufen. Wahlen stehen eigentlich erst 2022 an.

Bei der Tagung der Landesverbände am Wochenende will Keller nach Informationen des "Kicker" und der "Bild"-Zeitung für den außerordentlichen Bundestag werben. Ob es eine Mehrheit für dieses Vorhaben gibt, ist offen. Einige Landesverbände unterstützen diesen Vorschlag und wollen zudem, dass der komplette Präsidialausschuss mit Keller, Koch, Curtius, Vize Peter Peters und Schatzmeister Stephan Osnabrügge die Vertrauensfrage stellt. Allerdings sind nach SID-Informationen auch zahlreiche Landesverbände gegen die Einberufung eines Bundestags.

Keller seit September 2019 Präsident

Keller ist seit September 2019 Chef des größten Einzel-Sportfachverbandes und hat im März erklärt, auch für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Der frühere Präsident des Bundesligisten SC Freiburg versprach nach seinem Amtsantritt unter anderem, den immer noch nicht restlos aufgearbeiteten Skandal um die Heim-WM 2006 aufzuklären.

red/sid/dpa | Stand: 29.04.2021, 09:36

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