DFB - es fehlt so viel, nur nicht an Namen

Zentrale des Deutschen Fussball Bundes

Nach dem Rücktritt von Präsident Fritz Keller

DFB - es fehlt so viel, nur nicht an Namen

Von Marcus Bark

Der Brandbrief des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Fritz Keller ist auch das Eingeständnis des eigenen Scheiterns. Der Verband müsste dringend Prozesse anschieben und Fragen beantworten. Den beiden Interimspräsidenten wird beim Spiel auf Zeit geholfen, weil es öffentlich nur um Namen von möglichen Nachfolgern Kellers geht.

Die Worte hallen. In seiner am Montag (17.05.2021) verbreiteten Erklärung vernichtet der nun ehemalige Präsident Fritz Keller den Deutschen Fußball-Bund, in erster Linie seine nun ehemaligen internen Gegner. Deren Namen fehlen zwar in dem Schreiben, aber Vizepräsident Dr. Rainer Koch, Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge dürften schon wissen, dass sie gemeint sind.

Es ist genug vorhanden in dem Schreiben, die "desolate Führungssituation" etwa, die "Widerstände und Mauern", die weiter näher beleuchtet werden müssten.

Fritz Keller tritt nicht nur zurück, sondern auch nach Tagesschau 17.05.2021 01:18 Min. Verfügbar bis 17.05.2022 Das Erste

Auf den üblichen Dank verzichtete der DFB im Fall Keller

Aber es lohnt sich auch eine Betrachtung all dessen, das es nicht gab und gibt in diesen für den Verband so würdelosen Wochen. Das Schreiben selbst etwa ist interessant, ist es doch ausdrücklich eine "persönliche Erklärung". Da sagt der Präsident, dass er zurücktritt. Formell ist es üblich, dass ein Verband mitteilt, dass sein Präsident zurücktritt. Dessen Erklärungen werden dann in eine solche Mitteilung eingearbeitet, genau wie der übliche Dank, die warmen Worte zum Abschied mit den besten Wünschen für die Zukunft.

Auf diese Heuchelei verzichtete der DFB. Es wäre auch höchstens Peter Peters infrage gekommen, der als Verteter der Profilobby aus der DFL im Präsidium des DFB sitzt.

Koch und Peters bilden jetzt die kommissarische Doppelspitze und übernehmen Kellers Amtsgeschäfte. "Peter Peters und Dr. Rainer Koch werden nach dem Rücktritt von Fritz Keller vorübergehend als gleichberechtigte Interimspräsidenten den Übergang des Verbandes gestalten", teilte der DFB mit. Allerdings hatte er das schon am Dienstag (11.05.2021) getan, als angekündigt wurde, dass einiges passieren wird. Zum weiteren Vorgehen jetzt: kein Wort.

DFB-Krisen: Was der DFB tun muss, um sich zu "entstauben"

Sportschau 17.05.2021 04:27 Min. Verfügbar bis 17.05.2022 ARD


Etliche Fragen abseits von Personen

Zwei, die mehr als ein Jahrzehnt an entscheidenden Positionen im DFB mitwirkten, sollen nun also den "Übergang des Verbandes gestalten". Das wirft etliche Fragen auf, auch abseits von Personen.

Zu erwarten ist, dass schon in ein paar Tagen vor allem wieder über Fußball im Zusammenhang mit dem DFB gesprochen wird. Die Nationalmannschaft, Eliteauswahl des Verbandes und Goldesel, bereitet sich ab dem 28. Mai auf die Europameisterschaft vor. Da bleibt dann vielleicht noch Raum für ein paar weitere Namen, die als künftige Präsidentin oder Präsident infrage kommen.

Namedropping hilft nur einer kleinen Gruppe

Viele Namen sind schon ins Gespräch gebracht worden, darunter sind seriöse Vorschläge. Aber es gibt auch ein wildes Namedropping. Das hilft niemandem außer denen, die selber gerne von den drängenden Themen ablenken würden.

Manche bringen sich auch selbst ins Gespräch. Sylvia Schenk etwa, Antikorruptions-Expertin bei Transparency International Deutschland, erklärte mehrmals die Bereitschaft, für einen Übergang zur Verfügung zu stehen.

Aber auf welcher Grundlage soll so etwas passieren? Niemand hat bislang einen Außerordentlichen Bundestag ins Gespräch gebracht. Es soll einen Ordentlichen Bundestag geben, den allerdings vorgezogen. Der DFB schreibt vom "Beginn des Jahres" 2022, Rainer Koch vom Frühjahr. Es dauert also noch, und Namen, die heute gehandelt werden, könnten schon im Herbst vergessen sein.

Zweite Schritte vor dem ersten

Es werden zweite Schritte vor dem ersten getan. Offen ist, wer die Kandidat:innen aussucht. In der Therorie läuft das über die Landesverbände, die ein Vorschlagsrecht haben. In der Praxis lief es bislang so, dass irgendwann jemand auserkoren wurde, der dann auf dem Bundestag per Handzeichen bestätigt wurde. Von einer Wahl im demokratischen Sinn, dass sich also der Wähler jemanden unter mehreren Optionen aussuchen kann, hielt der DFB noch nie etwas.

Ute Groth, die sich 2019 beworben hatte, sagte der Sportschau, dass der Versuch schon in ganz frühem Stadium und unter fadenscheinigen Gründen scheiterte. Bei einem Verbandstag, auf dem über ihre Kandidatur gesprochen werden sollte, sei der Tagesordnungspunkt "gar nicht aufgerufen worden".

Groth bemängelt zudem "Intransparenz" in einem "System, das sich über Jahrzehnte so entwickelt hat". Trotzdem kündigte sie an, für den nächsten Bundestag einen neuen Anlauf nehmen zu wollen.

Groths Bewerbung vor zwei Jahren: "Punkt Kandidatur ist nicht aufgerufen worden" Sportschau 18.05.2021 01:36 Min. Verfügbar bis 18.05.2022 Das Erste

Groth fehlt die Transparenz beim DFB, und auch in diesem Punkt wird sich zeigen, ob sich der Verband bessert. Warum gibt es nun keinen Außerordentlichen Bundestag, den es ja nach dem Rücktritt Wolfgang Niersbachs 2015 auch gab? Zwischen dem Rücktritt Reinhard Grindels im April 2019 und dem nächsten Ordentlichen Bundestag lag nur ein knappes Vierteljahr. Das ist nun anders, daher stellt sich die Frage, die von den bedeutenden Protagonisten aber nicht gestellt wird.

Ute Groth: "Bremsklötze beim DFB" verhindern seit Jahren einen Neuanfang Sportschau 18.05.2021 00:36 Min. Verfügbar bis 18.05.2022 Das Erste

Kellers Erklärung ist auch das Eingeständnis seines Scheiterns

Es ist ohnehin ziemlich ruhig. Reaktionen aus der Liga zum Brandbrief Kellers gibt es auch einen Tag danach keine. Über "ihren" Mann im DFB, Fritz Keller, hat die DFL allerdings auch schon viel gesagt.

Zu gegebener Zeit werden die Lager ihre Kandidat:innen ins Licht rücken. Dann wäre es so, wie es in den vergangenen Jahrzehnten immer war. Fritz Keller hatte den DFB ändern wollen, hin zu einem Verband, der Prozesse benennt und sie offen begleitet. Insofern ist seine persönliche Erklärung auch das Eingeständnis, krachend gescheitert zu sein.

Stand: 18.05.2021, 14:00

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