DFB-Präsident Keller erklärt Rücktritt und rechnet ab

Fritz Keller ist nicht mehr der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

"Desolate Führungssituation"

DFB-Präsident Keller erklärt Rücktritt und rechnet ab

Von Marcus Bark

Jetzt ist es amtlich: Fritz Keller ist als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurückgetreten. "Mein Rücktritt wird die Probleme innerhalb des DFB und des Fußballsports allerdings nicht lösen", teilte er in einer persönlichen Erklärung mit, die vor allem eine Abrechnung ist.

"Es war mir eine Ehre, dem Fußball nach besten Kräften zu dienen", schloss Keller seine am Montag (17.05.2021) verbreitete Erklärung, die noch für Gesprächsstoff sorgen wird.

Keller zog mit dem Rücktritt die Konsequenzen aus einer Entgleisung, die zu einem beispiellosen Verfahren vor der Ethikkammer des DFB-Sportgerichts führte. Während einer Sitzung nannte Keller seinen internen Gegner und Vizepräsidenten Rainer Koch "Freisler". Roland Freisler war in der Zeit des Nationalsozialismus einer der schlimmsten Richter und mitverantwortlich für die Organisation des Holocaust. Das Urteil der Ethikkammer, die erstmals in der Geschichte des DFB tagte, wird für Mittwoch (19.05.2021) erwartet.

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Keller wörtlich in seiner Erklärung: "Ich übernehme damit persönlich Verantwortung für meine Entgleisung in der Präsidiumssitzung vom 23. April 2021, die trauriger Tiefpunkt der desolaten Führungssituation des DFB bleiben soll."

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Missstände im Verband

Weiter teilte er mit: "Mein Fehlverhalten erfolgte in einem für den DFB beschämenden Umfeld, mein Rücktritt wird die Probleme innerhalb des DFB und des Fußballsports allerdings nicht lösen." In der Erklärung geht er ausführlich auf die Missstände ein, die er im Verband sieht.

Vor allem wirft er seinen Gegnern vor, dass sie ihn an erforderlicher Aufklärungsarbeit hinderten. Konkret nannte er etwa einen "unschlüssigen Vertrag mit einer Kommunikationsagentur". Der Vertrag wurde mit dem Kommunikationsberater Kurt Diekmann geschlossen. Wofür Diekmann genau die dort angeführten 360.000 Euro erhielt, ist offen.

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Rainer Koch, der wegen des Vertrages vor allem im schlechten Licht erscheint, behauptet, Diekmann habe bei der Krisenkommunikation um die Auflösung eines Vertrages mit dem langjährigen DFB-Vermarkter Infront geholfen. Davon bekamen aber selbst Angestellte des DFB, ehemalige Funktionäre und auch Journalisten, die sich mit dem Thema befassten, nur wenig mit.

"In jeder Phase" seiner Amtszeit, die im September 2019 begann, habe Keller "Widerstände und Mauern" erlebt. Sein Schluss: "Mit ordnungsgemäßer Verbandsführung hatte und hat das alles nichts zu tun."

Kein Neuanfang

Keller nannte seine verbandsinternen Widersacher in der Erklärung nicht namentlich. Zum gegnerischen Lager, das ihn an seiner beabsichtigten Aufklärungsarbeit gehindert habe, zählen Koch, Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge. Curtius wird nach dem Rücktritt Kellers nun in Verhandlungen mit dem DFB über eine Auflösung seines Arbeitsvertrages treten. Osnabrügge hatte angekündigt, nicht mehr für das Ehrenamt des Schatzmeisters antreten zu wollen.

Kommissarische Doppelspitze

Bis zum nächsten Bundestag werden die Vizepräsidenten Rainer Koch und Peter Peters nun die Geschäfte kommissarisch führen.

Koch hatte am Dienstag (11.05.2021) nur angekündigt, dass er nicht mehr als "1. Vizepräsident Amateure" antreten wolle. Es ist davon auszugehen, dass er genau wie Peters, der dank seines Amtes im Profiverband DFL im Präsidium des DFB sitzt, weitermachen wird.

Daran gab es schon in den vergangenen Tagen Kritik. Von einem Neuanfang könne daher nicht die Rede sein, zumal der nächste Bundestag erst im ersten Drittel des Jahres 2022 abgehalten werden soll.

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Stand: 17.05.2021, 12:06

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